Sich den neuen Wirklichkeiten in Kirche und Welt stellen

„Herausgerufen … in eine neue Wirklichkeit“ - so hieß das Motto der Wallfahrt für geistliche Berufe, zu der Bischof Overbeck alle Gläubigen des Ruhrbistums am Freitag vor Pfingsten in den Landschaftspark Duisburg-Nord eingeladen hatte.

Wallfahrt für geistliche Berufe durch den Landschaftspark Duisburg-Nord

In diesem Jahr fand – zum zweiten Mal seit Bestehen des Bistums Essen – am Freitag vor Pfingsten im Essener Dom keine Priesterweihe statt. Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck war es deshalb ein großes Anliegen, an diesem Tag alle Gläubigen des Ruhrbistums zu einer Wallfahrt für geistliche Berufe in den Landschaftspark Duisburg-Nord einzuladen. „Herausgerufen … in eine neue Wirklichkeit“ hieß das Motto.

Gemeinsam mit Priestern, Diakonen, Ordensleuten sowie pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zogen sie am Freitagnachmittag, 17. Mai, durch den Landschaftspark, machten an verschiedenen Stationen Halt und beteten für geistliche Berufungen und Berufe. Stationen auf dem Weg zur Abteikirche St. Johann in Hamborn waren auch der Delta-Musikpark und das IKEA-Möbelhaus. In der Abteikirche feierte Bischof Overbeck gemeinsam mit dem Abt der Prämonstratenser-Abtei Hamborn, Albert Dölken, und den Gläubigen einen Gottesdienst. 


Nicht die alten Wirklichkeiten fortschreiben

Sich den neuen Wirklichkeiten in der Welt und in der Kirche zu stellen und sie anzunehmen, dazu rief Bischof Overbeck in der Predigt auf. „Oft sind wir damit beschäftigt, die alten Wirklichkeiten fortzuschreiben, das, was wir gewohnt sind, fortzusetzen und mit Zähnen und Klauen zu verteidigen, was wir kennen“, sagte Overbeck. Doch wer sich heute „nicht in die neue Wirklichkeit des Glaubens herausrufen lässt und diese mit allen Fasern seiner Existenz annimmt“, werde es schwer haben, Christ zu sein und auf Dauer zu bleiben sowie „ansteckend“  zu wirken. „Die Menschen wollen heute viel wissen, auch vom Glauben“, betonte Overbeck. Sie wollten aber auch Männer und Frauen erleben, „die leben, was sie wissen, die bezeugen, was sie glauben, und die bekunden, was sie erfahren“. Die lange Geschichte des Christentums und der Kirche mit ihren vielen Traditionen und Gewohnheiten mache es jedoch oft schwer, „sich in die neue Wirklichkeit herausrufen zu lassen“. Aber genau darum gehe es – so der Bischof.

Geistliche Berufungen und Berufe seien „nicht die besondere und bessere Form des Christseins“. „Sie sind nur eine andere Form des Christseins, herausgerufen in die Wirklichkeit der Nachfolge Jesu, hinein in das Amt der Kirche und in unterschiedliche Sendungen“, unterstrich Overbeck. Der Dienst der Christen sei immer ein Dienst für andere.


Gebet und Gemeinschaft

Damit Christen ihre Berufung erkennen könnten und lernten, diese zu leben, seien zwei Dinge von existenzieller Bedeutung: das Beten und das Leben mit anderen. „Das Gebet in seiner Vielfalt ist der Ort, an dem Gott uns Menschen berührt und wir berührbar werden für Gott“, so der Bischof.  Wesentlich sei darüber hinaus das „Getragen-Werden durch Gemeinschaft“, egal um welche Berufung es sich handle. Ohne das Beten und das Leben mit anderen würden viele Menschen den Ruf Gottes nicht erkennen und annehmen können. Kritisch fragte Overbeck, ob die Gemeinschaft der Kirche so „attraktiv, lebendig, fordernd, fördernd und stärkend“ sei, dass Menschen den Ruf Gottes überhaupt erkennen könnten. Die bisher bekannten Formen von Gemeinschaften seien wohl „nicht die attraktivsten“, sonst gäbe es ein größeres Interesse an geistlichen Berufungen und Berufe. „So sehr Berufung eine Herausforderung ist, kennen wir auch diejenigen, die sich und alles immunisieren und nicht mehr weiter entwickeln wollen, aber in fremde fromme Welten flüchten und sich nicht wirklich als pluralitätsfähig in unserer Welt und in der Kirche erweisen“, so Overbeck. Es gehe doch darum, „für den einen Christus zu leben und sich um ihn zu sammeln“. (do)
 

Predigt von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

Gebete und Texte an den Stationen der Wallfahrt für geistliche Berufe 2013

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