Nichts bleibt wie es immer schon war

Dass die Zahl der Priester „dramatisch rückläufig“ ist und junge Männer, die Priester werden wollen, „extreme Ausnahmen“ geworden sind – schlechte Nachrichten, die kaum jemanden noch wirklich überraschen. Doch die Entwicklung bleibt in den Gemeinden nicht ohne konkrete Folgen.



Rund 200 Teilnehmer beim Gespräch mit Personaldezernent Klaus Pfeffer

Der Befund ist erschreckend. Doch kaum einer ist wirklich erschrocken. Dass die Zahl der Priester „dramatisch rückläufig“ ist, dass der Mangel an Priestern sich „zunehmend verschärft“ und junge Männer, die Priester werden wollen, „extreme Ausnahmen“ geworden sind – schlechte Nachrichten, die kaum jemanden noch wirklich überraschen. „Wissen wir doch“, bekommt Klaus Pfeffer, Dezernent für das pastorale Personal im Ruhrbistum, häufig zu hören, und doch hat er längst die Erfahrung machen müssen, dass nur die wenigsten sich auch mit den konkreten Folgen abfinden wollen. 

„Noch immer lassen sich viele von der Illusion leiten, wir könnten alles so bewahren, wie es schon immer war“, macht er bei einer Dialog-Veranstaltung des Diözesanrates im Bistum Essen deutlich.  Immerhin: Rund 200 interessierte Frauen und Männer aus dem Ruhrbistum haben sich am Dienstagabend, 29. Mai, auf den Weg zum Bischöflichen Mariengymnasium in Essen-Werden gemacht, um sich über die Entwicklung des pastoralen Personals zu informieren und mit Klaus Pfeffer darüber ins  Gespräch zu kommen.

Die Zahlen sprechen für sich: Wollten 1994 noch 42 junge Männer Priester werden, bereiten sich im Ruhrbistum gerade einmal fünf Kandidaten auf das Priesteramt vor. Noch stehen 294 Priester für die Seelsorge zur Verfügung, 2020 – so die Prognose – werden es nur noch 210 sein, im Jahr 2030 sogar nur 124. Noch dramatischer erscheint der Blick auf die Zahl der Priester unter 40 Jahren: 34 weist die Statistik für 2012 aus, 13 für 2020  und lediglich 10 noch für 2030. Pfeffer: „Bei unseren Schätzungen gehen wir davon aus, dass jedes Jahr ein Priester geweiht wird.“  Und auch in den anderen pastoralen Berufen sei die Gewinnung von geeigneten neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zunehmend schwierig, fügte er hinzu. Für ihn steht fest: „Unsere Kirche verändert sich. Und wir müssen uns diesen Veränderungen stellen.“ Doch er weiß auch, dass sich viele Priester und Laien mit diesen Veränderungen schwer tun. Und, so Pfeffer, „wir sprechen heute zu wenig darüber, was das Christsein überhaupt lebens- und lohnenswert macht.“

An engagierten Wortmeldungen fehlt es in der anschließenden Gesprächsrunde nicht. „Wie konnte es überhaupt so weit kommen?“, fragt jemand. „Müssten wir Laien die Dinge nicht stärker selbst in die Hand nehmen?“, ein anderer. Dass Laien und Priester in den Gemeinden noch immer nicht auf Augenhöhe zusammenarbeiten, wird ebenso beklagt, wie die Tatsache, dass Frauen das Diakoninnenamt auf lange Sicht verwehrt bleibt. „Auch wenn damit das Personalproblem sicher nicht gelöst werden kann“, meint eine Teilnehmerin, „die Kirche würde aber doch ein Zeichen setzen“. Die Überforderung vieler Pfarrer ist ebenso ein Thema, wie die Beobachtung, dass nicht wenige Katholiken die Zusammenlegung von Gemeinden oder Aufgabe von Gottesdiensten zum Anlass genommen haben, der Kirche den Rücken zu kehren. Und es wird die Sorge geäußert, dass alsbald neue Gemeindezusammenlegungen drohen.

„Viel zu jammerig und depressiv“, findet jemand die Diskussion. „Wir Laien müssen uns verändern und nicht immer nach den  Priestern schauen“, schlägt er vor. Statt über Ämter und Versorgung in den Gemeinden zu sprechen, sollte man vermehrt die besonderen Begabungen der Laien entdecken und sie nutzen, meint eine Frau. Dazu gehöre auch, ehrenamtlich mitarbeitende Frauen und Männer für ihre Aufgaben in den Gemeinden zu befähigen und zu fördern. Ein Vorschlag, der schon beim zweiten Bistumsforum in Gladbeck geäußert wurde und den Bischof Overbeck, so Klaus Pfeffer, auch bei der Pfarrerkonferenz Anfang Mai zur Diskussion stellte.

Mochten am Ende der zweistündigen Diskussion viele Anregungen, Vorschläge und Ideen auch nicht neu sein. "An Engagement fehlt es nach wie vor nicht", findet Dorothé Möllenberg, Vorsitzende des Diözesanrates im Ruhrbistum und ermuntert das Publikum, den Dialog vor Ort in den Gremien und Pastoralteams fortzusetzen. „Die eine Lösung gibt es sowieso nicht.“ (ul)

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