Mit neuen Segensformen das Leben feiern

Bei der Podiumsdiskussion „Segen in neuem Design“ stand in der Akademie „Die Wolfsburg“ die Frage im Fokus, mit welchen Formen und Ritualen die Kirche Menschen an wichtigen Lebenswenden beistehen kann.

Menschen an wichtigen Lebenswenden beistehen

Wenn Menschen heiraten, einen runden Geburtstag feiern oder eine Trauerfeier begehen, suchen sie für die Begleitung dieser wichtigen Anlässe in ihrem Leben immer seltener die Nähe der Kirche. Warum dies so ist, und wie die Kirche darauf reagieren soll, darüber diskutierten am Mittwochabend zusammen mit Moderator Dr. Jens Oboth Fachleute auf dem Podium „Segen in neuem Design“ in der Katholischen Akademie „Die Wolfsburg“ in Mülheim.

Rituale als Takt- und Haltgeber

„Rituale helfen uns, in dieser Welt zurechtzukommen“, erläuterte der Düsseldorfer Psychoanalytiker Dr. Dieter Funke. Dies beginne im Alltag, etwa bei festen Gewohnheiten bei der Ankunft zu Hause nach einem Arbeitstag, und ende bei Riten für besondere Lebenswenden, an denen Rituale Takt- und Haltgeber seien. Der Bochumer Liturgiewissenschaftler Professor Stefan Böntert stellte heraus, dass solche Rituale häufig im Zusammenhang mit Schwellensituationen im Leben zelebriert werden. „In Situationen, in denen wir merken, dass wir unser Leben nicht ganz in der Hand haben, vergewissert ein Segen uns der Zuwendung Gottes“.

Zunehmende Individualisierung

Dass die Segens-Rituale in diesen Schwellensituationen des Lebens immer individueller würden, berichtete die evangelische Theologin Martina Görke-Sauer. Als freie Ritualdesignerin gestaltet sie Zeremonien nach den Wünschen ihrer Kunden, zum Beispiel zu Hochzeit und Partnerschaft, Geburt oder Bestattungen. Häufig, so ihre Erfahrung, kollidiere der Verkündigungsauftrag der Kirche mit der persönlichen Situation der Menschen, so dass diese sich andere Formen für die Befriedigung ihrer Sehnsucht nach Zuspruch an Wendepunkten ihres Lebens suchten. Hier, so Görke-Sauer, müsse Kirche sich mehr auf ihre Stärken besinnen und diese nach außen tragen. Sie müsse einerseits Offenheit signalisieren, gleichzeitig aber auch Erkennbarkeit.

Entwicklung neuer Segenszeremonien

Kontrovers diskutiert wurde die Frage, ob die Kirche neue Segensrituale erfinden müsse. Während Funke vor einer Dopplung von Erfahrungen warnte, etwa wenn bestimmte Ereignisse zusätzlich zur üblichen Feier auch kirchlich begangen würden, warb Böntert dafür, sich auf die reiche Segenstradition der Kirche zu besinnen. Unterstützung erhielt er dabei von Dr. Nicole Stockhoff, Referentin für Liturgie im Bischöflichen Generalvikariat Essen, die ebenfalls dafür plädierte, Mut bei der Entwicklung neuer Segenszeremonien zu zeigen. „Wir müssen Türen öffnen und die Menschen in ihrer Lebenssituation abholen. Segensfeiern müssen nicht immer im Kirchenraum stattfinden“. Gleichzeitig unterstrich sie die Bemühungen des Bistums, den Stellenwert der Laien in der Verkündigung zu stärken. Auch ungeweihte Menschen könnten Segen spenden, so Stockhoff. Da es viele alternative Segensformen gebe, käme es nun darauf an, dass sowohl Laien als auch Priester den Mut aufbringen, diese auch anzuwenden.

Gottes Zuwendung muss nicht verdient werden

Wichtig sei, so waren sich die Diskussionsteilnehmer einig, den Mensch mit seinen Bedürfnissen und auch seinen Unzulänglichkeiten wahrzunehmen und anzunehmen. Görke-Sauer warnte davor, Zugangshürden zu hoch zu legen. Die Kirche müsse Menschen als Neugierige ohne Zugangsvoraussetzungen willkommen heißen. Auch Böntert unterstrich die Bedeutung der bedingungslosen Zuwendung Gottes zu den Menschen. „Es darf nicht sein, dass der Zuspruch Gottes erst verdient werden muss.“ (lk/tr)

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