„Mutig dorthin gehen, wo zuvor noch niemand gewesen ist“

Der Pavillon des Bistums Essen ist beim Katholikentag rege besucht. Über das Symbol des Astronauten im Weltraum kommt man mit Christen und Nichtchristen ins Gespräch. Gemeinsames Thema: Was ist existentiell wichtig für die Zukunft der Kirche?

Ein Astronaut als Pionier der Kirche: Mit einem ungewöhnlichen Symbolbild macht das Bistum Essen auf dem Katholikentag von sich reden. Der Astronaut in seinem originalgetreuen Anzug positioniert sich am Stand des Ruhrbistums zum großformatigen Foto einer Galaxie im Weltraum. Die Botschaft an die Kirchentagsbesucher: „Mutig dorthin gehen, wo zuvor noch niemand gewesen ist.

Der Pavillon des Bistums Essen – günstig gelegen direkt am Neubau der aufsehenerregenden Leipziger Propsteikirche – ruft mit seiner Symbolsprache einige Aufmerksamkeit hervor und ist entsprechend gut besucht. Viele Interessierte nehmen sich Image-Postkarten mit Weltraum-Motiven und Mutmacher-Slogans mit: „Liebe das Unbekannte“, „Wechsel die Perspektive“ oder „Lerne vom Fremden“. Häufig entwickeln sich Gespräche mit den Standbetreuern aus dem Ruhrbistum darüber, was in Zukunft existentiell wichtig für die Kirche sein werde.  Hilfreich dafür ist eine große Magnettafel, an der das „NASA-Spiel“ gespielt werden kann: Aus 40 Begriffen sollen die Mitspieler die nach ihrem Ermessen sieben wichtigsten für die Kirche der Zukunft heraussuchen. Auffällig: Gerade die konfessionslosen Teilnehmer aller Altersstufen setzen „Gottvertrauen“, „Spiritualität“, „Evangelium“, aber auch „menschliche Nähe“ auf die Liste, denn: „Wenn ihr als Kirche überleben wollt, braucht ihr vor allem das.“

Frank Rehm (63) aus Leipzig, der auch „Empathie“ und „Kulturelle Neugier“ auf seine Wunschliste für die Kirche setzt, nennt sich zwar konfessionslos, sagt aber von sich selbst: „Ich glaube nicht an Gott, aber vielleicht glaubt Gott ja an mich.“ Er gehe gern in die Kirche und in die Synagoge, liebe dort die Spiritualität und die Musik und finde die Vielfalt in der Kirche großartig, wie sie sich auf dem Katholikentag darstelle. Ob er sich vorstellen könne, katholisch zu werden? „Ich will den Leuten nichts Falsches vormachen. Aber ich spüre immer wieder dieses Berührende“, sagt Rehm, „es wäre toll, einen festen Glauben zu haben.“

Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck, der den Essener Pavillon am Samstagmittag besucht, mangelt es nicht an diesem Glauben. Er sieht den Astronauten als Symbol dafür, von außerhalb einen Blick auf die komplexe Welt werfen zu können und Entscheidungen zu treffen – auch viele Detailentscheidungen für die Kirche: „Ein kleiner Schritt für den Franz-Josef, ein großer Schritt für das Bistum Essen“, so nennt Overbeck augenzwinkernd und in Anlehnung an die erste Mondlandung sein oft kleinteiliges Bemühen als Bischof. Und beim „NASA-Spiel“ setzt er „Leidenschaft“ an den ersten Platz seiner Wunschliste.

Für den Diözesanrat der katholischen Frauen und Männer im Bistum Essen ist der vielbeachtete Auftritt beim Katholikentag ein schöner Erfolg. Zusammen mit den jungen Kreativen Melanie Kemner und Matthias Krentzek hat der Diözesanrat mit der Vorbereitungsgruppe des Bistums die „Astronauten“-Idee entwickelt. „Wir wollten unseren Auftritt mit dem Zukunftsbild des Bistums Essen zusammenbringen und dabei ohne die bekannte kirchliche Symbolik auskommen“, sagt Dorothé Möllenberg, die zusammen mit Luidger Wolterhoff den Vorsitz im Diözesanrat hat. Wolterhoff ergänzt: „Wir repräsentieren ein Laiengremium und möchten hier am Stand ohne Theologie und Amtskirchen-Themen eine Sache vertreten, hinter wir persönlich stehen.“

Unerwarteten Besuch erhält das Bistum Essen an seinem Stand auch von Klaus und Annegret Kalenborn mit ihrem Sohn Elias. Die Familie stammt aus dem Ruhrbistum und übersiedelte im Jahr 2002 ins sächsische Rochlitz, um dort den Steinbruch zu übernehmen, in dem der bekannte Rochlitzer Porphyr gewonnen wird. 600 Tonnen dieses markanten, rot-gemaserten Steins prägen die Fassade der Leipziger Propsteikirche St. Trinitatis, deren Neubau angesichts der geringen Zahl an Katholiken in der Stadt großes Aufsehen erregt hatte. Die Architektur sei möglichst transparent gehalten, damit die Hemmschwelle minimal sei, die Kirche zu betreten, erklärt Klaus Kalenborn.  Der Alt-Essener freut sich sichtlich, dass „seine“ Propsteikirche und sein Heimatbistum Essen beim Katholikentag vis à vis liegen, und stellt sich gern zum Foto unter den Slogan „Wie wir Kirche verändern“.

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