"Schriftgut ist und bleibt Kulturgut"

Das Bistumsarchiv Essen unterstützt die Pfarreien des Bistums Essen bei der Betreuung ihrer Archive mit einem neuen Angebot. Seit 2011 können die Pfarreien ihre Archive durch externe Dienstleister erschließen lassen. Die Pfarrei St. Marien in Oberhausen hat diesen Schritt nun als erste gewagt.



Neue Form der Pfarrarchivierung im Bistum Essen

Stapelweise welliges und vergilbtes Papier, gelagert in feuchten Schränken – so hat Pfarrer Thomas Eisenmenger das Pfarrarchiv in dem kleinen Wintergarten des Pfarrhauses St. Marien in Oberhausen vorgefunden, als er dort vor 13 Jahren seinen Dienst antrat. Doch dieser unglaubliche Zustand ist nun Geschichte. Mittlerweile lagern die Akten alle gut sortiert und trocken in einheitlich beschrifteten Pappkartons in hohen Schränken. Hilfe dabei, den desolaten Zustand in Ordnung zu bringen, bekam Eisenmenger vom Bistumsarchiv in Essen-Kray.

Die Pfarrei St. Marien ist die erste Pfarrei des Bistums, die mit externer Hilfe den gesamten Archivbestand aufbereitet hat. Seit 2006 unterstützt das Bistumsarchiv einzelne Pfarreien bei der Erschließung der Unterlagen. „Das reicht von telefonischer Erstberatung bis hin zur Komplettübernahme ganzer Bestände“, sagt Ursula Kanther, Leiterin des Bistumsarchivs in Essen. Bei umfangreichen Archiven, so wie sie nach dem Zusammenschluss der neuen Großpfarreien im Bistum Essen entstanden sind, arbeitet das Archiv mit einem externen Dienstleistungsunternehmen zusammen. Die Firma „history today“ in Köln übernimmt so etwa neben der Sortierung und Konservierung auch das „Entgräten“ der Akten. Dabei werden die Unterlagen von Metallklammern und Kunststoffen befreit. „Dies ist notwendig, um noch lange Archivalien erhalten zu können. Die Pfarrarchive sind historisch-einzigartige Quellen – nicht nur für die Kirchengeschichte vor Ort, sondern auch für die Stadtgeschichte“, betont Dr. Christoph Moß, Sachgebietsleiter des Bistumsarchivs. Und die Bedeutung der Archive wird immer größer: „Seit etwa 30 Jahren, dem Anbrechen des Computerzeitalters, ist in öffentlichen Einrichtungen stellenweise mehr Papier produziert worden, als in den 600 Jahren zuvor“, stellt Tobias Dahl fest, Leiter von „history today“.

„Marien hat Modellcharakter“, so Ursula Kanther. Auch künftig werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bistumsarchivs den Pfarreien unterstützend zur Seite stehen. Dies ist auch unbedingt erforderlich, denn häufig sind die Archivbedingungen katastrophal. „Auf der sicheren Seite ist man daher bei der professionellen Sichtung und der anschließenden Kassation, der Bereinigung der Archive von archivunwürdigen Dokumenten“, betont Christoph Moß, der Leiter des Sachgebiets.

Doch die Archivierung hat ihren Preis: Rund 15.000 € hat die Bestandssicherung gekostet. Den Großteil übernahm die Pfarrei dabei selber, das Bistumsarchiv steuerte ein Drittel bei. „Aber es lohnt sich“, resümiert Pfarrer Eisenmenger die Aufbereitung. So können sich Gemeindemitglieder, Historiker und alle anderen Interessierten an den verborgenen Schätzen der Pfarrei erfreuen. „Auch wenn ich die Vision eines papierlosen Büros teile möchte ich nicht auf die Schriftstücke verzichten. Aber bitte ordentlich sortiert und trocken gelagert“, schmunzelt Eisenmenger. (ks)

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