von Thomas Rünker

NRW-Integrationsplan soll auch Kirchen-Engagement berücksichtigen

Die nordrhein-westfälische Landtagspräsidentin Carina Gödecke würdigte beim Diözesanrat der Männer und Frauen im Bistum Essen die Bemühungen von Caritas und Diakonie in der Flüchtlings- und Integrationsarbeit. SPD-Politiker Serdar Yüksel berichtete vom "Flüchtlingsdorf Ruhrgebiet/NRW" im Nord-Irak. Laiengremium diskutierte auch über neuen Satzungsentwurf.

Kritische Anmerkungen der Diözesanrats-Delegierten

In dem von SPD und Grünen in Nordrhein-Westfalen vorgelegten Integrationsplan NRW sollen künftig auch die kirchlichen Aktivitäten in der Flüchtlings- und Integrationsarbeit stärker berücksichtigt werden. Das kündigte NRW-Landtagspräsidentin Carina Gödecke am Dienstagabend bei einem Besuch der Vollversammlung des Diözesanrats der Frauen und Männer im Bistum Essen an. Das höchste katholische Laiengremium im Ruhrbistum hatte das Thema Integration zum Schwerpunkt seiner Tagung in der Aula des Essener Generalvikariats gemacht und neben Gödecke auch den Bochumer SPD-Landtagsabgeordneten Serdar Yüksel eingeladen.

„Ehrenamtliche bereiten Integrationskette vor“

Gödecke ging auf den kritischen Hinweis der Diözesanrats-Delegierten ein, dass in dem Anfang März vorgelegten Antrag von SPD und Grünen die Bemühungen von Caritas und Diakonie keine Erwähnung gefunden hätten. Dies werde sich ändern, versprach Gödecke. Denn ohne den Einsatz der vielen Ehrenamtlichen aus dem Bereich der Kirchen sei eine gelingende Integration überhaupt nicht denkbar. Gerade die ehrenamtlich Engagierten bereiteten oft den Anfang einer „Integrationskette“ vor, die vom Spracherwerb, über die Kita bis zum Eintritt in das Arbeitsleben zu planen sei, so die Landtagspräsidentin.

Yüksel, der im Nord-Irak das Projekt „Flüchtlingsdorf Ruhrgebiet/NRW“ initiiert und gemeinsam mit der Caritas Flüchtlingshilfe Essen vor Ort realisiert hat, nannte in seinem Statement Einstellungen, die für eine gelingende Integration grundlegend seien. So gelte es mit „Lebenslügen“ aufzuhören und sich darauf zu verständigen, dass Deutschland sowohl ein Einwanderungs-, als auch ein Auswanderungsland sei. Insgesamt habe der Zuzug von Menschen nach Deutschland sowohl eine positive Wirkung auf die Demographie als auch auf das Arbeits- und Wirtschaftsleben.

Entwicklungspolitische Hilfe zur Selbsthilfe

Von seinen Besuchen im Nordirak bringe er vor allem die Erfahrung mit, dass die Menschen in den Lagern Hoffnung auf ein gutes Leben hätten – und dies am liebsten in ihrer Heimat, sagte Yüksel. Deshalb sei die Hilfe zur Selbsthilfe im Rahmen entwicklungspolitischer Maßnahmen vor Ort unverzichtbar. Jeder europäische Staat solle eine Patenschaft für eine Region im Irak übernehmen und dort den Aufbau durch Hilfe zur Selbsthilfe finanzieren, schlug Yüksel vor.

„Win-Win-Situation für Flüchtlinge und Aufnahmegesellschaft“

Gödecke stellte der Diözesanrats-Vollversammlung die Eckpunkte des Integrationsplans vor. So gehe es in dem Antrag der Koalitionsfraktionen unter anderem um einen möglichst „sofortigen Spracherwerb für alle“ durch eine Aufstockung der verpflichtenden Integrationskurse. Die Koalition möchte die „Teilhabe an der Normalität des Alltagslebens“ sicherstellen und „Begegnungs- und Kommunikationsorte“ schaffen. Alle Vorschläge im Integrationsplan müssten eine „Win-Win-Situation“ sowohl für die aufnehmende Gesellschaft als auch für die Flüchtlinge sein, betonte Gödecke. Deshalb dürfe es keine „Sonderfonds“ geben. Vielmehr sollten zusätzliche finanzielle Mittel, zum Beispiel für Schulen oder Kitas, allen Menschen zu Gute kommen. Dieser Forderung schlossen sich auch Delegierte des Diözesanrats an.

Neue Satzung soll Pfarrgemeinderäte stärker einbeziehen

Neben der Integrationspolitik stand für die Delegierten der Diözesanrats-Vollversammlung auch die Debatte über eine neue Satzung des Laiengremiums auf der Tagesordnung. Ziel sei es, eine flexible, moderne, den Entwicklungen im Bistum angepasste, zeitgemäße Satzung zu formulieren, um die Laienvertretung im Bistum Essen zu stärken, betonte der Diözesanrats-Vorstand. Unter anderem sieht der Satzungsentwurf eine stärkere Einbeziehung von Vertretern aus den Pfarrgemeinderäten des Bistums vor. Bislang setzt sich die Diözesanrats-Vollversammlung vor allem aus Vertretern der Katholischen Verbände und der Katholikenräte der zehn Stadt- und Kreisdekanate des Ruhrbistums zusammen – die Pfarrgemeinderäte als wichtigste Laiengremien der katholischen Kirche vor Ort sind hier nur indirekt über die örtlichen Katholikenräte vertreten. In der Debatte über den Satzungsentwurf äußerten die Delegierten viel Zustimmung. Die Vertreter des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Ruhrbistum regten eine explizitere Berücksichtigung der Jugendverbände an. Der Vorstand sicherte zu, diese und andere Änderungsvorschläge zu prüfen und in einen neuen Satzungsentwurf einzuarbeiten, der bei der nächsten Vollversammlung im November zur Abstimmung gestellt werden soll.

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