von Thomas Rünker

Ruhrbischof diskutiert mit Schülerinnen und Schülern

Overbeck stand 30 Jugendlichen der Essener Gymnasien am Stoppenberg und an der Wolfskuhle Rede und Antwort. Eine Initiative im Rahmen des Projekts „Dialog mit der Jugend“ des Initiativkreises Ruhr.

30 Jugendliche aus zwei Essener Gymnasien

Ethik und Kirchenfinanzen, soziale Ungerechtigkeit und Umgang mit Homosexualität – einen breiten Bogen spannten die rund 30 Schülerinnen und Schüler der Essener Gymnasien am Stoppenberg und an der Wolfskuhle, als sie sich am Montagnachmittag zum Gespräch mit Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck trafen. Seit mehreren Jahren beteiligt sich das Ruhrbistum am „Dialog mit der Jugend“ des Initiativkreises Ruhr – und wo das Unternehmensnetzwerk sonst Vorstandsvorsitzende großer Wirtschaftskonzerne mit Schülern aus der Region zusammenbringt, steht beim Termin mit der katholischen Kirche der Bischof selbst Rede und Antwort.

Viel Arbeit – und viel Zeit für das Gebet

Großes Staunen löste Overbeck dabei gleich zu Beginn mit seiner Antwort auf die Frage nach seinem Tagesablauf aus. „Mein Tag beginnt um 20 nach fünf“, sagte Overbeck und fügte gleich hinzu: „Ich lebe ein ziemlich extremes Leben.“ Dass der Tag des Bischofs vom Kalender diktiert wird, in den selbst private Termine eingetragen werden müssen, und Overbeck letztlich eine Sieben-Tage-Woche hat, würden Schüler vielleicht auch bei anderen hochrangigen Vertretern des „Dialog mit der Jugend“-Programms erfahren. Doch dass Overbeck neben der Arbeitsbelastung auch noch täglich ein bis zwei Stunden betet, dürfte den Kirchenmann von vielen Wirtschaftsvertretern unterscheiden. Und auf die Frage nach seinem aktuellen Fasten-Vorsatz nennt der Bischof nicht etwa den Verzicht auf Bier und Fleisch („die Alternativen sind doch in unserer Konsum-Gesellschaft kein wirklicher Verzicht“) oder das Handy („dann erreichen mich meine Mitarbeiter nicht“), sondern den Plan, täglich eine zusätzliche halbe Stunde zu beten. Auch mittags bemühe er sich regelmäßig um eine Gebetszeit, „damit ich weiß, warum ich das alles hier tue – weil ich nicht einfach nur ein Manager bin“.

„Den Menschen ist das Leben mit Gott fremd geworden“

Ob die vielen Kirchenaustritte nicht auch auf seinen „luxuriösen Lifestyle“ zurückzuführen seien, fragte einer der Schüler vor allem mit Blick auf Overbecks Dienstwagen. „Ich führe kein luxuriöses Leben“, entgegnete der Bischof deutlich. Ein großes Auto benötige er, weil er viel Zeit darin verbringe und Platz zum Arbeiten benötige. Außerdem sei er eben ziemlich groß – „ich kann nicht in einem kleinen Fiat 500 durch die Gegend fahren“. Allerdings kündigte Overbeck an, dass der aktuelle VW Phaeton künftig durch einen anderen Wagen abgelöst werde. Statt seiner Lebensführung sieht Overbeck ganz andere Themen als Grund für Kirchenaustritte: „Den Menschen ist das Leben mit Gott fremd geworden“, nannte er den Jugendlichen einen aus seiner Sicht besonders wesentlichen.

Warnung vor „einfachen Lösungen“

Mehrfach kamen der Bischof und die Schüler auf die aktuelle Flüchtlingssituation zu sprechen. Was er davon halte, dass der Papst vor einigen Tagen von einer „arabischen Invasion“ gesprochen habe, wollte einer Jugendlichen wissen. „Ich rede so nicht“, betonte Overbeck. „Wir leben in einer Migrationsgesellschaft – und das weltweit“, sagte der Bischof. Gerade das Ruhrgebiet sei eine Region, in der „Integration ganz gut funktioniert“. Und trotz aller Schwierigkeiten sei das deutsche Wirtschafts- und Gesellschaftssystem so leistungsfähig, „dass wir genug erwirtschaften, um nun so viele Flüchtlinge aufnehmen und versorgen zu können“. Overbeck warnte indes vor allen, die in einer immer komplexer werdenden Welt „einfache Lösungen versprechen“.

Besuch in Dom und Domschatzkammer

Dass die katholische Kirche immer eingebettet ist in eine Jahrhunderte alte Geschichte, haben die Schülerinnen und Schüler nicht erst im Gespräch mit dem Bischof erfahren – etwa beim Thema Kirchensteuer. Vor der Diskussion mit Overbeck haben die Gymnasiasten zudem bei einem Besuch von Dom und Domschatzkammer einen Einblick in die mehr als 1000 Jahre alte Historie ihrer Heimatstadt bekommen, in denen das katholische Frauenstift in Essen eine zentrale Rolle gespielt hat.

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