„Missbrauch beschämt mich und macht mich fassungslos“

Eine rückhaltlose Aufklärung des Missbrauchs an Kindern innerhalb der Katholischen Kirche fordert Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck. „Es beschämt mich und ich bin fassungslos", sagte er am Freitagabend in seiner Fastenpredigt im Essener Dom.

Ruhrbischof Overbeck fordert rückhaltlose Aufklärung

Eine rückhaltlose und konsequente Aufklärung des Missbrauchs an Kindern innerhalb der Katholischen Kirche fordert Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck. „Was seit der Aufdeckung der Ereignisse an den Jesuitenschulen bekannt geworden ist und auch unser Bistum hart getroffen hat, übersteigt das für mich Vorstellbare“, sagte Overbeck am Freitagabend in der Fastenpredigt im Essener Dom. „Es beschämt mich und macht mich fassungslos.“

In seiner Predigt zum Thema „Den Finger in die Wunde legen“ wies der Bischof darauf hin, dass nach den Missbrauchsskandalen in den USA und in Europa die „schonungslose Rede über dies Geschehnisse“ Teil der gesamtdeutschen Öffentlichkeit geworden sei. „Durch die Veröffentlichung der „ungeheuren Taten an den Opfern des Missbrauchs ist eine Reinigung der Kirche auf den Weg gebracht worden, die notwendig ist und wo nichts Vertröstendes und Verharmlosendes Platz hat“, so Overbeck.

Die Deutsche Bischofskonferenz habe diesbezüglich bereits im Jahre 2002 Richtlinien verabschiedet. Diese seien 2004 und noch einmal 2008/2009 für das Bistum Essen mit Ausführungsbestimmungen konkretisiert worden, und zwar mit dem Ziel, „Vertuschung und Verschleierung der durch nichts zu entschuldigenden Taten unmöglich zu machen“. Diese Leitlinien sicherten allen Opfern und ihren Angehörigen menschliche, therapeutische und seelsorgliche Hilfe zu. Im Bistum Essen gebe es eine Ansprechpartnerin, an die sich jeder im Verdachtsfall wenden könne.

Die Wahrheit muss aufgedeckt werden

Die Kirche vertrete ein anspruchsvolles moralisches Programm. „Deshalb stellen wir uns den Tatsachen, um unserer Verantwortung und unserem Anspruch gerecht zu werden“, betonte der Bischof. Missbrauch dürfe in der Kirche keinen Platz haben. Schuldige müssten sowohl nach den Gesetzen des Staates als auch nach der Maßgabe der Kirche bestraft werden. Bei der Aufarbeitung der Fälle geht es nach Ansicht von Overbeck vor allem „um eine Anerkennung all der Not, der Schmerzen und des zugefügten Leides der Opfer“.  So sehr die Wunde auch schmerze: die Wahrheit müsse aufgedeckt werden.
In der derzeitigen Situation sieht Overbeck auch die Gefahr einer wachsenden „Vertrauenskrise zwischen Priestern, vielen Gläubigen und zahlreichen anderen Menschen“. Deshalb sei eine ehrliche Aufklärung angesagt, eine  neue „Kultur des Hinschauens“ – wie es die deutschen Bischöfe formulierten.

Ruhrbischof Overbeck wandte sich gegen Versuche, einen Zusammenhang zwischen dem Zölibat der Priester auf der einen und den Verbrechen des sexuellen Missbrauchs auf der anderen Seite herzustellen. Fachleute aus den verschiedensten Bereichen hätten den Bischöfen immer bestätigt, dass nicht der Zölibat der Priester Ursache des sexuellen Missbrauchs sei. Der Zölibat als Lebensform brauche „eine menschliche und emotionale Reife sowie eine sorgfältige Prüfung der Lebensentscheidung durch den Priesterkandidaten selbst, wie auch durch die Kirche, die ausgewählte Männer zum Priester weiht“, sagte der Bischof. Für die Bischöfe und Priester, „die sich um ein glaubwürdiges zölibatäres Leben bemühen“, sei es eine „große Last“, in der Öffentlichkeit unter einen Generalverdacht gestellt zu werden.  

Umkehr und Buße

Es komme jetzt darauf an, zuerst alle Aufmerksamkeit den Opfern zu schenken. Es gehe der Kirche und ihren Bischöfen weiterhin um die Schaffung „kluger und nachhaltig wirkender Regelungen, die nicht bloß einer vorschnellen Beruhigung der Öffentlichkeit dienen, sondern die den Opfern nachhaltig helfen und Täter bestrafen“, stellte Bischof Overbeck klar. Neben der Hilfe und Solidarität mit den Opfern seien "Gewissenserforschung und Umkehr“ das zentrale Thema der vorösterlichen Fastenzeit, „damit unser Lebenszeugnis glaubwürdig und neues Vertrauen geschaffen wird: zur Kirche, zu Priestern und den vielen, die sich im Namen des Evangeliums einsetzen“, so Bischof Overbeck. In der selbstkritischen Auseinandersetzung mit dem Missbrauch in den eigenen Reihen werde deutlich, „dass in der Kirche, die immer auch sündig ist, vor allem Umkehr und Buße zu den Wirklichkeiten gehören, auf die wir setzen und bauen“.

Auszüge seiner Fastenpredigt hat der Bischof in einem Brief an alle Gläubigen in den Pfarreien und Gemeinden des Ruhrbistums übermittelt. (do)

Fastenpredigt von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck am 5. März 2010 

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