„Verantwortung und Macht kommen von Gott“

In der Staatskanzlei in Düsseldorf legte der ernannte Bischof von Essen, Dr. Franz-Josef Overbeck, vor Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers den Treueeid ab.

Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck leistet Treueeid

Düsseldorf. Der ernannte Bischof von Essen, Dr. Franz Josef Overbeck, hat am Mittwoch, 25. November, vor Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers und Vertretern der Landesregierung seinen Treueeid gegenüber Deutschland und dem Land Nordrhein-Westfalen abgelegt.

In seiner Ansprache betonte Bischof Overbeck, dass die Kirche von ihrem Selbstverständnis her den Auftrag habe, das Gemeinwesen verantwortlich mitzugestalten. „Deshalb wird sie sich niemals der Pflicht und dem Recht zur Gewissensbildung der Menschen entziehen und ihrerseits Sorge dafür tragen, dass Freiheit und Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft gewahrt bleiben, so Overbeck. Zugleich bekräftigte er, dass es keine Verantwortung und Macht gebe, die nicht von Gott komme, „weil Gott die alles bestimmende Wirklichkeit ist“.

Für seinen Dienst als „Ruhrbischof“ sehe er „sehr konkrete Gestaltungsaufträge“, die die Politik wie auch ihn und die Kirche im Bistum Essen binden. Hier nannte Overbeck die Solidarität innerhalb des Wirtschaftssystems. So gehe es darum, im  Konflikt zwischen Kapital und Arbeit für die Würde des Menschen sowie die Schaffung und den Erhalt von Arbeitsplätzen einzutreten. Als zweite große Herausforderung bezeichnete er „die Gestaltung der Bildung“. Gerade mit Blick auf die Gestaltung der Zukunft sei es unabdingbar, dass Bildung dazu befähige, im Leben Verantwortung übernehmen und auch tragen zu können.

Der Schutz der Familie sei ein weiterer Gestaltungsauftrag. Nach Ansicht von Overbeck ist sie „ein unerlässlicher Ausgangspunkt für die Ausprägung der Individualität des Menschen“. Hier finde der Mensch Geborgenheit und erfahre Vertrauen, Freiheit, Gemeinschaftsleben und Verantwortung. Gleichzeitig sei die Familie „der eigentliche, stetige und verlässliche Rückzugspunkt des Einzelnen in den Herausforderungen, Belastungen und Gefährdungen des Lebens“. Angesichts der vielfältigen Formen nicht mehr geglückter familiärer Lebensformen, stehe man gerade dort vor großen  Herausforderungen.

Das Zusammenleben aller Menschen im Ruhrbistum zu gestalten, ist für Bischof Overbeck eine weitere wichtige Aufgabe. Das Bistum Essen habe in den 51 Jahren seines Bestehens vielfältige soziokulturelle Veränderungen erfahren. Das werde besonders deutlich an der gesunkenen Zahl der Katholiken sowie an den äußeren und inneren Umgestaltungsprozessen. Overbeck: „Dies zeigt sich aber ebenso klar in der Bedeutung der Ökumene wie auch in dem seit Jahrzehnten herausfordernden Prozess des Zusammenlebens mit Menschen anderer Religionen und Glaubensüberzeugungen in unserer Region.“

Die Eidesformel für den Treueeid ist im Reichskonkordat von 1933 festgelegt. Danach verpflichtet sich ein neuer Bischof in Nordrhein-Westfalen, mit seinem Klerus „die verfassungsmäßig gebildete Regierung zu achten“. Zudem werde er in der Ausübung des ihm übertragenen Amtes – wie es im Wortlaut des Treueeides weiter heißt – „in der pflichtgemäßen Sorge um das Wohl und das Interesse des deutschen Staatswesens jeden Schaden zu verhüten trachten, der es bedrohen könnte“.

Die Abnahme des Treueeides sei mehr als nur ein Rechtsakt, betonte Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers. „Für mich ist das Ausdruck von Verantwortung; und zwar eine Verantwortung, ein Versprechen, eine Verpflichtung auf Gegenseitigkeit.“ Es sei gut zu wissen, dass mit Bischof Overbeck zukünftig ein Mann im Bistum Essen wirke, der die Katholische Soziallehre zu buchstabieren wisse, „der um den Wert der Diakonie weiß und dem der Dialog mit anderen Konfessionen und Religionen seit seinem Studium ein Anliegen ist“, so Rüttgers.
Das Ruhrbistum nannte er ein „Bistum der Superlative“. Es sei das jüngste und flächenmäßig kleinste, aber eines der „reichsten Bistümer, zumindest an Vielfalt und Buntheit“.  Früher seien die Fördertürme im Ruhrbistum wichtig gewesen, heute seien es die Bürotürme. „Die wichtigste Aufgabe muss jedoch bleiben, den Blick auf die Kirchtürme zu bewahren“, betonte der Ministerpräsident. (ul/do)

Der Treue-Eid im Wortlaut:

Vor Gott
und auf die heiligen Evangelien
schwöre und verspreche ich,
so wie es einem Bischof geziemt,
Deutschland und dem Land
Nordrhein-Westfalen Treue.
Ich schwöre und verspreche,
die verfassungsmäßig gebildete
Regierung zu achten
und von meinem Klerus achten
zu lassen.

In der pflichtmäßigen Sorge
um das Wohl und das Interesse
des deutschen Staatswesens
werde ich in Ausübung des mir
übertragenen geistlichen Amtes
jeden Schaden zu verhüten
trachten, der es bedrohen könnte.

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