Overbeck für Fortführung der katholischen Soziallehre

Lebensschutz, Menschenrechtspolitik und Friedensethik seien laut Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck nur einige Punkte, welche eine Fortentwicklung der katholischen Soziallehre bestärken würden.

Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck hat sich für eine Fortentwicklung der katholischen Soziallehre ausgesprochen. Grundlage dafür sei die vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) eingeleitete Öffnung der Kirche zur Welt, sagte Overbeck am Donnerstagabend in der Katholischen Akademie in Berlin. Der Ruhrbischof leitet die Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz.

Als Themen einer zeitgemäßen "Soziallehre" bezeichnete Overbeck den "Lebensschutz am Anfang wie am Ende des Lebens". Wichtige Bereiche seien überdies Menschenrechtspolitik und Friedensethik, betonte der Bischof. Weiter nannte er die durch Familienpolitik und Wohlfahrtsstaat geschaffenen Bedingungen, "in personalen Beziehungen leben zu können". Der Bischof warnte zugleich vor der Wiederkehr des "Integralismus einer katholischen Gegengesellschaft", wie es ihn vor dem Konzil gegeben habe. "Heute müssen wir aufpassen, dass er nicht in neuer Gestalt eines reflexhaften öffentlich-moralischen Wächteramtes für alle Themen wiederkehrt."

Das vor 50 Jahren verabschiedete Grundsatzdokument "Gaudium et spes" (Freude und Hoffnung) des Konzils habe das kirchliche Selbstverständnis als einer "perfekten Gesellschaft" abgelöst. Nun beschränke sich die Kirche auf ihre religiöse Kompetenz und auf ihre Rolle als weltweit engagierte Menschenrechtsagentur.

Bei der Veranstaltung der Deutschen Bischofskonferenz zu "50 Jahre Gaudium et Spes" hob auch der emeritierte Bonner Soziologe Franz-Xaver Kaufmann die tiefgreifende Wende im kirchlichen Selbstverständnis hervor. So habe das Konzil das Glaubens- und Gewissensfreiheit anerkannt.

Der Mainzer Sozialethiker Gerhard Kruip wertete das gegenwärtige "starke Engagement" für Flüchtlinge als große Chance für die Kirche, Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Es biete auch "ein enormes Potenzial zur Erneuerung des Gemeindelebens". (kna, ja)

Ansprache Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck im Wortlaut (PDF)

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