Menschen brauchen verschiedene Zugänge zu Gott

Kirche ist für immer mehr Menschen ein Ort, der von ihrer Lebenswirklichkeit weit entfernt ist. Vieles verstehen sie nicht mehr. Dass daher dringend Veränderungen in der Glaubenskommunikation notwendig sind, darin waren sich die rund 300 Delegierten beim 6. Bistumsforum des Dialogprozesse "Zukunft auf katholisch" in Lüdenscheid einig.


6. Bistumsforum des Dialogprozesses „Zukunft auf katholisch“ in Lüdenscheid

Der christliche Glaube schwindet in der Gesellschaft mehr und mehr und ist allenfalls nur noch für eine kleine – und damit gesellschaftlich belanglose Minderheit - von Bedeutung. Daher braucht die Weitergabe des Glaubens Veränderungen. Darüber waren sich Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck und die rund 300 Delegierten beim 6. Bistumsforum des Dialogprozesses „Zukunft auf katholisch“ im Bistum Essen einig. Immer mehr Menschen erlebten – so der Bischof - die Kirche als einen Ort, der von ihrer Lebenswirklichkeit weit entfernt sei. „Sie erleben Kirche mit einer Sprache und Ästhetik, mit Themen und Fragen, die sie weder nachvollziehen noch verstehen können“, machte er am Samstag, 1. Juni, in der Schützenhalle in Lüdenscheid deutlich, wo es um das Thema „Glaubensweitergabe in der Welt“ ging.

Es sei Aufgabe der Kirche, „in allen Menschen die Ahnung zu wecken, dass es Gott tatsächlich gibt“, betonte Overbeck. Das Erleben und Erlernen des Glaubens sowie seine Weitergabe seien nicht nur gefährdet, sondern fänden heute oft nicht mehr statt. Auf der anderen Seiten gebe es eine erschreckende religiöse Sprachlosigkeit. „Viele Katholiken können gar nicht ausdrücken, woran sie glauben und warum es sinnvoll und bereichernd ist, als Christin oder Christ in und mit der Kirche zu leben“, schreiben Bischof Overbeck und Generalvikar Klaus Pfeffer in ihrem Impulspapier.


Glaubenskommunikation braucht überzeugte Christen

„Angstfrei und offen“ über den Glauben und die Motive des Christseins zu sprechen, dazu ermutigen Bischof und Generalvikar. Beide wollen einen Haltungswechsel voranbringen. „Das Wachstum der Kirche und die Erfahrung und Weitergabe des Glaubens leben von überzeugten und überzeugenden Christinnen und Christen, nicht von institutionellen und strukturellen Sicherheiten“, so Overbeck. Die Kirche der Zukunft lebe nicht von hauptberuflichen „Glaubensexperten“, sondern von Menschen, „die aus ihrem Glauben heraus leben und miteinander Kirche gestalten“. Dazu seien eine umfassende Glaubensbildung und -erfahrung notwendig. 

Auf dem Bistumsforum ging es auch darum, einen „geistlichen Perspektivwechsel“ anzustoßen. „Es gilt, den Blick auf die Menschen zu richten, an die wir uns als Kirche wenden möchten“, so Generalvikar Pfeffer. Die Menschen hätten ganz unterschiedliche Lebenserfahrungen und bräuchten deshalb auch ganz unterschiedliche Zugänge zu Gott. Es gehe nicht darum, ihnen den Glauben als „fest geschnürtes Paket“ zu überbringen, sondern mit ihnen in eine offene Glaubenskommunikation zu treten. „Es ist nicht unsere Aufgabe, Gott zu den Menschen zu bringen. Er ist längst bei ihnen und will von uns in der Begegnung mit ihnen entdeckt werden“, so Pfeffer.


Neue religiöse Sensibilität und Sprachfähigkeit

Die kirchliche Sprache zu hinterfragen, sie auf die Lebenserfahrungen und –situationen der Menschen hin auszurichten sowie nach Wegen zu suchen, die eine „neue religiöse Sensibilität und Sprachfähigkeit“ bewirken, stieß beim Bistumsforum auf einhellige Zustimmung. Handlungsbedarf wird auch bei der Glaubenseinführung von Erwachsenen und der Katechese (Glaubensvermittlung) von Kindern und Jugendlichen gesehen. Bischof und Generalvikar warben auch für einen intensiven Dialog, für Unterstützung und Wertschätzung von Schulen, Universitäten, Kindertagesstätten oder  Familienzentren als wichtige Ort der Glaubenskommunikation. Auch zu einer offensiven Nutzung des Internets und der sozialen Netzwerke ermunterte Bischof Overbeck: „Die modernen Medien sind ein sehr wichtiger Ort, um den Glauben in die gesellschaftliche Kommunikation einzubringen.“

Mit einem Fest auf dem Burgplatz in Essen wird am 13. Juli der Abschluss der Bistumsforen gefeiert. „Doch der Dialogprozess im Ruhrbistum ist damit nicht beendet“, stellte Bischof Overbeck schon zu Beginn des Bistumsforums klar. Am Ende und als Ergebnis dieser ersten Etappe werde ein „Zukunftsbild“ vorgestellt, „das uns aufzeigen will, wohin wir uns als Kirche im Bistum Essen in den nächsten Jahren orientieren werden und welche Perspektiven bedeutsam sind.“ (do)

Die Schützenhalle in Lüdenscheid im interaktiven Vorher-Nachher-Vergleich

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