Neuanfang mit Zwetschgen, Äpfeln, Himbeeren und Schafen

Hunderttausende sind während des Krieges in Bosnien-Herzegowina (1992-1995) geflohen oder wurden vertrieben. Bis heute wagen viele nicht die Rückkehr in die alte Heimat. Sie sehen dort keine Perspektiven. Die Duisburger Bosnienhilfe unterstützt Projekte für Rückkehrer, zum Beispiel die Errichtung einer Obstplantage im Nordosten des Balkanlandes.


Bosnienhilfe der Caritas unterstützt Rückkehrer

Auf seiner 72. Tour durch Bosnien-Herzegowina hat Heribert Hölz, Motor der Bosnienhilfe der Duisburger Caritas, nicht nur laufende Projekte besucht. Neben den Suppenküchen und Patenschaften für bedürftige Familien als Überlebenshilfen ist es ein Anliegen von Hölz, auch Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Seit mehr als zwei Jahren gibt es in der Region Fojnica eine Kleinbauerngenossenschaft, die mit Unterstützung der Bosnienhilfe auf einem guten Weg ist und Familien dort wieder eine Perspektive gibt. Im Nordosten Bosniens laufen Planungen für die Errichtung einer Obstplantage. Auch hier will Hölz Starthilfe leisten.

Die Posavina im Nordosten Bosniens ist eine liebliche, von sanften Hügeln  durchzogene Landschaft. Doch die verlassenen, gespenstisch wirkenden  Dörfer und die vielen Ruinen in diesem Gebiet der Republika Srpska (von Serben verwaltet und kontrolliert) trüben die Naturidylle. „Dieses Gebiet weist die meisten Zerstörungen in Bosnien-Herzegowina auf und scheint von der Politik vergessen worden zu sein“, beschreibt Pfarrer Dr. Željko Marić die Situation in der Region unweit der Grenze zu Kroatien. Auf einer Anhöhe in Bjelo Brdo hat der Pfarrer, der in Rom studiert hat und tageweise auch an der Theologischen Hochschule in Sarajevo lehrt, eine Kirche samt Pfarrhaus und Friedhof errichtet. Auch für die Stromversorgung hat sich der Theologe in dem dünn besiedelten Gebiet eingesetzt. Doch es gibt ein gravierendes Problem: Von den vor dem Krieg in der Posavina lebenden Kroaten sind nur ganz wenige in ihre alte Heimat zurückgekehrt. Sie wurden vertrieben„ sind geflohen oder fanden im Krieg den Tod. „Die geflohen sind, hängen zwar an ihrer alten Heimat, doch sie sehen hier kaum eine Perspektive“, erklärt der Pfarrer. Schulen, Kindergärten und Arbeitsplätze gibt es so gut wie nicht. 


Die Menschen müssen wieder Fuß fassen

Aber Marić hat die Hoffnung auf Rückkehrer nicht aufgegeben: „Man muss etwas tun, damit sie hier wieder Fuß fassen können“, betont er. Und der Pfarrer weiß genau, was er will. Einen eingetragenen Verein mit genossenschaftlichem Charakter hat er für Vertriebene und Rückkehrer bereits gegründet. Ziel ist es, hier eine Landwirtschaft aufzubauen, mit einer Obstplantage und dem Anbau von Buchweizen und Himbeeren. Land wurde schon gekauft, finanziert von der Caritas Kroatien, der Pfarrei und Sponsoren. Mit einem Maschine hat der Pfarrer das Ackerland säubern lassen. Bis zur Pflanzung von Zwetschgen- und Apelbäumen sowie Himbeersträuchern wächst zur Zeit Mais auf den ersten Anbauflächen, werden außerdem 5000 Chrysanthemen in Töpfen gezogen. In drei Jahren rechnen sie mit der ersten Obsternte.  Das Obst ist für die Saftproduktion bestimmt. „Einen Abnehmer für unsere Produkte haben wir schon“, freut sich Pfarrer Marić. Erste positive Verhandlungen habe es schon mit dem größten Saft- und Marmeladenhersteller in Bosnien, der Firma „Vitaminka“, gegeben.  „Die Besitzer stammen von hier und leben in der Schweiz“, so der Pfarrer. Er ist wild entschlossen, dieses Projekt zu verwirklichen und so Rückkehrern und Vertriebenen wieder eine Perspektive zu geben. Dabei ist der junge Theologe nicht allein auf Kroaten fixiert. „Es geht mir hier um die Menschen, egal ob Kroate, Serbe oder Bosniake“, stellt er klar.


