Staat ist dringend auf die Kirchen angewiesen

Angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise ist der Staat nach Ansicht des früheren Bundesverfassungsrichters Paul Kirchhof auf die Kirchen als sinnstiftende Institutionen dringend angewiesen.


Angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise ist der Staat nach Ansicht des früheren Bundesverfassungsrichters Paul Kirchhof auf die Kirchen als sinnstiftende Institutionen dringend angewiesen. Nachdem ein Streben nach immer mehr Wachstum und immer höherer Rendite gescheitert sei, müssten nun die Kirchen eine "Kultur des Maßes" in die Gesellschaft einbringen, sagte Kirchhof bei einer Tagung der katholischen Akademie im Bistum Essen "Die Wolfsburg" und der "Essener Gespräche zum Thema Staat und Kirche"in Mülheim. Mit Blick auf die enorme Staatsverschuldung und das damit verbundene Erbe an zukünftige Generationen seien sie zudem aufgefordert, einer "Entsolidarisierung der Gesellschaft" entgegenzuwirken. "Kirchen stehen für Maß und Entschuldung, wir werden beides in Zukunft dringend brauchen", so Kirchhof.

Der Verfassungsrechtler sprach sich auch für regelmäßigen Religionsunterricht an Schulen aus. Dieser gehöre untrennbar zum Angebot der Religionsfreiheit. "Halten wir den Menschen von vornherein fern von der Religion, halten wir ihn in der Unmündigkeit", erklärte Kirchhof. Wer nie der Religiosität begegne und nur ethische Unterweisung kenne, könne nicht freiheitlich entscheiden, betonte er. Das Fachgespräch fand zum 80. Geburtstags des früheren Justitiars des Bistums Essen, Heiner Marre, statt. Marre hatte die 1966 gegründeten Essener Gespräche mit initiiert.

Bei einer anschließenden Diskussion warnte Prälat Karl Jüsten, der Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe bei der Bundesregierung, vor einer sinkenden Anerkennung kirchlicher Leistungen durch den Staat. Der Sonderstatus der Kirchen in Deutschland resultiere aus deren Nutzen für die Gesellschaft. "Was aber, wenn der Staat die Nützlichkeit der Kirchen weniger schätzt als die Menschen?" In einigen Regionen gewinne zudem ein "aggressiver Atheismus" immer mehr Einfluss in der Politik. Viele Menschen dagegen trauten allein den beiden großen christlichen Kirchen zu, ein "Wächteramt" gegenüber der Politik wahrzunehmen. "Diese Erwartungen wollen wir erfüllen", so Jüsten.(kna)

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