Schatzkammer erinnert an unglückliche Äbtissin

Vor 400 Jahren starb Elisabeth von Berge, vermeintliche Vorkämpferin für die Rekatholisierung des Essener Frauenstifts. Briefe zeugen jedoch von ihrer unglücklichen Liebe zu einem protestantischen Adligen. Die Domschatzkammer erinnert mit einer Inschrift aus Elisabeths Grab an ihren Todestag am Sonntag.

Unglücklich verliebte Kirchenfrau wurde nur 34 Jahre alt

Mit dem lebensgroßen Bildnis auf ihrer Grabplatte im Dom ist Elisabeth von Berge eine der wenigen Essener Äbtissinnen, von denen es bis heute Abbildungen gibt. Zugleich ist sie eine der Essener Stiftsfrauen, von der zumindest Fragmente einer bewegenden, wenngleich nur 34 Jahre kurzen, Lebensgeschichte überliefert sind. Vor 400 Jahren starb Elisabeth von Berge - rund um ihren Todestag am Sonntag, 12. Januar, erinnert die Domschatzkammer mit einer Bleiplatte aus ihrem Grab an die Frau aus der Reformationszeit.

In einer Vitrine im Foyer ist die Tafel ausgestellt, die in frühneuhochdeutscher Sprache über Ämter und Besitz der Stiftsfrau informiert. Die vermutlich 1581 geborene von Berge habe lange Zeit als Vorkämpferin der Rekatholisierung in Essen gegolten, sagt Ina Germes-Dohmen von der Domschatzkammer. Doch tatsächlich habe sie sich weniger für Politik als vielmehr für ihre Jugendliebe interessiert.

Von 1605 bis 1614 war Elisabeth Leiterin des Frauenstifts. Während die Stadt Essen und der Stift zu dieser Zeit fest in evangelischer Hand gewesen seien, habe die Äbtissin evangelischen Bewerberinnen den Zutritt zum Stift verweigert. Doch ihre Bemühungen um die Wiedereinführung des katholischen Glaubens seien wohl weniger von einer inneren Überzeugung als maßgeblich von jesuitischen Ratgebern ausgegangen, erklärt Germes-Dohmen, "Elisabeth sehnte sich vielmehr nach dem höfischen Leben als Adlige zurück und vor allem nach ihrer Jugendliebe, dem protestantischen Adligen Floris von Culemborg".

Obwohl Floris mit Elisabeths Schwester verheiratet gewesen sei, habe Elisabeth ihm auch als Äbtissin noch zärtliche Liebesbriefe geschrieben, die noch heute erhalten sind. "Kurz vor einem Wiedersehen starb die unglückliche Äbtissin erst 34-jährig an Röteln oder Windpocken", so Germes-Dohmen. Bis heute zeugt die Grabplatte mit der nahezu lebensgroßen Darstellung Elisabeths in der Nordwand des Schiffs der Essener Domkirche von der unglücklich verliebten Kirchenfrau. (kna/tr)

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