von Thomas Rünker

Nach Hongkong-Rückkehr gleich weiter zum Weltjugendtag

Nach ihrer Rückkehr vom zehnmonatigen Freiwilligendienst im chinesischen Essener Partnerbistum haben sich Anna-Luisa Bormann und Malte Schade gleich wieder auf den Weg zum Weltjugendtag nach Polen gemacht.

"Große Selbstverständlichkeit des Glaubens"

Nach gut zehn Monaten als Freiwillige in einer katholischen Gemeinde im Essener Partnerbistum Hongkong sind Anna-Luisa Bormann aus Mülheim und Malte Schade aus Hattingen zurück – und gleich wieder weg. „Ich hab nur mal kurz die Wäsche gewechselt und mich nach ein paar Tagen wieder in den Bus nach Polen gesetzt“, erzählt der 19-jährige Malte. Dort ist er zusammen mit Anna-Luisa und rund 120 weiteren jungen Leuten aus dem Ruhrbistum nun beim Weltjugendtag unterwegs. Von der bunten Weltkirche können die beiden auch nach ihrer Asien-Erfahrung nicht genug bekommen.

In Schulen beim Unterricht geholfen

Als Freiwillige in Hongkong waren Anna-Luisa und Malte in zwei katholischen Schulen im Einsatz. „Dort haben wir im Unterricht geholfen, aber auch bei Ausflügen und anderen Projekten“, erzählt Malte. Die Sprache war dabei eine besondere Herausforderung. Denn obwohl die südchinesische Metropole bis 1997 britische Kronkolonie war, spricht in Hongkong längst nicht jeder Englisch. „Ohne die Hilfe einige Schüler hätte ich manchmal kein Mittagessen bekommen“, berichtet Anna-Luisa. Sie war zwar an einer komplett englischsprachigen Schule tätig, aber in einigen Imbissstuben der Nachbarschaft sei man ohne Kantonesisch aufgeschmissen gewesen.

Die beiden zurückgekehrten Hongkong-Frewillige Anna-Luisa Bormann und Malte Schade auf dem Weltjugendtag in Krakau. Foto: Bistum Essen

Große Unterschiede zum Schulalltag im Ruhrgebiet

Neben der Sprache seien auch der Unterricht und der Umgang zwischen Schülern und Lehrern in Hongkong deutlich anders gewesen, als es die beiden Freiwilligen aus ihrer Schulzeit im Ruhrgebiet gewohnt waren. Dabei sind den beiden nicht nur die Schulstunden im Frontalunterricht aufgefallen, sondern auch der Alltag der Schüler – „die haben fast kein Privatleben“, sagt Anna-Luisa. „Die meisten Jugendlichen sind dort bis 18 oder 19 Uhr in der Schule – und müssen dann noch Hausaufgaben machen“, ergänzt Malte. Zudem sei es in Hongkong „ganz typisch, dass junge Leute auch mit 30 noch zuhause wohnen“. Dies sei den hohen Immobilienpreisen geschuldet, so Malte. „Es führt aber auch dazu, dass sich die Eltern oft noch lange in das Leben ihrer Kinder einmischen.“

Artikel im Bistumsmagazin BENE war der Auslöser

Ein Artikel im Bistumsmagazin BENE stand im vergangenen Jahr am Anfang des Hongkong-Engagements der beiden Abiturienten. „Meine Mutter hat gesagt: ,Da ist was über China, das interessiert dich doch‘“, erzählt Anna-Luisa, die schon mit 14 ein erstes Mal in dem asiatischen Land war. Auch bei Malte war die Mutter Auslöser für die Bewerbung, die ihn schließlich in die Annunciation Parish in Hongkong geführt hat. Dort hat er während seines Freiwilligen Sozialen Jahres zusammen mit zwei jungen Priestern gewohnt – während Anna-Luisa bei einer 73-jährigen Nonne im Konvent der Maryknoll Sisters zu Gast war. „Das hat so gut funktioniert, dass ich nun fast so etwas wie eine dritte Oma habe“, schwärmt die junge Frau.

Katholiken als Minderheit

Mit Blick auf das christliche Leben in Hongkong haben die beiden jungen Deutschen „eine große Selbstverständlichkeit des Glaubens“ bemerkt, wie es Anna-Luisa beschreibt, die in Mülheim unter anderem als Messdienerin aktiv ist. Anders als in Deutschland sei es in Hongkong „praktisch für jeden Katholiken selbstverständlich, an jedem Sonntag in die Kirche zu gehen“, sagt sie. Außerdem engagiere sich so gut wie jedes Gemeindemitglied auch darüber hinaus noch im Leben der Pfarrei, etwa in Bibelkreisen, Gesprächs- oder Musikgruppen. Insgesamt seien die Katholiken indes nur eine kleine Minderheit, zu der neben Einheimischen auch viele philippinische Gastarbeiterinnen gehören, die in der Metropole als Haushaltshilfen ihr Geld verdienen.

Neue Offenheit im Glauben

Malte hat in Hongkong für sich eine neue Offenheit in Glaubensdingen gelernt. „Auch wenn unser Glaube überall auf der Welt der gleiche ist, muss man offen für die verschiedenen Formen sein“, sagt der junge Mann, der nach dem Sommer Maschinenbau studiert. Dafür sei gerade der Weltjugendtag ein gutes Beispiel, bei dem die verschiedensten Gruppen in ihren Sprachen und mit ihren Liedern beteten – und doch alle katholisch seien. Anna-Luisa, die bald eine Ausbildung beginnt, möchte vor allem die besondere „Selbstverständlichkeit des Glaubens“ aus Hongkong in ihr Leben im Ruhrgebiet mitnehmen – regelmäßige Besuche der Sonntagsmesse inklusive.

Stichwort: Bistumspartnerschaft und Freiwillige

Die Bistümer Essen und Hongkong sind seit 55 Jahren in einer Partnerschaft verbunden, in der zuletzt auch immer wieder der Jugendaustausch im Fokus stand. Nach Malte und Anna-Luisa soll es auch künftig einen Austausch von Freiwilligen geben. Vermutlich ab Herbst werden zwei neue Jugendliche aus China im Ruhrgebiet zu Gast sein. Wann wieder junge Leute aus dem Bistum Essen nach Hongkong gehen, ist derzeit noch offen.

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