Sorge um Flüchtlinge und Migranten aktueller denn je

Mit einem jetzt veröffentlichten Gemeinsamen Wort laden die katholische, evangelische und orthodoxe Kirche gemeinsam zur 40. Interkulturellen Woche ein. Jeder Form von Ausgrenzung setzen die Kirchenvertreter den Einsatz für Begegnung und gesellschaftliche Teilhabe entgegen.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, Metropolit Dr. h.c. Augoustinos von Deutschland würdigen in ihrem Gemeinsamen Wort, dass sich Deutschland in den vergangenen vier Jahrzehnten zu einem Einwanderungsland entwickelt hat. Zugleich merken sie kritisch an, dass Teile der Bevölkerung Probleme mit der zunehmenden gesellschaftlichen Vielfalt haben. „In den vergangenen Monaten mussten wir erkennen, dass es in Deutschland auch heute noch offenen und verdeckten Rassismus gibt.“ Jeder Form von Ausgrenzung setzen die Kirchenvertreter das Konzept der Interkulturellen Woche entgegen: „Begegnung führt zum Abbau von Ängsten und lässt aus Unbekannten geschätzte Nachbarn, Freundinnen und Freunde werden. Gespräche schaffen Verständnis. Gesellschaftliche Teilhabe erlaubt volle Gleichberechtigung und lässt Integration wachsen.“

Angesichts der dramatischen Situation im Mittelmeer sehen Kardinal Marx, Landesbischof Bedford-Strohm und Metropolit Augoustinos auch für die deutsche Gesellschaft eine große Herausforderung: „Wir dürfen nicht sehenden Auges zulassen, dass sich Menschen, die in existenzieller Not vor Krieg, Gewalt und Verfolgung fliehen, dem Risiko des Ertrinkens aussetzen. Andere Zugangswege nach Europa müssen gefunden werden, damit nicht das Mittelmeer der Ort wird, an dem das christliche Abendland wirklich untergeht.“ Deshalb würden die Kirchen um Verständnis werben, wenn Schutzsuchende aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan zu ihren Familienangehörigen nach Deutschland gelangen wollten, wo Europas größte Communities aus diesen Ländern beheimatet sind. Auch vor diesem Hintergrund setzen sie sich für eine Weiterführung des Programms zur Flüchtlingsaufnahme aus Syrien und für ein neues Programm zur Flüchtlingsaufnahme aus dem Irak ein. Äußerst kritisch sehen die Kirchen die sogenannte Dublin-Verordnung, mit der die Verantwortung bei der Flüchtlingsaufnahme überwiegend bei den Staaten an den EU-Außengrenzen verbleibt. Es brauche „neue Ideen, die Zuständigkeit bei der Gewährung von Schutz europaweit zu regeln, statt Menschen hin und her zu schieben“, so die drei Kirchenvertreter weiter. „Nach 40 Jahren sind die Interkulturelle Woche und ihre Anliegen aktueller denn je.“ Bundespräsident Joachim Gauck hat seine Teilnahme an der Eröffnung der Interkulturellen Woche am 27. September 2015 in Mainz zugesagt.

Das Gemeinsame Wort der Kirchen wird im Materialheft zur Interkulturellen Woche abgedruckt. Dieses bietet thematische und inhaltliche Unterstützung sowie Anregungen zur Planung der Interkulturellen Woche 2015 vor Ort. Neben Analysen und Handlungsimpulsen zur Bekämpfung von Rassismus bildet die Situation von Flüchtlingen einen weiteren Schwerpunkt. Beispiele für Gottesdienste und zu geistlichen Themen in der Interkulturellen Woche sind ebenso im Heft enthalten wie Anregungen für Veranstaltungen.

Hintergrund


Die Interkulturelle Woche findet 2015 zum 40. Mal statt. Sie ist eine bundesweite Initiative der Deutschen Bischofskonferenz, der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie. Sie wird am 27. September 2015 im Hohen Dom zu Mainz mit einem ökumenischen Gottesdienst unter Leitung von Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der EKD, Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, und Metropolit Augoustinos, Vorsitzender der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland eröffnet. Deutschlandweit sind während der Interkulturellen Woche mehr als 4.500 Veranstaltungen an über 500 Orten geplant.

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