Wenn Mädchen und Jungen getrennt lernen

Im nächsten Jahr wird das Bischöfliche Mariengymnasium in Essen-Werden auch Jungen aufnehmen. Junge Menschen zu fördern und dabei neue Wege zu gehen - das ist Ziel des Projektes "Parallele Mono-Edukation".

Wissenschaftler begleiten neues Bildungsangebot

Das Projekt trägt die Bezeichnung „Parallele Mono-Edukation“. Was den  Fachleuten aus der Welt der Erziehungswissenschaften und Unterrichtslehre so leicht über die Lippen kommt, dürfte vielen Eltern zunächst nur ein ahnungsloses Achselzucken entlocken. Das aber soll sich bald ändern - spätestens zum Beginn des Schuljahres 2010/2011, wenn das traditionsreiche Bischöfliche Mariengymnasium in Essen-Werden erstmals auch Jungen aufnehmen wird. Anders als gewohnt, werden dann die Mädchen und Jungen in der Sekundarstufe I (Klassen 5-9) nicht in gemeinsamen Klassen unterrichtet, sondern getrennt. „Parallele Mono-Edukation“ eben.

Ziel dieses in Essen bislang einmaligen Bildungsangebotes ist es, „die geschlechtsspezifischen Stärken der Schülerinnen und Schüler auszubauen und ihre Schwächen zu beheben“, sagt Bernd Ottersbach, Schuldezernent des Bistums Essen. „Denn Mädchen lernen anders als Jungen und Jungen lernen anders als Mädchen.“ Mit dem getrennten Unterricht wolle man gezielter auf diese Unterschiede eingehen und so Schülerinnen und Schüler individueller fördern. Hinzu komme die Beobachtung von Pädagogen und Soziologen, dass Jungen zunehmend zu den Verlierern des Bildungssystems gehören. Dieser Entwicklung entgegenzuwirken, entspreche zugleich dem katholischen Bildungsauftrag, nämlich „Schwache zu fördern“, so Schulleiter Hanspeter Loewen.

Erst ab Klasse 10, mit Beginn der Oberstufe, werden Mädchen und Jungen gemeinsam unterrichtet. Nicht nur, weil dann die entwicklungsspezifischen Unterschiede der Schülerinnen und Schüler nicht mehr so stark zur Geltung kommen, sondern, so Ottersbach, „weil das gemeinsame Lernen und Arbeiten auch eine wichtige Voraussetzung für Schule und Beruf sei.

„Junge Menschen fördern und dabei auch neue Wege gehen“, lautet für Bernd Ottersbach die Zielvorgabe des Projekts „Parallele Mono-Edukation“. Und er weiß, dass dieser neue Weg mit weit reichenden Konsequenzen verbunden ist. Deshalb lässt das Bistum Essen das Projekt auch wissenschaftlich begleiten. Schließlich gilt es, nicht nur methodische und organisatorische Fragen zu klären, sondern es muss ein neues Schulkonzept entwickelt werden. „Auch die Schulkultur wird sich ändern“, ist sich Schulleiter Loewen sicher.

Betraut mit dieser Aufgabe wurde das Institut für Qualitative Bildungsforschung (IQ Bildung) der Universität Bonn unter Leitung von Professor Volker Ladenthin und Professor Michael Ley. Vereinbart sind unter anderem Workshops mit Lehrerinnen und Lehrern, fachpädagogische Beratung und Begleitung, aber auch Eltern-Befragungen. (ul)  

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