Schafe, Kühe und Ziegen – eine Starthilfe für Rückkehrer

Impressionen aus Bosnien - Teil 1:

Auch 16 Jahre nach Ende des Balkankrieges ist die Not in Bosnien-Herzegowina noch groß. Vertreter des Bistums Essen und der Caritas Duisburg bereisen aktuell das Land, um Hilfsprojekte in Augenschein zu nehmen.

Blauer Himmel, glasklares Wasser, Sonne pur. Der Startpunkt in Omiš an der Adria-Küste in Kroatien gleicht einem Urlaubsparadies. Der Kontrast kann nicht größer sein, wenn man nach einer rund 45-minütigen Fahrt die Grenze nach Bosnien überquert. Gnädig deckt die Natur die Narben des Krieges zu, der vor 16 Jahren hier tobte. Hier und da verstecken sich Ruinen hinter Bäumen und Sträuchern, an mancher Hausfront lassen die Einschusslöcher von Granaten, Raketen und Gewehrfeuer nur erahnen, mit welcher Härte und Grausamkeit die Lawine der Gewalt über den Balkan rollte, ganz zu schweigen von dem menschlichen Elend.

Die Landschaft mit ihren imposanten Bergen und Seen scheint die tragischen Erinnerungen an den von 1992 bis 1995 dauernden Krieg zu mildern, ja manchmal fast vergessen zu machen. Doch das Engagement  und die Projekte der Bosnienhilfe der Duisburger Caritas lösen diesen Trugschluss, alles sei doch wieder in Ordnung, schnell auf.

„Das Land Bosnien und Herzegowina ist nur schwer zu verstehen“, sagt der Erzbischof von Sarajevo, Kardinal Vinko Puljić, der die Besucher aus Duisburg und dem Bistum Essen empfängt. Sarajevo zeige sich zwar wieder mit glasverspiegelten Büros und Hotelbauten als eine Stadt, die den Krieg hinter sich gelassen habe. „Aber auf dem Lande ist noch sehr viel Not“, betont er. Viele Menschen, vor allem die Alten, stünden vor dem Nichts, denn ein staatliches Sozialsystem wie in Westeuropa gebe es nicht.

Auch die Kirche habe der Krieg schwer getroffen. Seine Diözese habe vor 1992 rund 820.000 Katholiken gezählt, jetzt seien es nur noch 450.000. Rund 50 Prozent der Pfarreien seien zerstört worden. Deshalb ist es dem Kardinal wichtig, Pfarreien und Kirchen wieder aufzubauen. „Wo keine Kirche und kein Pfarrer ist, dahin kehren auch keine Menschen zurück“, gibt er zu bedenken. Der Krieg sei 1995 zwar durch den Dayton-Vertrag gestoppt worden, doch er habe auch „die ethnische Säuberung gefestigt“. Es sei  wichtig, dass Bosnien ein „echter Staat“ werde. Doch die augenblickliche Situation sei festgefahren. Pessimismus will der Erzbischof nicht verbreiten. „Ein Gläubiger hat immer Hoffnung“, betont er. Wichtig sei für die Kirche in Bosnien, dass sie „Unterstützung von Katholiken aus Europa“ erfahre. „Europa muss uns hier schützen“, so Puljić. Besuche und Kontakte seien sehr wichtig. „Dadurch werden wir gestärkt, hier in Bosnien Kirche zu sein“, betont der Kardinal, der der Duisburger Bosnienhilfe und dessen Motor Heribert Hölz für die langen Kontakte und die kontinuierliche Hilfe dankt. Gerne nimmt der Erzbischof eine Einladung nach Duisburg an: Am 3. Und 4. März 2012 wird er in das Bistum Essen (Duisburg) und in das Bistum Münster (Niederrhein) kommen, um das 20-jährige Bestehen der Bosnienhilfe zu feiern.

Auch der neue Caritasdirektor der Erzdiözese Sarajevo, Dr. Mirko Šimić, empfängt die Gruppe im gerade fertiggestellten Caritaszentrum in Sarajevo. Zwei Suppenküchen, eine in der Hauptstadt und eine in Zenica, betreibt die Caritas. Täglich kommen über 300 Bedürftige in die Suppenküche in Sarajevo, die die Bosnienhilfe mit Lebensmitteln unterstützt. Ferner engagiert sich die Caritas Sarajevo in der Alten- und Krankenpflege, betreibt eine Beratungsstelle für Frauen und gibt in der „Pfarrcaritas“ Rückkehrern in ländlichen Gebieten eine Starthilfe mit Schafen, Kühen oder Ziegen. Die Suppenküche in der Industriestadt Zenica, in der die Arbeitslosigkeit über 50 Prozent beträgt, wird fast ausschließlich durch den Marmeladenverkauf des Ehepaares Hölz finanziert. „Das sind für die Menschen hier unendlich wichtige Hilfen“, unterstreicht der Diözesancaritasdirektor.

Heribert Hölz übergibt ihm 5.000 Euro für die Anschaffung von Schafen, Kühen oder Ziegen  sowie für die Suppenküche in Sarajevo. 3.500 Euro sind Spenden, die das Ehepaar Hölz anlässlich seiner Rubinhochzeit erhalten hat. (do)   

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