Missbrauchs-Leitlinien: Täter vom Dienst ausschließen?

Die Deutsche Bischofskonferenz wird ihre Leitlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch überprüfen. Sie werde den Umgang mit Tätern stärker in den Blick nehmen, das kündigte deren Missbrauchsbeauftragter, Bischof Stephan Ackermann auf dem Katholikentag an.

"Leitlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch überprüfen!"


Die Deutsche Bischofskonferenz wird ihre Leitlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch überprüfen. Sie werde den Umgang mit Tätern stärker in den Blick nehmen, kündigte der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann, am Donnerstag auf dem Katholikentag an. Es gehe vor allem um die Frage, ob schuldig gewordene Kirchenmitarbeiter vollständig von der Seelsorge ausgeschlossen würden.

Der Trierer Bischof räumte zugleich ein, dass er von solchen Forderungen "ein Stück weit überrollt" worden sei. Die Missbrauchsbeauftragte des Bistums Essen, Dorothee Trynogga, erklärte, dort gebe es für übergriffige Seelsorger ein "Recht auf eine zweite Chance" derzeit nicht.

Der Sprecher der Betroffenen-Initiative "Eckiger Tisch", Matthias Katsch, hatte zuvor gefragt: "Warum ist es so schwer zu sagen: Wer sich an Kindern vergeht, hat im kirchlichen Dienst nichts zu suchen?". Zur Begründung schilderte er eindringlich das lebenslange Leid vieler Betroffener. Für einen Ausschluss von Tätern plädierte auch der Berliner Sexualmediziner Klaus Beier.

Verantwortungsbewusste Männer mit pädosexueller Veranlagung mieden von sich aus den Kontakt mit Kindern, betonte er. Beier warnte davor, von Einzelfällen auszugehen. Nach seinen Schätzungen haben rund 400.000 Männer in Deutschland eine krankhafte sexuelle Vorliebe für Kinder. Er bezifferte die Zahl der Übergriffe auf rund 60.000 pro Jahr.

Kiechle: Differenzierung von Fall zu Fall

Wie Ackermann warb der Provinzial der Deutschen Provinz der Jesuiten, Stefan Kiechle, dafür, im Umgang mit den Tätern nach dem jeweiligen Fall zu differenzieren. Kiechle betonte, der Ausschluss eines schuldig gewordenen Ordensmitglieds aus seiner Gemeinschaft könne die Gefahr weiteren Missbrauchs vergrößern, wenn er nicht mehr unter deren sozialer Kontrolle stehe.

Die Geschäftsführerin der AG gegen sexuelle Gewalt "Wildwasser", Iris Hölling, würdigte die von den deutschen Bistümern beschlossenen Präventionsmaßnahmen, verwies zugleich aber auf "massive Umsetzungsprobleme". Sie empfahl der Kirche, mehr externe Beschwerdestellen einzurichten. Zudem müsse sie das "Risikopotenzial" für Missbrauch in den Blick nehmen, das es durch ihre Machtstrukturen gebe.

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