Mit neuem Vertrauen die Krisen bekämpfen

Beim Finanzforum der National-Bank in der Essener Philharmonie zog Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck am Mittwochabend Parallelen zwischen der Identitätskrise des Ruhrgebiets und den aktuellen Problemen der katholischen Kirche.

"Ich bin natürlich Bischof für alle"

Mit neuem Vertrauen sollten sowohl das Ruhrgebiet als auch die katholische Kirche den Weg aus ihren aktuellen Identitätskrisen finden. Diese Einschätzung äußerte Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck am Mittwoch auf dem Finanzforum der National-Bank. „Wir müssen im Ruhrgebiet wie im Ruhrbistum neu um Vertrauen werben, damit wir offen sind für Investitionen in Zukunftsbranchen und damit wir als Kirche wieder zur Identifikationsstütze der Menschen werden, die für ihren Glauben Ansprechpartner und Heimat suchen“, sagte Overbeck am Abend in der Essener Philharmonie. „Diese Identitätsbildung steht in unser aller Verantwortung. Wir müssen auf neue Weise handlungsfähig und glaubwürdig werden, wenn wie die Krise überwinden wollen.“

Overbeck ging in seinem Vortrag auf ähnliche Motive ein, die in den 1920er Jahren sowohl zur Entstehung der National-Bank als auch zu ersten Überlegungen zur Gründung eines katholischen Bistums im Ruhrgebiet führten. Sowohl bei der von Vertretern der christlichen Gewerkschaftsbewegung initiierten Bank als auch beim Bistum Essen sei es um „das Bemühen um Nähe zur Lebenswirklichkeit der Menschen gerade in unserer Region“ gegangen, hob Overbeck hervor. Er verwies auf den ersten Bischof des letztlich erst 1958 gegründeten Ruhrbistums, Franz Hengsbach, und dessen Positionierung, die Kirche wolle nicht anderes „als denen dienen, die hier wohnen und arbeiten“, zitierte Overbeck aus Hengsbachs Grußwort zur Bistumsgründung. Overbeck fügte hinzu: „An diesem Selbstverständnis der Kirche von Essen, nämlich allen dienen zu wollen, die hier leben, hat sich bis heute nichts verändert. In diesem Sinn bin ich natürlich Bischof für alle, um eine Überschrift der WAZ vom 16. Oktober 2013 korrigierend aufzugreifen.“

Unter der Überschrift „Das Geld der Gesellschaft“ verwies Overbeck mehrfach auf die Grundlagen der katholischen Soziallehre und deren Anliegen sowohl die Gesinnungen der Menschen als auch die Bedingungen von Gesellschaft zu reformieren. Der in der „,(Hab-)Gier’ zum Ausdruck gekommene Wunsch nach Fülle und Heil lässt sich nicht mit endlos gesteigerten Kontosalden befriedigen“, sagte der Bischof. Doch damit Menschen in sozialen Beziehungen Identität und Persönlichkeit ausbilden könnten, brauche es „Vertrauen und glaubwürdige Institutionen“.

Angesichts von Eurokrise oder der seit Jahren wahrgenommenen Terror-Bedrohung sprach Overbeck vom „vorherrschenden Lebensgefühl einer grundsätzlichen Krise“. Konkret bekräftigte der Bischof seine Sorge um die Wirtschaft in der Region: „Was aber, so frage ich mich oft, passiert bei uns im Ruhrgebiet, wenn die bereits angekündigten Stellenabbaupläne unserer einschlägigen Großunternehmen tatsächlich und gleichzeitig umgesetzt werden?“ Als Bischof und Kirchenmann brauche er „beim Krisenthema gar nicht mit Fingern auf andere zu zeigen, zu sehr sind wir als Kirche momentan mit uns selbst beschäftigt“, betonte Overbeck und nannte den Verlust an Vertrauen und Glaubwürdigkeit durch „den entsetzlichen Missbrauchsskandal“. Zuletzt hätten „die unausweichlichen Schlagzeilen“ zu den Vorgängen im Bistum Limburg „unserer Sache, der glaubwürdigen Verkündigung des Evangeliums, nachhaltig geschadet“.

Overbeck verwies auf den umfangreichen Dialogprozess „Zukunft auf katholisch“, den das Bistum vor zwei Jahren auch als Reaktion auf die umfangreichen Umstrukturierungen in der katholischen Kirche im Ruhrgebiet gestartet hat. Das in diesem Rahmen erarbeitete „Zukunftsbild“ soll „zur Grundlage eines neuen Selbstverständnisses als Kirche im Bistum Essen werden“, erläuterte der Bischof und betonte: „Einen solchen, auf Identitätsbildung angelegten Selbstverständigungsprozess wünschte ich mir auch für unser Ruhrgebiet.“ Jeder könne in seinem Handlungs- und Verantwortungsbereich zum Gelingen von Gesellschaft beitragen. „In diesem Sinne haben wir bei uns im Ruhrgebiet einige Hände voll zu tun“, so Overbeck. Er freue sich über „innovative Ansätze wie das LogPort in Duisburg, den Technologiestandort Dortmund, den Gesundheitsstandort Bochum, das Designerzentrum Zeche Zollverein und die vernetzte Wissenschaftslandschaft im Ruhrgebiet als Erfolge des Strukturwandels“. Diese lösten „aber nicht die vielen Existenzprobleme der Menschen im Zuge der erwarteten Stellenstreichungen bei Opel in Bochum, im Nirosta-Stahlwerk, bei Thyssen-Krupp, Eon, RWE, Evonik, Karstadt, Hochtief und im Zuge des auslaufenden Steinkohlebergbaus.“

Konkret warb Overbeck für eine transparente Verständigung der Städte und Kreise im Ruhrgebiet über die jeweiligen Stärken der Kommunen, um daraus konkrete Aktivitäten für eine Stärkung der Region abzuleiten. (tr)

Die Rede von Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck im Wortlaut.

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