Wenn ein Buchstabe Geschichte schreibt

Manchmal schreiben auch Buchstaben Geschichte. Dem Umstand, dass sein Name im Alphabet an erster Stelle steht, verdankt der heutige Dompropst am Paulusdom in Münster, Josef Alfers, die Tatsache, dass er 1963 der erste Abiturient des Bischöflichen Abendgymnasiums war.

Nikolaus-Groß-Abendgymnasium feierte 50. Geburtstag

Manchmal schreiben auch Buchstaben Geschichte. Dem Umstand, dass sein Name im Alphabet an erster Stelle steht, verdankt Josef Alfers die Tatsache, dass er 1963 als Erster aus beiden Abiturklassen in die mündliche Prüfung gerufen wurde. „Somit wurde ich ohne jeden eigenen Verdienst der erste Abiturient des heutigen Nikolaus-Groß-Abendgymnasiums“, erinnert sich Alfers, seit 1995 Dompropst am Paulusdom in Münster, nicht ohne Schmunzeln. Klar, dass auch er dabei sein wollte, als „seine alte Schule“ jetzt ihren 50. Geburtstag feierte und der Gründung des Bischöflichen Abendgymnasiums  durch den ersten Bischof von Essen, Dr. Franz Hengsbach, am 1. Oktober 1959 mit einem feierlichen Gottesdienst in der Heilig-Kreuz-Kirche und einem Festakt in der Schulaula gedachte.

Keine Frage: Dass das Abendgymnasium keine „normale“ Schule ist, darin waren sich an dem Abend nicht nur die ehemaligen und jetzigen Studierenden einig. Auch die Festredner machten deutlich, dass der zweite Bildungsweg sich dem üblichen Verständnis von Schule entzieht. „Am Nikolaus-Groß-Abendgymnasium ist Bildung nicht Ware, die Studierenden sind nicht Kunden, und die Lehrerinnen und Lehrer nicht Dienstleister“, betonte der Essener Weihbischof Ludger Schepers. „Der Mensch als Mensch steht im Mittelpunkt, nicht die Produktion von Humankapital.“ Bildung im Verständnis eines katholischen Weiterbildungskollegs beinhalte immer das Bewusstsein um die Grenzen des Wissens und frage auch immer nach der richtigen Art des Umgangs mit dem Wissen, so der Weihbischof weiter, „einem Umgang, der die Würde des Anderen, in dem wir das Ebenbild Gottes sehen, nicht verletzt“.

NRW-Integrationsminister Armin Laschet machte in seinem Festvortrag deutlich, dass der Auftrag, bildungswilligen jungen Erwachsenen einen alternativen Weg zur Erlangung der Hochschulreife anzubieten, nach wie vor bestehe.  „Wir brauchen in unserer Gesellschaft wieder eine Mentalität, dass jeder es schaffen kann, unabhängig von seiner Herkunft“, betonte er.  Eine immer älter werdende Gesellschaft könne es nicht länger hinnehmen, dass nur zehn Prozent der Kinder von Zuwanderer-Familien ein Gymnasium besuchen. Laschet: „Wir müssen allen die Chance zum Aufstieg eröffnen. Wir brauchen aber auch Menschen, die bereit sind, sich anzustrengen.“

Dass das Nikolaus-Groß-Abendgymnasium seinen Bildungsauftrag auch heute noch in beispielhafter Weise erfüllt, hob der Schuldezernent des Ruhrbistums, Bernd Ottersbach, hervor. Generationen von Studierenden hätten sich selbst aktiviert und bewiesen, dass sich der Erfolg einstellen kann, wenn man es nur versucht.  Als einen „wichtigen Bestandteil der Bildungslandschaft der Stadt Essen“, bezeichnete Bürgermeister Norbert Kleine-Möllhoff, zugleich Leiter der benachbarten Unesco-Schule, das Nikolaus-Groß-Abendgymnasium. Monika Lenkaitis, Dezernentin für die Schulen des Zweiten Bildungsweges in der Bezirksregierung Düsseldorf, lobte die Schule, „weil sie ihren noblen Erziehungszielen stets treu geblieben“ sei.  „Die Förderung von Studierenden ist hier kein zusätzliches, sondern konstitutives Element im Unterricht. Das zeichnet diese Schule in besonderer Weise aus.“  Schulleiter Bernhard Nadorf  brachte es so auf den Punkt: „Das Abendgymnasium ist nicht nur eine Schulform, die Mängel beseitigt oder Benachteiligungen überwindet. Sie ist vielmehr eine Schule der Zweiten Chance. Sie steht damit exemplarisch gegen die abschließende Gültigkeit der Abschlüsse im ersten Bildungsweg und für die Offenheit des lebenslangen Lernens.“

Insgesamt 1.922 Abiturienten nutzten in den vergangenen fünf Jahrzehnten diese zweite Chance, legten am Bischöflichen Abendgymnasium  erfolgreich ihre Reifeprüfung ab. 30 von ihnen entschieden sich später für den Priesterberuf. So wie auch der heutige Münsteraner Dompropst Josef Alfers. Einmal jährlich würde sich seine alte Klasse immer noch treffen, erzählt er. Dass die Abiturienta 1963 auch beim 50. Geburtstag der Schule dabei sein wollte, war selbstverständlich. Schon am Tag vor dem Schulfest hatte sich Alfers mit elf seiner ehemaligen Klassenkameraden getroffen, um genügend Zeit zu haben, sich nicht nur „an den guten Pioniergeist des Anfangs“ zu erinnern, sondern auch so manche Anekdote auszutauschen. (ul)   

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