Vatikan-Befragung: Diskrepanz zwischen Alltag und Lehre

Deutsche Bischofskonferenz schickt gesammelte Antworten aus den deutschen Bistümern nach Rom. Starke Diskrepanz zwischen gelebtem Alltag und katholischer Lehre.

Auch in der zweiten Umfrage zur Vorbereitung der Familiensynode im Vatikan zeigen die Antworten aus Deutschland eine starke Diskrepanz zwischen gelebtem Alltag und katholischer Lehre. Das ergibt sich aus den Auswertungen der Fragebögen, die am Montag von der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn veröffentlicht wurden. Zugleich zeigten die Rückmeldungen laut Auskunft der Bischofskonferenz, "dass das Leitbild von Ehe und Familie weiterhin breite Zustimmung unter den Gläubigen findet".

Allerdings erwarteten die meisten "ein größeres Verständnis der kirchlich Verantwortlichen für Lebensformen, die diesem Leitbild nicht vollkommen entsprechen". So habe es die meisten Kommentare zu den Fragen gegeben, die den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen betreffen sowie mit homosexuellen Lebensgemeinschaften und mit Paaren, die ohne Trauschein oder in einer nur zivilen Ehe zusammenleben.

Soziale Situation spielt wichtige Rolle

In all diesen Fällen erwarte ein Großteil der Umfrageteilnehmer "eine Weiterentwicklung der kirchlichen Lehre und eine größere Offenheit gegenüber der heutigen Lebenswirklichkeit". Aber auch die soziale Situation von Familien mit alten, kranken oder behinderten Mitgliedern, von kinderreichen Familien und von Alleinerziehenden habe eine wichtige Rolle gespielt bei den Antworten.

Insgesamt, so die Bischofskonferenz, habe die Befragung wie 2014 "ein sehr positives Echo gefunden". Allerdings hätten viele beklagt, dass die Fragen "oft in einer schwer verständlichen Fachsprache formuliert waren und der Katalog mit 46 Fragen sehr umfangreich war". Deshalb seien oftmals nicht alle Fragen beantwortet worden. Die dieses Mal geringere Beteiligung der Gläubigen führt die Bischofskonferenz unter anderem darauf zurück.

Mehr als 1000 Seiten Rückmeldungen

Die deutschen Bischöfe hatten den im Vatikan entwickelten Fragenkatalog im Internet veröffentlicht und zur Teilnahme aufgerufen. Außerdem hatten sich Fachleute aus der Ehe- und Familienarbeit, aus Familienbildungsstätten und aus kirchlichen Beratungsgremien beteiligt. Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), die Deutsche Ordensobernkonferenz (DOK) und der Katholisch-Theologische Fakultätentag waren um Stellungnahmen gebeten worden.

Wie im Vorjahr hat die Bischofskonferenz über 1.000 Seiten Rückmeldungen ausgewertet. Aus dieser Zusammenfassung haben die deutschen Bischöfe jetzt ihre Stellungnahme formuliert und an das Synodensekretariat im Vatikan gesandt. Dieses wird die Antworten der Bischofskonferenzen aus allen Erdteilen in einem Papier zusammenfassen, das dann als Arbeitsgrundlage für die Beratungen der Bischofssynode im Herbst dient. (KNA)

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