„Wir brauchen einen neuen Lebensstil“

Sechs Verbände und Organisationen gründen in Essen ein christlich-gewerkschaftliches "Bündnis für gute Arbeit"

Essener Bündnis für „Gute Arbeit“ gegründet.

Menschengerechte Arbeit weltweit – das fordert in Essen ein christlich-gewerkschaftliches Bündnis aus sechs Verbänden und Organisationen. Am Tag der Menschenrechte und der Verkündung der UN-Menschenrechtscharta haben die Beteiligten am vergangenen Donnerstag ein "Bündnis für Gute Arbeit" geschlossen und eine Charta für menschenwürdige Arbeit vorgestellt. In dem Bündnis zusammengeschlossen sind unter anderem das katholische Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat, der Verein deutscher Gewerbeaufsichtsbeamter und die Essener Diözesan-Verbände von kfd und KAB. Für die Forderungen der Charta wollen die insgesamt 40.000 Mitglieder zählenden Verbände in den kommenden Jahren mit der Duisburger Jugendberufshilfe-Einrichtung Werkkiste und der Christlichen Arbeiterjugend aktiv werden. Gäste des Abends waren der Essener Bürgermeister Franz-Josef Britz, Weihbischof Ludger Schepers und Samira Stieber, Koordinatorin für weltweite soziale Ehrenamtsprojekte beim Essener Energiekonzern RWE.

Charta fordert gerechte Löhne, Sicherheit und Gesundheitsschutz

In der Charta fordert das Bündnis Lohngerechtigkeit, Sicherheit und Gesundheit für alle Beschäftigten sowie starke Arbeitnehmervertretungen. Kinderarbeit verhindere die Unversehrtheit der Jüngsten, ihre Bildung, Geborgenheit und ein Leben in Würde. Zum weltweit verantwortlichen Handeln gehört für das Bündnis auch, Konsum in reichen Ländern in Frage zu stellen, der Menschen anderswo durch Billigst-Arbeit das Leben schwer macht. Nach den Gesprächen des Abends wird das Bündnis in Gesellschaft, Kirche und Wirtschaft Partner suchen, um die Forderungen im Sinn arbeitender Menschen umzusetzen.

Weihbischof Schepers begrüßt die 2014 begonnene Arbeit des Bündnisses und zitierte Worte der Päpste Johannes Paul II. und Franziskus. Die menschliche Arbeit sei „Dreh- und Angelpunkt der gesamten sozialen Frage“, Arbeit sei „grundlegend für die Würde einer Person“. Menschenwürdige Arbeit bedeute nicht, Arbeitsplätze um jeden Preis zu schaffen. „Nicht alles, was Arbeit schafft, ist human und sozial.“

Als Sprecher der Workshops dieses Abends stellten Adveniat-Geschäftsführer Stephan Jentgens, Luzia Lagoda (kfd) und Norbert Geier (Werkkiste) Handlungsanweisungen für menschenwürdige Arbeit vor. „Gute Arbeit, von der Menschen in Europa und weltweit wirklich leben können, braucht vor allem in wohlhabenden Industrieländern einen anderen Lebensstil“, betonte Jentgens. „Wir müssen jetzt verstehen“, nahm er Bezug auf weltweite Flüchtlingsströme, „dass Wohlhabende zu lange auf Kosten der anderen gelebt haben.“ Lagoda kritisierte die unterschiedliche Bewertung technischer Berufe und der oft von Frauen ausgeübten Sozial-Berufe. „Wir müssen psychosoziale Belastungen – etwa in der Pflege – bei der Entlohnung berücksichtigen.“ Norbert Geier forderte, Werte wie Freude an fairer Arbeit neu zu vermitteln, nachhaltig in Menschen zu investieren, statt aus Gründen von Gewinnmaximierung beim Personal zu sparen. Es lohne, junge wie ältere Menschen auf ihrem Weg in der Arbeitswelt bewusst zu fördern.

Welt-Bild mit Diskussions-Impulsen wird ausgeliehen

Die Diskussionen des Abends fanden vor der Bildkulisse der Erde, ihrer Kontinente und arbeitender Menschen statt. Als Ideenpool wird das mit angehefteten Stichworten aus der Workshop-Arbeit ergänzte Welt-Bild künftig NRW-weit für weitere Kampagnen ausgeliehen. „Der transportable Holzrahmen mit der bunten Welt kann auch im Landtag NRW, bei Gewerkschaftstagen, in Bankhäusern oder Schulen Aufmerksamkeit finden", erläuterte Andreas Schellhase, der den Essener Menschenrechtstag für die KAB und das Bündnis organisiert hatte. (U.W./tr)

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