„Solidarität ist das Band zwischen Kirche und Bergbau“

Mehrere tausend Gläubige beteten am Karfreitag gemeinsam mit Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck den Kreuzweg auf der Halde der Zeche Prosper Haniel in Bottrop. Dass Solidarität Kirche und Bergbau verbinde, machte der Bischof in seiner Predigt deutlich.

Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck betete Kreuzweg auf der Halde Prosper Haniel

Mehrere tausend Gläubige machten sich am Karfreitag, 2. April, bei strahlendem Sonnenschein wieder auf den Weg nach Bottrop, um mit Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck auf der Bergehalde der Zeche Prosper Haniel den Kreuzweg zu beten. Viele Familien, junge Erwachsene und Kinder folgten dem rund 1.200 Meter langen Weg. Unter den Gästen waren auch der Vorstandsvorsitzende der RAG-Stiftung, Wilhelm Bonse-Geuking, und der Oberbürgermeister der Stadt Bottrop, Bernd Tischler. Nach jeweils einer kurzen Betrachtung vor den insgesamt 15 Kreuzwegstationen schloss sich eine Andacht vor dem Gipfelkreuz an.

Dass der traditionelle Kreuzweg, an dem auch die Essener Weihbischöfe Franz Vorrath und Ludger Schepers, Altbischof Dr. Hubert Luthe sowie Weihbischof em. Franz Grave teilnahmen, ein „sichtbares Zeichen der Verbundenheit zwischen Kirche und Bergbau“ sei, betonte Bergwerksdirektor Wolfram Zilligen in seiner Begrüßung. „Kirche und Bergbau bilden eine starke Gemeinschaft“, sagte er.

In den Mittelpunkt seiner Predigt stellte Bischof Overbeck fünfte Station des Kreuzweges, die von Simon von Cyrene erzählt, der Jesus hilft, das Kreuz zu tragen. „Dieses Bild gehört zu den uralten Bildern der Solidarität der Menschen miteinander“, so Overbeck. Gerade das Kreuz, das Simon Jesus zu tragen hilft, verweise auf die Lasten des Lebens, die einem ungefragt aufgebürdet werden und  auch zum Zusammenbruch führen könnten. Overbeck: „Das Tragen wird leichter, wenn deutlich wird, dass keiner alleine tragen muss.“

Was in dieser Kreuzwegstation im Zeichen der Solidarität deutlich werde, das verbinde die Botschaft der Kirche mit dem Leben des Bergbaus. Für die Kirche, die Menschen und auch den Bergbau seien seit langen herausfordernde Zeiten angebrochen, „Da tragen die einen wie die anderen Lebenskreuze, die für jeden Christen, jeden Bergmann allein nicht zu tragen sind“, betonte Overbeck. Als Ruhrbischof sei er vor gut zwei Wochen das erste Mal im Bergwerk Prosper Haniel eingefahren. Das habe er in erster Linie nicht  als eine Pflicht verstanden, sondern als ein „Zeichen der Solidarität der Kirche mit dem Bergbau“ und gleichzeitig als eine Erinnerung daran, „dass der Bergbau mit der Geschichte der Kirche eng verbunden ist.“

Solidarität zum Leben

Das Band zwischen Kirche und Bergbau heiße Solidarität. „Einer hilft dem anderen, die Lasten der jeweiligen Lebenskreuze gemeinsam zu tragen“, sagte der Bischof. Je mehr verlässliche Arbeitsplätze auf Dauer verloren gingen, umso schwieriger werde das verlässliche Zusammenleben der Menschen. Denn erst verlässliche Arbeit ermögliche – so der Ruhrbischof - Solidarität untereinander und stütze das Gemeinwohl. Die Kirche sei von ihrem Selbstverständnis her an der Seite derjenigen, „deren Lebenskreuz in möglicher Arbeitslosigkeit und Strukturwandlungsprozessen besteht, bei denen viele auf der Strecke bleiben“.

Der Auftrag zur Solidarität komme von Gott, und dessen Solidarität gelte allen Menschen. „Sie gilt heute auch wesentlich für Menschen anderen Glaubens und anderer Glaubensüberzeugungen, die mit uns hier im Ruhrgebiet leben und von ähnlichen Sorgen gedrückt werden“, betonte Overbeck. Der Karfreitag, der an die „Last der  Lebenskreuze“ erinnere, werde „durch die Solidarität Gottes mit dem Kreuz tragenden Jesus zum Ort des Durchgangs zum Leben“. Es gehe also um „Solidarität zum Leben“.  

Die Kreuzwegstationen wurden von der inzwischen verstorbenen Ordens-frau und Künstlerin Tisa von der Schulenburg gemeinsam mit dem Ober-hausener Künstler Adolf Radecki sowie Auszubildenden des Bergwerks Prosper Haniel geschaffen. Jede Station besteht aus einer Kupfertafel mit einer Darstellung der Leidensgeschichte Jesu Christi und einem Arbeitsgerät aus dem Bergbau. Zudem finden sich dort jeweils Schrifttafeln mit Worten bekannter Persönlichkeiten, darunter Papst Johannes Paul II., Kardinal Franz Hengsbach, Bischof Dr. Hubert Luthe, der selige Nikolaus Groß und Dietrich Bonhoeffer. (do)

Predigt von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck 

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