Pionier und Bücherwurm

Am 1. Juli blickt ein Pionier der Kirchengeschichte in Stadt und Bistum Essen auf ein bewegtes Priesterleben zurück. An diesem Tage feiert Prälat Klaus Malangre seinen 90. Geburtstag.



Prälat Klaus Malangre wird 90 Jahre alt

Am 1. Juli blickt ein Pionier der Kirchengeschichte in Stadt und Bistum Essen auf ein bewegtes Priesterleben zurück. An diesem Tage feiert Prälat Klaus Malangre seinen 90. Geburtstag.

Der gebürtige Oberhausener wurde 1944 in Bad Honnef (Erzbistum Köln) zum Priester geweiht, wohin während des Krieges das ausgebombte Kölner Priesterseminar verlegt war. Nach seiner ersten Kaplansstelle in Bonn war er ausschließlich in Essen tätig, beginnend 1950 als Aushilfe, dann als Kaplan an St. Mariä Geburt in Frohnhausen. Hier musste er gleich seinem erkrankten Pfarrer beim Wiederaufbau der Pfarrkirche helfen. "Es war der erste totale Kirchenneubau in Essen nach dem Krieg", erinnert sich Malangré an die zerstörte Kirche, die vom bekannten Architekten Seidensticker 1952 an der Margarethenstraße neu erbaut wurde. 1953 kam der junge Kaplan dann nach St. Elisabeth in Frohnhausen, wo er 1967 Pfarrer und 1969 Dechant des Dekanates Altendorf wurde. Sein Job als "Aufbauer" begann jetzt erst richtig.

Vier Zimmer in einem Lederwarengeschäft

Am 17. März 1961 wurde Klaus Malangre zum Stadtvikar ernannt. Das heute nicht mehr existierende Amt entsprach dem Verwaltungsleiter des Stadtdechanten. Im gerade drei Jahre jungen Ruhrbistum sollte Malangre die so genannte "mittlere Ebene" aufbauen als Organisationsform der Kirche in der Stadt Essen; ein Konzept, das Gründerbischof Dr. Franz Hengsbach aus seinem Heimatbistum Paderborn mitgebracht hatte.

Ein mühsamer Beginn: "Wir hatten anfangs vier Zimmer im Lederwarengeschäft Brecklinghaus, und von da aus mussten wir eine zentrale Organisation aufbauen für die damals 78 Kirchengemeinden, inklusive Telefonseelsorge." Malangre hat es geschafft: Als er 1969 das Amt des Stadtvikars abgab, saß der Gemeindeverband in einem eigenen Gebäude an der Peterstraße -mit Telefonseelsorge, Finanzverwaltung und einer funktionierenden Verwaltung für die Essener Kirchengemeinden. Finanziell sei man damals großzügig ausgestattet gewesen, sagt Malangre.

In den letzten Jahren musste er dann aber sehen, wie eben diese Strukturen wieder zurück gebaut wurden -  wegen knapper Kassen. In die sollte Malangré selbst auch noch Einblick bekommen. Von 1975 bis 1992 war er erst "Personalchef" des Bistums, 1978 erfolgte die Ernennung zum Domkapitular, von 1992 bis 1996 übte er dann die Pflichten eines stellvertretenden Generalvikars aus.

Aber Zeit seines Lebens interessierte sich der Priester für mehr als nur Finanzberichte. Besonders engagiert hat sich Malangré immer für die katholische Büchereiarbeit.

Mit dem Buch zu den Menschen

Erste Kontakte zum Borromäusverein, dem zentralen Verband der öffentlichen Büchereien in kirchlicher Trägerschaft, knüpfte er bereits als Theologiestudent in Bonn. Der junge Essener Kaplan erhielt bald vom Kölner Erzbischof den zusätzlichen Auftrag, die Strukturen für eine Büchereiarbeit im zukünftigen Bistum Essen vorzubereiten. Mit der Gründung des Bistums Essen am 1. Januar 1958 kam für Malangré auch die Ernennung zum Diözesanpräses für die Katholischen Öffentlichen Büchereien (KÖB) im Bistum Essen.

Der Bestand in den Büchereien waren total überaltert, erinnert sich der Jubilar: "Als Folge der Nazi-Verfügung, dass in kirchlichen Büchereien nur religiöse Literatur ausgeliehen werden durfte." Für den frischgebackenen Diözesanpräses und seine damals einzige Mitarbeiterin Marlies Göcking hieß das: ab auf die Straße und aufbauen. Mit dem VW-Käfer fuhren beide jede Gemeinde im neuen Bistum an. "Erst haben wir uns den Paderborner Teil vorgenommen, sind bis in die äußersten Stellen des Sauerlandes gefahren und haben mit den Pfarrern zusammen versucht, etwas aufzubauen," erinnert sich Malangré.

So entstand zunächst in jeder Gemeinde im Bistum eine KÖB. Auch der Aufbau von Fortbildungsmöglichkeiten für die ehrenamtlichen Mitarbeiter stand im Vordergrund. Malangre: "Ohne die vielen Stunden ehrenamtlichen Einsatzes wäre eine kirchliche Büchereiarbeit nicht möglich." Viel Hilfe und hohe Wertschätzung erfuhren die Bücherei-Pioniere immer wieder vom ersten Ruhrbischof: "Bischof Hengsbach hat zum Beispiel verfügt, dass die Bischöfe bei ihren Visitationen auch immer die Bücherei einer Gemeinde besuchen mussten."

Nach 40 Jahren, 1998, wurde Klaus Malangré vom Amt des Diözesanpräses der kirchlichen Büchereien entpflichtet. Ob der Grandseigneur der Büchereiarbeit an seinem Geburtstag besonders viele Bücher geschenkt bekommt, weiß er nicht: Seinen Ehrentag wird der Jubilar jedenfalls ruhig mit Familienmitgliedern und Freunden feiern. Und wenn anstelle von persönlichen Geschenken großzügig für die "Geschwister Malangré Stiftung" zugunsten notleidender Kinder in Buenos Aires und für "Priester helfen Priestern in der Mission" gespendet wird, ist das für ihn eine besondere Freude.

Beim Rückblick auf 90 Lebensjahre sind ihm vor allem zwei Dinge wichtig: 23 Jahre Seelsorge In Frohnhausen, "wo ich vom Kaplan bis zum Dechanten alles durchgemacht habe". Und 40 Jahre im Dienste der katholischen öffentlichen Büchereien, einer kirchlichen Aufgabe, der er eine lange Zukunft wünscht: "Weil Büchereiarbeit für die Seelsorge unglaublich viel ausmacht." (vvh/mi)

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zugunsten notleidender Kinder in Buenos Aires und
für Priester helfen Priestern in der Mission

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