Mit Mut und Kreativität Orte des Glaubens gestalten

Der Wunsch nach Wandel und Veränderung ist groß. Die Erwartungen sind unterschiedlich. Das Erarbeiten konkreter Schritte ist nicht leicht. Das zeigte das zweite Bistumsforum zum Dialogprozess „Zukunft auf katholisch“ am 5. Mai 2012 in der Maschinehalle in Gladbeck. Es ging um das Thema "In unserem Bistum zu Hause und lebendige Kirche sein".



2. Bistumsforum fragte nach Wegen zu einer lebendigen Kirche

Auch wenn die Erwartungen unterschiedlich sind, der Wunsch nach Wandel und Veränderungen ist groß. Das zeigte das zweite Bistumsforum zum Dialogprozess „Zukunft auf katholisch“ der Diözese Essen am Samstag, 5. Mai, in der Maschinehalle in Gladbeck. Denn nach der Auftaktveranstaltung Ende Januar in Essen, die eine atmosphärische Grundstimmung für den Dialogprozess gelegt und nach Ansicht von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck einen „positiven, motivierenden und lebendigen Eindruck“ hinterlassen hat, ging es jetzt erstmals um ganz Konkretes. „Es geht diesmal darum, wie wir in unserem Bistum zu Hause und lebendige Kirche sein können“, betonte Overbeck vor den fast 300 Delegierten.

Der Bischof warb für eine Kirche, die „von einem quicklebendigen Glauben geprägt“ ist und die Menschen auch wirklich anspreche. „Mein tiefes Anliegen ist es, dass in unserem Bistum Orte, Räume und Zeiten identifiziert und neue möglich werden, an denen ganz viele Menschen mit dem Geheimnis Gottes und seiner Verwandlungskraft in Berührung kommen“, betonte Overbeck. Vieles habe sich im Ruhrbistum schon verändert. Es sei menschlich, um das Vergangene zu trauern, dabei stehen zu bleiben auf Dauer aber nicht möglich. „Doch ohne das Feuer Jesu Christi und seines Evangeliums, das reinigt, brennt und leuchtet, wird Kirche nicht sein“, gab der Ruhrbischof zu bedenken. Er wünsche sich „mit Mut und Kreativität gestaltete Glaubensorte“, in denen Menschen die Freude des Glaubens widerspiegelten, sowie Gemeinden, die einladend und offen für Suchende seien.


Aus Wut wird Mut…

Von Wandel, Veränderungen und eher ungewöhnlichen Orten, an denen Glaube spürbar wird, erzählte der von Norbert Lepping, Essen (Konzeption), und dem Bochumer Fotografen Volker Wiciok produzierte Film mit dem Titel „Brannte nicht unser Herz?“. Zwölf Menschen - vom Kardiologen und der Krankenhausseelsorgerin über eine Landwirtin und Tierärztin bis hin zu einer Künstlerin, einem Pfarrer, Theologieprofessor oder jungen Online-Redakteuren - erzählen von ihrem Alltag, ihrem Beruf, ihrem Zuhause und wie sie Wandel und Veränderungen erleben. „Aus Wut wird Mut und richtig Glück“ – dieser Satz der Krankenhausseelsorgerin aus dem Film könnte auch so etwas wie ein Mut machender Leitsatz des Dialogprozesses werden.    

Mit dem Forum in Gladbeck sollte – so der Beauftragte für den Dialogprozess im Ruhrbistum, Domkapitular Dr. Michael Dörnemann – die Basis für die folgenden thematischen Bistumsforen gelegt werden. Dabei gingen die Delegierten der Frage nach, wie unter sich schnell wandelnden Bedingungen eine Kirche gestaltet werden kann, die einladende Glaubensorte und ein Zuhause bietet. „Es ging darum, Gestaltungsideen zu entwickeln, dazu erste konkrete Umsetzungsimpulse zu finden und Zuständigkeiten zu erkennen“, so Dörnemann.


