Mariä Himmelfahrt: Eine Zustimmung zum Leben

Das Fest Mariä Himmelfahrt hat nach Ansicht von Weihbischof Franz Vorrath bei vielen Christen an Bedeutung verloren. Die Botschaft dieses Festes sei, dass Gott den Menschen aufnimmt mit seiner ganz persönlichen Lebensgeschichte, mit Gelungenem und Gescheiterten, mit Hoffnungen und Sehnsüchten.


Gebeine des heiligen Altfrid wurden aus der Krypta erhoben

Nicht wenige Christen können nach Ansicht von Weihbischof Franz-Vorrath mit dem Fest Mariä Himmelfahrt, das die Katholische am 15. August feiert und in den meisten Bundesländern aus der Liste der öffentlichen Feiertage gestrichen worden ist, nur noch wenig anfangen. „Der Glanz dieses Festes ist verblasst“, sagte der Weihbischof im Festgottesdienst im Essener Dom.

Erst spät, nämlich 1950, sei die Aufnahme Marias, der Mutter Jesu, in den Himmel, durch Papst Pius XII. durch ein Dogma bekundet worden. Der Psychologe, Symbolforscher und Protestant Carl Gustav Jung habe damals das Fest eine „geniale Antwort der Kirche“ auf die Menschenverachtung und Entwertung menschlichen Lebens im Zweiten Weltkrieg genannt. „Das Fest war die Antwort auf den Zynismus, mit dem menschliches Leben fabrikmäßig vernichtet oder in angeblich wissenschaftlichen Experimenten gequält wurde“, so Vorrath. Jung habe in dem Dogma außerdem eine Antwort auf den „Ekel am Dasein“, auf das Gefühl, „als Mensch sinnlos in die Welt geworfen zu sein“, gesehen. „Für Jung waren dieses Marienfest und Dogma eine große Zustimmung zum Leben auf dieser Erde, zum Leib, der eine Himmelfahrt vor sich hat und nicht für den Müll der Geschichte bestimmt ist“, betonte der Weihbischof.


Wir haben ein anderes Bild vom Menschen hochzuhalten

Das Fest Mariä Himmelfahrt erzähle „von der Liebe Gottes zu allem, was unsere Menschliche Natur ausmacht, also auch zu dem, was uns bedürftig,  hinfällig und begrenzt mache“, so Vorrath. Bei der Verkündigung des Dogmas im Jahre 1950  habe man unter dem Eindruck des Dritten Reiches und seiner Folgen gestanden. Der Bezug zu heute sei aber nicht weniger aktuell. Menschen seien zum „Freiwild“ geworden wie  in vielen Staaten Afrikas oder wie die Straßenkinder in den Großstädten Südamerikas. Die Werbung degradiere den Körper zum Objekt. „Heute werden Menschen oft nur noch als ‚Arbeits-Kräfte‘ gesehen und Belegschaften abgebaut, als ob Menschen abbaubar wären wie eine Kohlenhalde“, sagte der Weihbischof. Das Leben im Mutterleib oder in der Gebrechlichkeit des Alters gelte oft nichts mehr. „Das Fest Mariä Himmelfahrt sagt jedoch: wir haben ein anderes Bild vom Menschen hochzuhalten und dafür einzustehen. Wir Christen haben einzustehen für die Botschaft von einem Gott, der den Menschen mit Leib und Seele adelt und zur Vollendung führen will und führen wird“, so Vorrath.


Verehrung des heiligen Altfrid

Am Ende des Gottesdienstes wurde – wie es inzwischen Tradition ist - der Schrein mit den Gebeinen des heiligen Altfrid, dessen Fest am 16. August gefeiert wird, aus der Krypta erhoben und auf den Stufen des Altares im Dom zur Verehrung aufgestellt. Altfrid, Bischof von Hildesheim und Gründer des Stiftes Essen, wurde um 800 geboren. Er entstammte einem angesehenen sächsischen Adelsgeschlecht und erhielt eine gute Erziehung, vermutlich in den Klöstern von Fulda oder Corvey. 851 wurde er zum vierten Bischof von Hildesheim ernannt. Um 852 gründete er auf seinem Hofgut Astnide das Stift Essen. (do)


Predigt von Weihbischof Franz Vorrath

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