Mit der Kraft des Geistes für Frieden einsetzen

Sich von Gottes Geist leiten zu lassen und für den Frieden und die Verständigung in der Gesellschaft einzutreten, dazu ermunterte Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck in seiner Predigt am Pfingstsonntag im Essener Dom. Angst und Furcht seien bei dieser Aufgabe schlechte Ratgeber, so der Ruhrbischof.

Pfingstpredigt von Ruhrbischof Overbeck im Essener Dom

Das Pfingstfest fordert nach Ansicht von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck die Christen in besonderer Weise auf, sich für Frieden und Verständigung unter den Menschen einzusetzen. „In der Welt der vielen Sprachen und der unterschiedlichen Kulturen braucht es die, die aus der Kraft des Höheren, der Kraft Gottes, beseelt von seinem guten Geist, den Frieden leben, das Verstehen befördern und Menschen beheimaten“, sagte Overbeck am Pfingstsonntag, 24. Mai, in seiner Predigt im Essener Dom. „Wer Christ ist, geht in der Spur Jesu, öffnet sich dem Geheimnis des anderen, ist ein Mensch der Solidarität und wirkt gesellschaftlich, im Großen wie im Kleinen, für immer mehr Integration in der einen Menschheitsfamilie.“

Dies sei deswegen so bedeutsam, weil viele Menschen angesichts der Vielschichtigkeit der Sprachen, der Unterschiedlichkeit der Traditionen und Kulturen, von vielen Ängsten besetzt seien. Angst, so der Bischof weiter, sei jedoch immer ein schlechter Ratgeber. Verbunden mit der Furcht, mache es Menschen engstirnig und ideologisch. Alle strukturellen Integrations- und Solidaritätsbemühungen in der Gesellschaft liefen auf Dauer ins Leere, wenn sie nicht von Menschen mit einem wachen Geist beseelt seien, der Gemeinschaft pflege und Menschen zusammenführe, betonte er.

Der Auftrag, sich von Gottes Geist leiten zu lassen, gelte auch mit Blick auf die wachsende Gefahr innerkirchlicher Auseinandersetzungen, mahnte Overbeck. Dass es Konflikte geben könne, sorge ihn nicht. „Konflikte laden ein zur Unterscheidung, nicht zur Abschottung und zum Besserwissen.“ In der Kultur der vielen Perspektiven dieser Welt sei das die Chance, auch innerkirchlich zu zeigen, was im Weltmaßstab für alle Menschen gelte: Integration und Solidarität auf Grund der einen Sprache des Glaubens, die das Herz aller Menschen erreichen könne, zu leben und zu üben. Es gehe darum, jede Selbstherrlichkeit aufzugeben und Maßstab an Jesus zu nehmen, der alle Menschen zusammen führe und zueinander bringe.

„Pfingsten lebt vom guten Geist, der auf den anderen aus ist und ihn um Gottes Willen groß sein lässt“, so der Bischof. Das Zukunftsbild des Bistums Essen mache deutlich, worum es vom Evangelium her geht: „In Nüchternheit und zugleich bewegt vom Geist, berührt durch Gott, wach für die Menschen, vielfältig lernende Christen zu sein, die ihre Sendung als Kirche wirksam und nah so ausüben, dass wir immer mehr lernen, die eine Sprache zu sprechen, die alle Menschen verstehen. Es ist die Sprache des Evangeliums, es ist die Sprache der Kirche, es ist unser Glaube, der sich an Jesus in der Sprache der Liebe und der Nähe wendet.“

Nicht umsonst sei die Erfahrung von Pfingsten ein Ereignis des Wortes und der Sprache, des Feuers und der Beziehung. Overbeck: „Wer liebt, der versteht die Sprache des anderen und spricht eine Sprache, die den anderen ergreift. Wer liebt, der hat Feuer im Herzen und will es überspringen lassen; er lebt von einer Gegenliebe, die das Gleiche tut. Wer liebt, lebt aus einer Beziehung, die den anderen groß macht. Wo das geschieht, da weht der Geist, da ist Pfingsten. Wo das gelebt wird, da ist Frieden. Echte Liebe führt in diesen Frieden. In jenes Verstehen, das nicht trennt, sondern verbindet.“ (ul)

Predigt Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck im Worlaut (PDF)

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