Muss die Bibel wortwörtlich verstanden werden?

Sich biblischen Texten als „Gotteswort im Menschenwort“ zu nähern, dazu lädt das Bibelwerk im Bistum Essen ein. "Bibel kann jede(r)!" - so ist diese Reihe überschrieben, die im Kardinal-Hengsbach-Haus in Essen-Werden stattfindet.

Seminar des Bibewerkes im Bistum Essen

Kürzlich berichteten die Medien von einer deutschen Familie aus Baden-Württemberg, der in den USA Asyl gewährt wurde. Hintergrund war ihr Anliegen, ihre Kinder zuhause selber zu unterrichten. Sie fühlten sich in ihrer religiösen Ausrichtung – die Familie steht einer evangelikalen Gruppierung nahe – im deutschen Schulsystem nicht akzeptiert und sogar verfolgt. Und das machten sie unter anderem an Schulbuchaussagen zu Sexualität und Evolution fest, die nach Ansicht der Familie im Gegensatz stehen zu biblischen Aussagen zur Schöpfung der Welt und des Menschen.

Die Frage, ob die Bibel in jedem Buchstaben ihrer Texte „wahr“  ist und wie sie heute verstanden und gedeutet werden kann, stellen sich viele Christinnen und Christen. In dem Dokument „Die Interpretation der Bibel in der Kirche“ von 1993, das sich auch kritisch mit fundamentalistischen Bibelauslegungen auseinandersetzt, sagt die Päpstliche Bibelkommission: „Das Wort Gottes hat sich im Werk menschlicher Autoren ausgedrückt. Gedanken und Worte sind von Gott und vom Menschen zugleich, so dass alles in der Bibel gleichzeitig von Gott und vom inspirierten Autor stammt. Daraus darf man jedoch nicht schließen, Gott hätte der geschichtlichen Erscheinungsweise seiner Botschaft einen absoluten Wert gegeben. Seine Botschaft ist der Interpretation und Aktualisierung fähig, d.h. sie kann von ihrer geschichtlichen Bedingtheit wenigstens teilweise losgelöst werden, um auf die gegenwärtigen geschichtlichen Bedingungen bezogen zu werden.“

Das Katholische Bibelwerk im Bistum Essen lädt dazu ein, sich biblischen Texten als „Gotteswort im Menschenwort“ zu nähern: sie wahrzunehmen als Zeugnisse der Glaubenserfahrungen von Menschen mit ihrem Gott in einer bestimmten geschichtlichen Zeit, sie aber auch als Inspiration zu erfahren und zu begreifen.
An fünf Samstagen werden unter der Überschrift „Bibel? Kann jede/r! Bekannte Texte der Bibel – neu gelesen“ biblische Texte aus dem Alten und Neuen Testament gemeinsam gelesen und erschlossen:

Samstag, 20. Februar 2010, 9.00 – 17.00 Uhr:
„Mensch, wo bist du?“ (Genesis 3) – Die Geschichte vom Sündenfall – oder?

Samstag, 13. März 2010, 9.00 -17.00 Uhr:
„Es gibt nicht Neues unter der Sonne …“ (Kohelet 1,9)
Einsichten eines Weisen in Israel

Samstag, 17. April 2010, 9.00 – 17.00 Uhr:
„Mit der Gottesherrschaft verhält es sich wie mit …“
Die Bildersprache der Gleichnisse

Samstag, 08. Mai 2010, 9.00 – 17.00 Uhr:
Das Paulusbild der Apostelgeschichte und der paulinischen Briefe im Vergleich

Samstag, 12. Juni 2010, 9.00 – 17.00 Uhr:
Die Bibel: Mehr als EIN Buch

Anleitung zum Lesen und Verstehen:
Dr. Esther Brünenberg-Bußwolder, Bernward Teuwsen, Leonie Türnau
Ort: Kardinal-Hengsbach-Haus, Essen-Werden
Nähere Informationen und Anmeldung: Katholisches Bildungswerk Mülheim, Telefon: 0208/3083-137; E-Mail: bw.muelheim@bistum-essen.de.

Literaturhinweis:
Aus dem Katholischen Bibelwerk e.V. Stuttgart gibt es eine Veröffentlichung zum Thema: Georg Steins, Ist die Bibel wahr? Bibelauslegung zwischen Wortwörtlichkeit und Beliebigkeit, Stuttgart 2008 (Bestellmöglichkeit im Buchhandel oder unter www.bibelwerk.de) (lt/do)

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