„Wir müssen Neues auf den Weg bringen“

Den Glauben zu leben, Kirche zu sein und das Leben zu teilen - das sind für Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck drei wichtige Perspektiven auf dem zukünftigen Weg des Ruhrbistums in die Zukunft. Aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen und einer sich wandelnde Kirchlichkeit müsste Neues auf den Weg gebracht werden.


Predigt von Bischof Franz-Josef Overbeck am Neujahrstag

Die großen Veränderungen in Kirche und Gesellschaft führen nach Ansicht von Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck bei vielen Menschen zu Verunsicherung und stellen eine große Herausforderung dar. „Wer diese Herausforderungen, die kirchlich und gesamtgesellschaftlich von hoher Relevanz und Brisanz sind, zu bewältigen hat, muss Ziele im Blick haben und Inhalte bestimmen“, betonte Overbeck in seiner Predigt am Neujahrstag im Essener Dom. An diesem Tag feiert die Kirche das Hochfest der Gottesmutter Maria. "Ihr Lebensprogramm lässt sich gut und einfach in ihrem Wort 'Was er euch sagt, das tut' zusammenfassen", so der Bischof. 

Bei seinen Besuchen in den 43 Pfarreien des Ruhrbistums im Jahr 2010 seien ihm „viel guter Wille, viel Kraft und Einsatz, Energie und Kreativität“ begegnet, um die Herausforderungen anzugehen. Er habe aber auch Unverständnis, Wut, Zorn, Enttäuschung und Trauer über den „Verlust des Geliebten, des gerade Vergangenen“ erlebt. „Mir ist dabei deutlich geworden, dass es wichtig ist, nach einer Phase des Abschiednehmens, die durchlebt werden muss, lohnenswerte Horizonte zu haben“, sagte der Bischof. Die wirtschaftliche und demografische Entwicklung des Ruhrgebietes und des märkischen Sauerlandes sowie eine „andere, neue Kirchlichkeit“ stellen nach Ansicht von Overbeck das Bistum Essen vor die Aufgabe, „der Gestalt unserer Kirche einen neuen Stil zu geben“. Diese „von Gott gestellte Aufgabe“ verlange, viel Neues auf den Weg bringen zu müssen. „In den kommenden Jahrzehnten werden wir in dem oft sehr Kräfte zehrenden Spannungsbogen zwischen dem Gewohnten und Geliebten, und dem, was erst als zarte Pflanze neu wächst und doch sehr ungewohnt ist, leben“, so Overbeck.

Für den Bischof sind auf dem zukünftigen Weg des Bistums drei Perspektiven von besonderer Bedeutung: den „Glauben zu leben“, „Kirche zu sein“ und „das Leben zu teilen“. Es gehe zum einen darum, den Glauben „als Vertrauen auf Gott“ für die Menschen in den Alltag zu übersetzen. Was die Kirche betreffe, habe das Jahr 2010 gezeigt, dass sie auf dem Prüfstand stehe. Overbeck: „Wo Vertrauen missbraucht wird, da schwindet nicht nur der Glaube, sondern auch ein fundamentales Vertrauen in fast alle, die die Kirche bezeugen und einen Auftrag in ihr haben.“ Kirche zu sein bedeutet nach Ansicht des Bischofs deshalb, „ihre geistlichen Perspektiven zu entschlüsseln, um einen Sinn für die Institution zu bekommen“. Das Leben zu teilen heiße, „an den Sorgen und Nöten der Menschen Anteil zu nehmen und zu helfen, wo Not ist“. Bei den vielen Begegnungen in seinem ersten Amtsjahr habe Overbeck die „übergroße Armut“ zahlreicher Menschen sowie die „Suche vieler nach Heimat“ bewegt.

Bei allen Schritten zu Neuem sei das Evangelium "das beste Saatgut, das die Welt kennt und das Gott uns gibt", betonte Overbeck. Dieses Saatgut dürften Christen "in das Erdreich des Lebens der Menschen einpflanzen, wenn wir den Glauben so leben, dass er die Herzen vieler Menschen anrührt, wenn wir Kirche sind, so dass sich andere eingeladen fühlen, in das Geheimnis unserer Gemeinschaft einzutreten, und wenn wir das Leben teilen mit allen, die Gott uns schenkt", schloss Bischof Overbeck. (do)


Predigt von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

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