von Thomas Rünker

Pilgerweg von der Halde in die Fußgängerzone

Bei der zweiten Diözesanwallfahrt zum Heiligen Jahr der Barmherzigkeit zogen die Gläubigen am Sonntag gemeinsam mit Bischof Overbeck von der Halde Haniel zum Marienbild der „Mutter vom guten Rat“ in der Sterkrader Propsteikirche St. Clemens

Der schwierige Begriff Barmherzigkeit

Wie ein aufmunterndes Zeichen von oben: Über dem Sportplatz an der Bottroper Zeche Haniel bricht am Sonntagmorgen genau in dem Moment die Sonne durch die Wolken, als sich die Prozession mit Katholiken aus den umliegenden Städten, Priestern, Messdienern und Musikern langsam auf den Weg macht. Gemeinsam mit Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck ziehen die Gläubigen von der Wiese zwischen Bergehalde und Autobahn-Rastplatz durch die Wohn- und Geschäftsstraßen des Oberhausener Nordens zum Marienbild der „Mutter vom Guten Rat“ in der Sterkrader St. Clemens-Kirche. Es ist die zweite von insgesamt vier Wallfahrten im Bistum Essen im Rahmen des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit. Und während die Wallfahrer beim Auftakt am Pfingstmontag in Bochum-Stiepel noch durch grüne Ruhrtal-Idylle pilgern konnten, geht’s am Sonntag durch andere Realitäten des Ruhrgebiets – von der Zeche, die 2018 als letzte in Deutschland schließen wird, in die Sterkrader Fußgängerzone.

Das Jahresthema Barmherzigkeit ist dabei an vielen Stellen präsent, zum Beispiel im Franziskushaus, wo die erste Etappe der Wallfahrt endet. In dem Wohnhaus der Caritas in der Eulenstraße wohnen seit 1979 Menschen mit geistiger Behinderung inmitten einer gutbürgerlichen Wohnsiedlung. Mit großem Hallo begrüßen die Bewohner die Pilger. Dem Bischof überreichen sie ein Lese- und Ruhekissen aus der Nähstube des Hauses – und beten dann gemeinsam mit allen Gläubigen die Fürbitten.

Bischof warnt vor Barmherzigkeit „von oben herab“

Dass es trotz solch guter Beispiele von gelingender Nachbarschaft und gelebter Nächstenliebe mit der Barmherzigkeit doch nicht so einfach ist, macht Bischof Overbeck am Ende der Wallfahrt in der Propsteikirche St. Clemens zum Thema seiner Predigt. Einerseits verweise Barmherzigkeit „auf die Schönheiten des Lebens“, sagt Overbeck, auf ein „weites Herz“. Barmherzige Zuneigung sei eine, „die das scheinbar nicht Liebenswürdige annimmt, erst Recht der Schwächsten und Schwachen, die andere sich selbst überlassen haben“. Andererseits gebe es aber auch Barmherzigkeit „von oben herab“, eine, „die den anderen mit Liebe erdrückt“, warnt er. Diese Form der „Erbärmlichkeit“, die auch in Barmherzigkeit stecke, wolle kein Mensch, hebt Overbeck hervor. Zudem sei Barmherzigkeit nicht ohne Gerechtigkeit zu denken, betont der Bischof: „Barmherzigkeit und Gerechtigkeit müssen einander im Leben die Waage halten.“

Grubenlampe und Zukunftsbild

In der Gabenbereitung wird schließlich vieles von dem deutlich, was die Teilnehmer dieser besonderen Wallfahrt bewegt. Denn neben den Gaben von Brot und Wein bringen die Messdiener auch das Kissen für den Bischof und andere Symbole des Pilgerweges zum Altar – darunter eine leuchtende Grubenlampe, die eine Abordnung der Ehrengarde des Bergwerks Prosper-Haniel Overbeck zu Beginn mit auf den Weg gegeben hatte. So wie die historische Grubenlampe für die prägende Geschichte der Region stehe, so stehe das Zukunftsbild des Bistums Essen dafür, dass sich die Kirche im Ruhrbistum weiter entwickle, sagt Dr. Michael Dörnemann, Leiter des Seelsorgeamts im Ruhrbistum, als die Lampe und das Zukunftsbild-Faltblatt zum Altar getragen werden. Pilgern auf eher unkonventionellen Ruhrgebiets-Wegen hat bei dieser Entwicklung eine besondere Bedeutung: Seit knapp einem Jahr beschäftigt sich im Rahmen des Zukunftsbildes eine eigene Projektgruppe mit diesem Thema – und kann nun auf neue Erfahrungen aus Sterkrade zurückgreifen.

Die Predigt von Bischof Overbeck im Wortlaut:

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