Moralisches Ansehen der Bundeswehr unersetzlich

Gewaltanwendung sei immer ein Übel und nur aus Gründen der Selbstverteidigung als letztes Mittel zu rechtfertigen, so Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck. Gemeinsam mit zahlreichen Soldatinnen und Soldaten feierte er am Mittwoch, 10. Juni 2015, einen Friedensgottesdienst in Berlin.

Militäbischof Dr. Franz-Josef Overbeck hat die Bedeutung der Militärseelsorge für die Streitkräfte hervorgehoben. "Moralisches Ansehen ist für die Bundeswehr hoch bedeutsam und nicht zu ersetzen", sagte Overbeck am Mittwoch in Berlin. Besonders die Militärseelsorge engagiere sich dafür, die "moralische Urteilsfähigkeit" der Soldatinnen und Soldaten zu fördern. Overbeck sprach in einem "Friedensgottesdienst" zum Gedenken des Kriegsendes vor 70 Jahren.

Der Militärbischof warnte davor, politische Entscheidungen zu überhöhen, "indem sie als die jeweils einzig richtige Lehre aus der Vergangenheit ausgegeben werden". In diesem Zusammenhang kritisierte er die Debatten um die Auslandseinsätze der Bundeswehr. Viele Menschen in Deutschland ignorierten, dass die Politik auch bei diesen Einsätzen nicht versuchen dürfe, Unmögliches zu erreichen. Sie müsse sich bewusst sein, dass alle Strategien und Planungen "unzulänglich bleiben".

Der Militärbischof plädierte für eine Realpolitik, die sich als "Politik der Schutzverantwortung für die Würde und Werte des Menschen" versteht. Dabei sei Gewaltanwendung immer ein Übel und nur aus Gründen der Selbstverteidigung als letztes Mittel zu rechtfertigen, "weil es um die Verteidigung der Freiheit geht". Christen könnten für Menschenrechte, Menschenwürde und Toleranz aufgrund ihres Glaubens an Gott eintreten, "der als Schöpfer aller Menschen alle gleich geschaffen hat".

Overbeck verurteilte "die völkerrechtswidrige Annexion der Krim und die Geschehnisse in der Ukraine". Sie machten "die Gültigkeit der die Weltordnung tragenden Prinzipien nach 1945 fraglich". Es bleibe zwar "moralisch geboten, mit Russland die Politik einer konstruktiven Zusammenarbeit auf allen Feldern, wo es möglich ist, fortzuführen". Eine Lehre des Zweiten Weltkriegs sei, "dass die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und der deutsch-sowjetischen Doppelaggression im Zuge des Hitler-Stalin-Paktes nie wieder zu Opfern werden dürfen". Dies gelte vor allem für Polen und die baltischen Republiken. (kna, ja)

Predigt Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck im Wortlaut (PDF)

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