Nein zu Intoleranz, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit

Eine klare Absage an Intoleranz, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit erteilt die "Initiative Religionen in Essen" in einer Erklärung, die am 31. Juli in der Essener Innenstadt öffentlich verlesen wurde.



Initiativkreis der Religionen in Essen ruft zum Dialog auf

Zu Respekt vor der Würde eines jeden Menschen und einem verstärkten Dialog zwischen den gesellschaftlichen Gruppen unterschiedlicher Herkunft, Religionen und Weltanschauungen hat am Donnerstag, 31. Juli, der „Initiativkreis Religionen in Essen“ (IRE) aufgerufen. Vor dem Hintergrund der im Nahen Osten eskalierenden Gewalt und den zahlreichen unschuldigen Opfern auf allen Seiten mache es tief betroffen, „dass Trauer und Schmerz bei uns in Essen in Wut und sogar Hass umgeschlagen sind“, heißt es in einer Erklärung, die vor der Marktkirche in der Essener Innenstadt öffentlich verlesen wurde.

Angesicht der Gewaltspirale in Nahost wolle man nicht aufhören, mit allen Menschen guten Willens auf eine „Verständigungslösung in gegenseitigem Respekt“ zu hoffen und immer wieder dazu aufzurufen. „Wir fühlen uns den leidenden Menschen in diesem Konflikt verbunden, den trauernden Familien, den Verletzten, den Flüchtlingen und Obdachlosen“, so der IRE, und gedenke der über 1000 Toten des Konflikts, deren Zahl immer noch weiter wachse.  

Doch könne man nicht akzeptieren, „dass unschuldige Konfliktopfer zur Rechtfertigung für Intoleranz, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und einseitige Schuldzuweisungen missbraucht werden“, unterstreichen die IRE-Mitglieder in der Erklärung. Freie Meinungsäußerung gehöre zwar zum Grundbestand der Demokratie, doch setze sie voraus, „dass die Würde jedes Menschen und der Respekt vor Menschen mit anderen religiösen und nichtreligiösen Überzeugungen“ erhalten bliebe. Das habe die Zivilgesellschaft in Essen schon oft zum Ausdruck gebracht.

Der Initiativkreis der Religionen in Essen, dem die Evangelische und Katholische Kirche, die Jüdische Kultus-Gemeinde sowie die „Kommission Islam und Moscheen“ angehören, wolle sich dafür einsetzen, dass die Menschen in der Stadt „weiter aufeinander“ zugehen, und Räume für den Dialog und das gegenseitige Kennenlernen eröffnen. Ein besonderes Anliegen ist dem IRE der jüdisch-islamische Dialog in Essen. Er sei notwendig, „um bestehende Vorbehalte und Unkenntnis über die jeweils andere Gemeinschaft zu überwinden“.


Schweigend wurde zunächst der Toten des Konfliktes im Nahe Osten gedacht – „ohne Unterschied“, wie Willi Overbeck vom IRE betonte, der die Erklärung öffentlich verlas. Anschließend unterzeichneten diese Essens Oberbürgermeister Reinhard Paß, der Vorstand der Jüdischen Kultusgemeinde, Hans-Hermann Byron, die Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Essen, Marion Greve, der katholische Stadtdechant in Essen, Dr. Jürgen Cleve, der Vorsitzende der Kommission Islam und Moscheen, Muhammet Balaban, ein Imam, Mitglieder des Initiativkreises sowie weitere Vertreter der Stadt und des Integrationsausschusses.

Zuvor hatte Oberbürgermeister Paß in seinem Statement für ein friedliches Zusammenleben geworben. „Hass und Gewalt Intoleranz haben in unserer Stadt nichts zu suchen“, betonte er.

Dass die Unantastbarkeit der Würde des Menschen und das Recht auf Unversehrtheit nicht verletzt werden dürften, unterstrich Hans-Hermann Byron von der Jüdischen Kultusgemeinde. „Das scheint auf einzeln Bürger nicht zuzutreffen“, beklagte er. Unfriede sei destruktiv. „Der Friede beginnt vor Ort, in unseren Familien, in unseren Religionen“, so Byron. Er rief unter großem Beifall dazu auf, „mehr Möglichkeiten zur Begegnung und Aufklärung gerade für junge Menschen“ zu schaffen.

Mit Nachdruck verurteilte Superintendentin Marion Greve Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und Intoleranz. Stattdessen müsse es um „Annäherung und die Herstellung eines friedlichen Zusammenlebens“ gehen.

Dem Fundamentalismus keinen Raum zu geben, dazu rief Stadtdechant Dr. Jürgen Cleve auf. Rache und Vergeltung  seien nicht der richtige Weg. „Lassen Sie uns gemeinsam das Bessere wählen“, betonte er und fügte mit Blick auf die gerade verlesene Erklärung hinzu: „Was wir geschrieben haben, müssen wir auch leben.“

Um respektvollen Umgang miteinander und um die Wertschätzung des jeweils Anderen bat Muhammet Balaban. Es komme darauf an, an den „Wertekulturen“ weiterzuarbeiten. An die Konfliktparteien im Nahen Osten appellierte er, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. (do)

Erklärung des Initiativkreises Religionen in Essen (im Wortlaut)

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