Kirche muss sich öffnen

In 50 Stuhlkreisen – zum Teil in wechselnder  Besetzung – wurden Ideen entwickelt, wurde diskutiert und argumentiert. Die große Maschinenhalle wurde zu einer „Denkfabrik“. Antworten, Vorschläge und Anmerkungen zur Fragestellung gab es viele. Kirche und Gemeinden müssten sich stärker öffnen, über den eigenen Tellerrand hinausschauen und für die Menschen attraktiver werden, das war für nicht wenige ein wichtiges Ziel. Die Begleitung von Menschen bei der Sinnsuche und in ihren jeweiligen Lebenslagen, Ausbau des Einsatzes von Laien in der Seelsorge einschließlich der Ausbildung und Beauftragung durch die Bistumsleitung, Gemeindeleitung durch Laien, Einübung einer Kultur des „Willkommen-Heißens“, Schaffung und Förderung geistlicher Gemeinschaften und „kleiner Zellen“, Stärkung des Ehrenamtes, „bewegende Gottesdienste“, Sensibilität für soziale Nöte, neue Formen von Gemeinschaften, eine stärkere Beteiligung von Laien und Zuständigkeiten auf eine breite Basis stellen – das waren weitere Ideen die auf dem Forum zur Sprache kamen. Zu einigen wurden erste konkrete Umsetzungsimpulse entwickelt, die nach weiterer Prüfung und Ausarbeitung auf den Weg gebracht werden sollen. „Es ist wichtig, dass die Informationen aus den Foren durch die Delegierten in die Pfarreien, Gemeinden, Gremien, Verbände und Gruppen getragen werden“, betonte Dr. Dörnemann. Nur durch eine Beteiligung Vieler auf allen Ebenen könne der Dialogprozess eine breite Basis erhalten.

Aber es ging nicht nur um so genannte „Defizite“. Deutlich wurde auch, dass es im Ruhrbistum schon viele hoffnungsvolle und kreative Aufbrüche gibt. „Ich weiß, dass hier viel Gutes getan wird und wächst“, versicherte Bischof Overbeck. Es gehe darum, Orte zu schaffen, „wo wir uns in unserem Christsein positiv bestärken und Kraft finden und wo andere dies erfahren können“. Christen müssten außerdem sozial wahrgenommen werden. „Gerade in den großen Städten des Ruhrgebietes müsse Kirche eine ‚Kirche in der Stadt‘ sein, muss der Blick auf die Kommune geweitet  werden“, betonte der Ruhrbischof.


Geduld und ein langer Atem

Die Aufbruchstimmung und Bereitschaft zu Veränderungen waren bei diesem Forum deutlich spürbar, aber auch die Schwierigkeit, Ideen eine konkrete Gestalt zu geben. Dass man Lösungen aus dem Ärmel schütteln könnte, hatte niemand erwartet. „Wir brauchen auch Zeit und Raum für Experimente“, brachte es ein Teilnehmer auf den Punkt. „Es ist ein Prozess, der permanent läuft. Nichts ist perfekt“, meinte ein anderer. Vom Wunsch nach „mehr Verbindlichkeit und Konsequenz“, von der Notwendigkeit, Ballast abzuwerfen“ war die Rede genauso wie von einem langen Atem. „Auch Angst gehört zum Glauben“, betonte ein Delegierter. Aber ohne etwas zu riskieren werde sich nichts ändern. Doch einige Delegierte äußerten auch Skepsis, Enttäuschung und Ungeduld. Dass in vielen Bereichen die Spannungsbögen groß seien, merkte Bischof Overbeck am Schluss des Forums an. „Doch ich freue ich, dass ich mit Ihnen diesen Weg gehen darf.“

Am Abend feierte der Ruhrbischof gemeinsam mit Generalvikar Dr. Hans-Werner Thönnes, Domkapitular Dr. Dörnemann, dem Stadtdechant in Gladbeck, Propst André Müller, den Delegierten und vielen Gläubigen aus dem Bistum in der Gladbecker St. Lamberti-Kirche Eucharistie. Bei der anschließenden Begegnung im Pfarrzentrum ließ man noch einmal den Tag Revue passieren, fassten Teilnehmer des Forums ihre Eindrücke zusammen, wurde nachgefragt und diskutiert. (do)


Kurzansprache von Bischof Overbeck zur Eröffnung des 2. Bistumsforums

Predigt von Bischof Overbeck im Pontifikalamt zum Abschluss des 2. Bistumsforums

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