Ruhrbischof bittet Missbrauchsopfer um Entschuldigung

Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck hat die Opfer von sexuellem Missbrauch innerhalb des Ruhrbistums um Entschuldigung gebeten. Die Hilfe für die Opfer habe Vorrang. 49 Hinweise hat das Bistum Essen in den vergangenen Wochen erhalten.

Bischöfliche Beauftragte informierte über Hinweise im Bistum Essen

Der Bischof von Essen, Dr. Franz-Josef Overbeck, hat die Opfer von sexuellem Missbrauch innerhalb des Ruhrbistums um Entschuldigung gebeten. „Die ungeheuerlichen Taten beschämen mich und machen mich fassungslos“, erklärte er bei einer Pressekonferenz am Mittwoch, 5. Mai, in Essen. Overbeck: „Ich bitte alle, die Opfer eines sexuellen Missbrauchs geworden sind, für das Ihnen zugefügte Leid um Entschuldigung.“ Dabei denke er auch an das Leid der Angehörigen.

Die Kirche vertrete ein anspruchsvolles moralisches Programm. „Deshalb stellen wir uns den Tatsachen, um unserer Verantwortung und unserem Anspruch gerecht zu werden“, betonte der Bischof. „Missbrauch darf in der Kirche keinen Platz haben“. Schuldige müssten sowohl nach den Gesetzen des Staates als auch nach Maßgabe der Kirche bestraft und für ihre Verbrechen haftbar gemacht werden. Auch die Kirche habe sich schuldig gemacht, wann immer sie weggesehen und solche Taten vertuscht und die Täter nicht zur Rechenschaft gezogen und die Taten nicht angezeigt habe.
Bei der Aufarbeitung der Fälle gehe es nach Ansicht von Overbeck im Hinblick auf die Opfer vor allem „um eine Anerkennung all der Not, der Schmerzen und des den Opfern zugefügten Leides“.  So sehr die Wunde auch schmerze: die Wahrheit müsse aufgedeckt werden.

Der Bischof sicherte nochmals allen Opfern und ihren Angehörigen menschliche, therapeutische und seelsorgliche Hilfe zu, wie dies auch in der im Bistum Essen geltenden Verfahrensordnung festgeschrieben sei. Gleichzeitig bekräftigte er seinen Wunsch, mit Opfern und deren Angehörigen zu sprechen. „Viele von ihnen haben aus Angst und aus Scham viele Jahre über ihr Leid geschwiegen, anderen wurde kein Glauben geschenkt“, so Overbeck.

Nur ein ehrlicher Umgang mit dem Leid der Opfer bietet nach Ansicht von Ruhrbischof Overbeck die Chance für die Kirche, Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Darüber hinaus müsse alles getan werden, damit sich solche schrecklichen Taten nicht wiederholen können.

49 Hinweise in den vergangenen Wochen

Das Ruhrbistum hat in den vergangenen Wochen insgesamt 49 Hinweise zu sexuellem Missbrauch erhalten. Das teilte die Bischöfliche Beauftragte für die Prüfung von Vorwürfen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger im Bistum Essen, Dorothee Trynogga, mit. Die Hinweise betreffen 22 Priester, fünf Ordensgeistliche, einen Diakon und vier Laien im kirchlichen Dienst.

Mehr als die Hälfte der Hinweise bezieht sich auf Vorfälle in den 50-er und 60-er Jahren. 18 der beschuldigten Priester sind bereits verstorben, ebenso zwei der fünf Ordensangehörigen.

Die Mitglieder des Arbeitsstabes, so Trynogga, haben bislang drei Gespräche mit mutmaßlichen Tätern sowie 12 Gespräche mit Opfern oder deren Angehörigen geführt. Fünf weitere Gespräche mit Opfern seien bereits vereinbart, so die Bischöfliche Beauftragte. „In allen Fällen, bei denen die Beschuldigten noch leben, ist oder wird die Staatsanwaltschaft eingeschaltet“, betonte sie. (ul/do)

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