"Wer Frieden will, muss sich für Gerechtigkeit einsetzen!"

Adveniat, das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland, hat in Stuttgart seine Jahresaktion eröffnet. Auch Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck war bei dem feierlichen Gottesdienst im Stuttgarter Dom mit dabei. Das Beispiel-Land Guatemala verdeutlicht, was das diesjährige Motto "Frieden Jetzt!" bedeutet.

Feierliche Eröffnung der Adveniat-Jahresaktion in Stuttgart

Mit einem feierlichen Gottesdienst hat das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat die bundesweite Advents- und Weihnachtsaktion der katholischen Kirche in der Domkirche in Stuttgart eröffnet. „Frieden Jetzt! – das ist zurecht die Forderung, die das Bischöfliche Hilfswerk Adveniat für seine diesjährige Jahresaktion gewählt hat“, sagte Bischof Gebhard Fürst von Rottenburg-Stuttgart. „Dahinter verbirgt sich eine Botschaft, nach der wir uns in diesen – alles andere als friedlichen – Zeiten sehnen. Jesu hat es uns vorgemacht: Wer Frieden jetzt will, muss sich für eine Gerechtigkeit einsetzen, die den Menschen die Chance auf eine menschenwürdige und damit friedliche Zukunft ermöglicht – und das weltweit.“ Gemeinsam mit Bischof Gebhard Fürst feierten Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck, der Vorsitzende der Kolumbianischen Bischofskonferenz, Bischof Luis Augusto Castro Quiroga, Bischof Cabrera aus Guatemala, Weihbischof Thomas Maria Renz und Adveniat-Hauptgeschäftsführer Prälat Bernd Klaschka den Gottesdienst mit vielen weiteren Gästen aus Lateinamerika und Deutschland.

Nicht die Menschen vergessen, die anderswo unter Terror, Gewalt und Ungerechtigkeit leiden

„Die Schockstarre aufgrund der grausamen Anschläge auf zahllose unschuldige Menschen in Paris steckt uns noch in den Knochen“, sagte Bischof Fürst in seiner Predigt. Zudem seien die Christen hierzulande voll und ganz von der Situation der Menschen gefordert, die vor Gewalt und Terror fliehen und in Deutschland Schutz suchen – vor der Kälte des Winters und vor allem vor der Kälte des Hasses und des Terrors in ihrer Heimat. „Zu leicht vergessen wir aufgrund der aktuellen Probleme in Europa die Menschen, die in anderen Erdteilen seit Jahren unter Terror, Gewalt und struktureller Ungerechtigkeit leiden. So ist auch in vielen Ländern Lateinamerikas das Thema Gewalt tagtäglich präsent.“

Beispiel-Land Guatemala

Fürst erinnerte besonders an die Situation in den Beispielländern der diesjährigen Adveniat-Aktion: In Guatemala prägt auch 20 Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs Gewalt den Alltag der Menschen. Nach 50 Jahren Bürgerkrieg verhandelt in Kolumbien die Regierung mit der Guerilla-Bewegung FARC über einen Friedensvertrag. Wie sehr unzählige Menschen dort unter der ungleichen Verteilung des Reichtums leiden, erlebt die Theologin Ulrike Purrer in der Diözese Tumaco an der Pazifikküste Kolumbiens tagtäglich. „Dies führt für die Mehrheit der Bevölkerung nicht nur zu unwürdigen Lebensbedingungen in einfachsten Holzhütten ohne Strom- und Wasserversorgung, ohne Zugang zu Gesundheit, Bildung und Arbeit, sondern auch zu bewaffneten Konflikten“, sagte sie im Gottesdienst. Indem sie mit den Kindern und Jugendlichen arbeitet und auch solidarisch mitten unter ihnen lebt, will Ulrike Purrer in ihnen die Hoffnung wecken, von einer alternativen Zukunft zu träumen.

36 Jahre Bürgerkrieg, über 200.000 Tote

Bischof Julio Cabrera aus Guatemala erinnerte bei der Adveniat-Aktionseröffnung an die mehr als 200.000 Toten, die der 36 Jahre dauernde Bürgerkrieg in seinem Land gefordert hat. „Auch zwölf Priester, zwei Ordensbrüder, eine Schwester und viele Katechisten und Laien in der Gemeindearbeit starben als Märtyrer.“ Zwei Jahre nach dem Friedensschluss 1996 sei Weihbischof Juan Gerardi aufgrund seines Einsatzes für die Menschenrechte ermordet worden. „Er war es, der die Arbeiten am Wahrheitsbericht koordinierte, den die katholische Kirche über die Geschehnisse während des Bürgerkriegs unter dem Titel ‚Guatemala – nie wieder!‘ veröffentlicht hatte“, erinnerte Bischof Cabrera an den mutigen Märtyrer.

Bitte um Unterstützung für die Friedensarbeit

Damit die katholische Kirche ihre engagierte Friedens- und Menschenrechtsarbeit fortsetzen kann, ist sie auch auf die Hilfe der Menschen hierzulande angewiesen. „Mit Ihrer Unterstützung tragen Sie dazu bei, dass Lateinamerika nicht zu einem vergessenen Kontinent wird und gleichzeitig stärken Sie ganz konkret die Arbeit der Friedensbotschafter und Friedensarbeiter in Lateinamerika“, sagte Bischof Fürst.

Die Hilfe durch Adveniat wirkt

Adveniat, das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland, steht für kirchliches Engagement an den Rändern der Gesellschaft und an der Seite der Armen. Dazu arbeitet Adveniat entschieden in Kirche und Gesellschaft in Deutschland. Getragen wird das Werk von Hunderttausenden Spenderinnen und Spendern – vor allem auch in der alljährlichen Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember. In Essen ist Adveniat unter anderem mit dem Brotback- und dem Kerzenziehhaus auf dem Weihnachtsmarkt präsent. Außerdem engagieren sich viele lokale Initiativen gerade in der Advents- und Weihnachtszeit für die Arbeit des Hilfswerks. Diese Arbeit finanziert Adveniat zu 95 Prozent aus Spenden. Die Hilfe wirkt: Im vergangenen Jahr konnten rund 1900 Projekte gefördert werden, die mit einer durchschnittlichen Fördersumme von gut 14.000 Euro genau dort ansetzen, wo die Hilfe am meisten benötigt wird: an der Basis, direkt bei den Armen. (adv, tr)

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