Seelsorge: Eine Frage der eigenen Haltung

Flächendeckende Seelsorge oder Leuchtturmprojekte? Über die Zukunft der Seelsorge im Ruhrbistum kamen Mitglieder der pastoralen Berufsgruppen mit Bischof Overbeck ins Gespräch. Das sich etwas verändern muss, ist allen klar. Aber was?

Pastorale Berufsgruppen diskutieren mit Bischof Overbeck über die Zukunft der Seelsorge

Über das Verhältnis von flächendeckender Pastoral und pastoralen Schwerpunkorten diskutierten Vertreter der pastoralen Berufsgruppen mit Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck. Dass sich etwas ändern muss und wird, darüber waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Gesprächsabends im Kardinal-Hengsbach-Haus in Essen einig. "Die Formen der Seelsorge ändern sich radikal, und das hat auch Auswirkungen auf den Inhalt", bekräftigte der Ruhrbischof zu Beginn des Treffens. Die Realität zeige, dass Menschen die Kirche zwar noch wahrnehmen würden, ihre Inhalte und Anliegen ihnen aber zunehmend verschlossen blieben. "Wir müssen die flächendeckende Pastoral neu definieren", ermunterte Overbeck. Auch wenn man sich von altbekannten Formen lösen werde, so müsse es weiterhin Ziel der Pastoral sein, dass "Kirche nahe bei den Menschen ist und diese mit Kirche in Kontakt treten können, wenn sie dies wollen".

Lebenswirklichkeiten sind vielfältig
Hierfür könnten pastorale Schwerpunktorte, sogenannte "Leuchtturmprojekte", hilfreich sein. Das zeigten auch die Erfahrungen der Vertreter der verschiedenen Berufsgruppen. "Die Menschen im Ruhrbistum und ihre Probleme sind vielfältig. Genauso vielfältig müssen unsere pastoralen Angebote sein", unterstrich Diakon Joachim Vogt. Die pastorale Arbeit müsse sich zunehmend an den Lebenswirklichkeiten der Menschen orientieren. Daher sei es auch nicht hilfreich, einen allgemeingültigen Pastoralplan für das gesamte Ruhrbistum zu entwickeln, fügte Pastoralreferent Martin Dautzenberg hinzu. "Es muss unsere Aufgabe sein, die pastoralen Vorgaben herunter zu brechen und vor Ort konkret werden zu lassen", ermutigte Dautzenberg das Plenum. Dafür sei es jedoch von großer Bedeutung, sich selbst über die eigene Haltung zum Glauben und zu den Menschen bewusst zu werden. Vorbild könne hier sicherlich Papst Franziskus in seiner Bescheidenheit und einfachen Sprache sein. "Wir müssen uns vielmehr von den Menschen inspirieren lassen, mit denen wir nicht in Kontakt stehen", ergänzte Stefan Wiesel, Jugendseelsorger an der Jugendkirche TABGHA in Oberhausen und ermutigte die Kolleginnen und Kollegen dazu, sich von einer zu starken Binnenorientierung zu lösen.

Eine neue Verbindlichkeit finden
Dass Veränderungsprozesse auch schmerzhaft sein können, darüber waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig. Daher stellte sich zum Abschluss des Gesprächsabends auch die selbstkritische Frage nach der Bereitschaft, etwas zu verändern. Veränderungen in der Pastoral hätten auch oft Veränderungen im eigenen Berufsumfeld zur Folge. Es sei daher wichtig, in einem weiteren Prozess über die Verbindlichkeit einer solchen Veränderung auch innerhalb der pastoralen Berufsgruppen ins Gespräch zu kommen. "Wir müssen eine neue Streitkultur entwickeln", ermunterte Overbeck die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Fortsetzung des Dialoges. Bereits der erste Gesprächsabend habe gezeigt, dass man sich auf einem guten Wege befinde, um gemeinsam an einer Zukunft der Seelsorge im Bistum Essen zu arbeiten.

In zwei weiteren Treffen werden Mitglieder der pastoralen Berufsgruppen gemeinsam mit Bischof Overbeck weiter an diesem Thema arbeiten. Die Gesprächsabende sind Teil des bistumsweiten Dialogprozesses "Zukunft auf katholisch". (ja)

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