8000 Euro für einen gebrauchten Traktor

Bei allem Elan bleibt Marić bescheiden: „Ich kann hier selber nicht viel tun, ich will aber mit all meiner Kraft den Menschen hier helfen.“ Vorsichtig und etwas zögernd äußert er einen Wunsch: „Wir brauchen landwirtschaftliches Gerät, nicht neu, sondern gebraucht.“ Die Bosnienhilfe will 8000 Euro zur Anschaffung eines gebrauchten Traktors beisteuern. „Ich bin beeindruckt von den gut durchdachten Plänen und der Zielstrebigkeit des Pfarrers“, so Heribert Hölz. Wenn dieses Projekt zu einem Anreiz für Rückkehrer würde, sei das ein großer Erfolg.

Einer, der nach 19 Jahren von Rijeka in die Posavina zurückgekehrt ist, heißt Jozo Pejić. Er lebt in einem kleinen, noch unfertigen Backsteinhäuschen, ohne Strom. Das Land hat er „aufgeräumt“ und hält sich mit dem Anbau von Mais, Bohnen und Zwiebeln über Wasser. Jetzt kann er auch dank der Unterstützung der Bosnienhilfe neun Schafe und einen Bock sein eigen nennen. Diese Starthilfe ist für ihn von unschätzbarem Wert. „Ich fühle mich hier ausgezeichnet“, sagte der Kroate bei der Begegnung mit Heribert Hölz und der Duisburger Gruppe. Tränen der Dankbarkeit rannen dem Rückkehrer über das Gesicht.


Das war ein Trugschluss

„Wo eine Kirche und ein Pfarrer sind, dorthin kommen auch die Menschen zurück“, hatte Kardinal Puljić in Sarajevo gesagt. Doch dieser Wunsch geht nicht immer in Erfüllung, wie zum Beispiel in dem Bergdorf Gornji Koricani nordöstlich der bosnischen Stadt Travnik. Etliche neu errichtete Häuser verteilen sich auf der Anhöhe in rund 1300 Meter Höhe. Doch die Idylle wird gestört durch die vielen Ruinen, die unübersehbar an den Krieg erinnern. Das Dorf wurde vollständig zerstört, zahlreiche Bewohner fanden den Tod. Die Gräber auf dem Friedhof zeugen davon. Und viele sind geflohen vor der Gewalt, wurden entwurzelt, verloren Heimat, Hab und Gut.
 Auch die Kirche St. Ilija war nur noch eine Ruine. Aber jetzt steht sie wieder stolz auf der Höhe. Sie wurde wieder aufgebaut, auch mit wesentlicher Unterstützung der Caritas-Bosnienhilfe in Duisburg. „Wir haben rund 15 000 Euro beigesteuert und auch so manches Inventar stammt aus Kirchen in Duisburg und am Niederrhein“, berichtet Heribert Hölz. Eine Tafel der 2003 wieder in Betrieb genommenen Kirche erzählt davon. Ein ehemaliger Container der UN dient als „Pfarrbüro“. Man habe gehofft, dass, wenn die Kirche wieder stehe und auch ein Pfarrer vorhanden sei, die geflohenen Bewohner wieder zurückkehrten. „Das war ein Trugschluss“, so Hölz. Der zuständige Pfarrer feiere einmal im Monat eine Messe für gerade einmal zehn Katholiken. Eine Hoffnung hat sich bislang also nicht erfüllt, trotz Hilfe, trotz Engagement. Auch das gehört zu Bosnien. Auch das muss von denjenigen, die helfen, zur Kenntnis genommen und ausgehalten werden.

Was Pfarrer Marić in Bjelo Brdo versucht, geht einen Schritt weiter. Kirche und Pfarrer sind vorhanden. Aber das reicht dem Theologen nicht. „Der Glaube ist wichtig, ja, und die Menschen brauchen Seelsorge im wahrsten Sinne des Wortes“, betont er. Aber die Rückkehrer bräuchten auch eine Hilfe, die ihrem Leben wieder „Hoffnung und eine Perspektive“ gebe. (do)
 

Spendenkonto:
Spenden für die Bosnienhilfe können auf das Konto des Caritasverbandes Duisburg bei der Stadtsparkasse Duisburg, Bankleitzahl: 350 500 00, Konto-Nummer: 200 104 305, Stichwort: „Bosnienhilfe“, überwiesen werden. Spendenbescheinigungen werden auf Wunsch ausgestellt.
Wer eine Patenschaft für eine bedürftige Familie übernehmen möchte, kann sich an Heribert Hölz, Tel.: 0203/44 98 59 16, wenden.

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