Von Pippi Langstrumpf zur Sinn-Quelle

Mit der Frage nach einer grundsätzlichen Ausrichtung von Gottesdienst in der jugendpastoralen Arbeit befassten sich Jugendseelsorger aus ganz Deutschland bei der diesjährigen Jahreskonferenz in Essen-Kettwig.

Jugendseelsorger diskutieren Sinn und Form ihrer Gottesdienste

Verantwortliche für die Jugendpastoral auf Bundesebene und in den einzelnen Diözesen haben in dieser Woche im Jugendhaus St. Altfrid in Essen-Kettwig die liturgischen Grundlagen und Formen der kirchlichen Jugendarbeit diskutiert. Unter dem Titel „Gottvoll und erlebnisstark“ diskutierten die diözesanen Vertreter mit Theologinnen und Theologen bei der „Jahreskonferenz Jugendseelsorge“ über die grundsätzliche Ausrichtung von Gottesdiensten.

So machte der Würzburger Liturgiewissenschaftler Prof. Dr. Martin Stuflesser deutlich, was in der Liturgie unverzichtbar ist und wies darauf, dass jede Normierung ihre Grenzen hat. „Die Verbotsfülle, der man mittlerweile ausgesetzt ist, stimmt nachdenklich“, merkte Stuflesser an. Gleichzeitig warnte er davor, sich die Liturgie nach „Pippi Langstrumpf-Manier“ selbst zurechtzubasteln.

Als Gäste aus der Pastoraltheologie zeigten Prof. Dr. Judith Könemann (Münster) und Prof. Dr. Ulrich Riegel (Siegen) auf, dass die kirchliche Praxis vielfach weit hinter den Fragen und Bedürfnissen Jugendlicher und junger Erwachsener zurückbleibt. „Viele Jugendliche sind durchaus auf der Suche“, merkte Riegel an. Könemann gab zu bedenken, dass sich ein Bruch zwischen der Tradition des Christentums und den Menschen der Gegenwartsgesellschaft wahrzunehmen sei. Hinter die Errungenschaften der Moderne führe auch die Jugendpastoral nicht zurück.

Forderungen nach einer stärker „Nutzer-orientierten“ Liturgie prallten auf das Selbstverständnis der Liturgie als Handeln Gottes an uns Menschen. Stuflesser hob in diesem Zusammenhang hervor, dass die Liturgie feiert, was von Gott ausgeht und dass sie den Menschen als Gutes erfahrbar sein muss.

Einig schien man sich in einer kritischen Einschätzung des vorkonziliaren Ritus zu sein: „Der machte es insofern leichter, Christ zu sein, weil man nicht verstand, worum es ging. Seit Einführung der Muttersprache kommt das Christentum uns in der Liturgie aber ganz schön nahe. Womöglich ist auch das ein Grund, weshalb die Kirchen leerer wurden. Man weiß plötzlich, dass es ums Ganze geht“, bemerkte Prof. Stuflesser.

Zum Abschluss der Veranstaltung im Jugendbildungshaus des Ruhrbistums fasste Dr. Peter Hahnen, Referent der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj), die Ergebnisse zusammen: „Nicht Gott braucht unsere Gottesdienste, wir bedürfen ihrer. Umso gewissenhafter sollten sie vorbereitet sein.“ (afj, ja)


Pressestelle Bistum Essen

Zwölfling 16
45127 Essen

0201/2204-266

0201/2204-507

presse@bistum-essen.de

Presse