von Thomas Rünker

Maigang durch die Wälder des märkischen Sauerlandes

Rund 160 Gläubige kamen zum traditionellen Frühlings-Spaziergang mit Bischof Overbeck. Erstmals war der Maigang im Sauerland zu Gast: Rund um den Hof von Familie Gelzhäuser stand das Thema Wald im Mittelpunkt.

Waldwanderung und Maiandacht in der Scheune

Bei bestem Sommerwetter machten sich am Sonntagnachmittag rund 160 Katholiken aus allen Regionen des Bistums Essen in der Nähe von Kierspe auf zum traditionellen Maigang mit Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck. Der sechste Maigang des Rats für Land- und Forstwirtschaft im Bistum Essen war damit zugleich der erste im Sauerland: Vom Bauernhof der Familie Gelzhäuser in Belkenscheid aus ging es zu Fuß rund drei Kilometer durch Feld und Flur, bevor der Bischof mit den Gläubigen zurück auf dem Bauernhof in einer urigen Scheune eine Maiandacht betete.

Nachhaltigkeit – nicht nur im Wald

Thematisch stand in diesem Jahr der Wald im Fokus, denn Gelzhäusers sind weder Ackerbauern noch Viehzüchter, sondern Waldbesitzer. Im Märkischen Sauerland ist das nichts Ungewöhnliches: Mit 52 Prozent Waldfläche sei der Landkreis einer der waldreichsten in Deutschland, berichtete Jörn Hevendehl, stellvertretender Leiter des Regionalforstamtes Märkisches Sauerland. Jede 15. Familie im Märkischen Kreis besitze Wald. Zusammen mit dem selbstständigen Forstsachverständigen Rüdiger Müller führte er die Gruppe durch Fichten-, Buchen- und Birkenschonungen – immer wieder unterbrochen durch Ausblicke in weite Täler, über frische grüne Wiesen und durch die Informationen der beiden Forst-Fachleute. So erläuterte Hevendehl unterwegs den heute so aktuellen Begriff der Nachhaltigkeit: Der Ausdruck sei vor rund 250 Jahren in der Forstwirtschaft entstanden – unter anderem als Reaktion auf eine Übernutzung des Waldes durch die aufkommende Industrialisierung. „Nachhaltigkeit bedeutet, dem Wald nur so viel Holz zu entnehmen, wie nachwächst“, erklärte Hevendehl, der diesen Gedanken auch in anderen Wirtschaftsbereichen seiner Region entdeckt. So sei der Märkische Kreis auch deshalb bundesweit mit am besten durch die Wirtschaftskrise gekommen, „weil es bei uns keine großen Konzerne, sondern 17.000 kleine und mittelständische Unternehmen gibt, die meisten davon in Familienbesitz. Denen geht es nicht ums schnelle Geld, sondern darum, ihr Unternehmen möglichst an die nächste Generation weiterzugeben“, so Hevendehl. Eben ähnlich wie den Waldbesitzern: „Was wir heute säen und pflanzen ernten unsere Kinder und Kindeskinder.“

Konflikte im Wald

Mit den Konflikten, die die verschiedenen Nutzungen des Waldes mit sich bringen, müssen die Wald-Nutzer indes schon heute klarkommen: Die Förster müssen den Bürgern erklären, weshalb Bäume gefällt werden, Wanderer und Fahrradfahrer stören das Wild mit seinen Jungtieren und das Wild wiederum knabbert die jungen Bäume des Waldbesitzers an – um nur einige Konfliktlinien zu nennen, die in der Arbeit von Förstern und Waldbesitzern Alltag sind. Hevendehl wirbt hier für ein Miteinander der Waldnutzer, für Information und Aufklärung – und für Kompromisse.

Barmherzigkeit macht kompromissbereit

Damit ist er – unbewusst – genau auf der Linie von Bischof Overbeck. Der stellte während der anschließenden Maiandacht die Barmherzigkeit in den Fokus. Damit sei keine „womöglich nach unten geneigte Haltung des Helfens“ gemeint, betonte Overbeck mit Blick auf das Heilige Jahr der Barmherzigkeit – sondern eine „Haltung des großen Herzens“. In Konflikten bedeute dies, „die Haltung einzunehmen, dass auch die andere Seite recht haben kann“. Zur Barmherzigkeit gehöre indes „die Gerechtigkeit – gewissermaßen als ihre Schwester“. Barmherzigkeit und Gerechtigkeit bildeten einen Spannungsbogen, so Overbeck. Sie seien „das Geländer, um in Konflikten den Mittelweg des Kompromisses zu finden“.

Bei Kaffee, Kuchen und Würstchen vom Grill ließen die Maigang-Teilnehmer den Nachmittag ausklingen. Und mit Blick auf die sommerliche Umgebung der Berge und Täler des Sauerlands, versprach die Vorsitzende des Rates für Land- und Forstwirtschaft, die Duisburgerin Marlies Schmitz, dass dies „sicher nicht der letzte Maigang im sauerländischen Teil unseres Bistums“ gewesen sei.

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