„Lebendige Kirche bemisst sich nicht an Zahlen“

Die Kirche ist nach Ansicht von Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck auf dem Weg von einer „Volkskirche zu einer Kirche im Volk mit volkskirchlichen Elementen“. Für das Ruhrbistum bedeute dies, „Abschied zu nehmen sowie Neues und oftmals auch Gewagtes auf den Weg zu bringen“, sagte er beim Tag der Priester und Diakone im Bistum Essen.


Ruhrbischof Overbeck beim Tag der Priester und Diakone

Die Kirche ist nach Ansicht von Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck auf dem Weg von einer „Volkskirche zu einer Kirche im Volk mit volkskirchlichen Elementen“. Für das Ruhrbistum bedeute dies, „Abschied zu nehmen sowie Neues und oftmals auch Gewagtes auf den Weg zu bringen“, sagte er beim Tag der Priester und Diakone im Bistum Essen.

In der Volkskirche sei  die Weitergabe von Glaubensinhalten von Gewohnheiten, Traditionen, Riten und Lebensstrukturen früherer Zeiten getragen worden. „Infolge der Aufklärung, der damit einhergehenden Wandlungsprozesse und des Bewusstseins der Menschen sind die Freiheit und die Verantwortung für die eigene Lebensgestaltung in einem ungewohnten Maße relevant geworden“, betonte Overbeck. Dies betreffe vor allem die Gottesfrage und die Bereitschaft, „von Gott her sein Leben zu verstehen“. Vor diesem Hintergrund funktioniere die Glaubensweitergabe in der gewohnten Weise nicht mehr.

Der Bischof warb vor den rund 350 Priestern und Diakonen des Ruhrbistums dafür, den Glauben als Vertrauen auf Gott für die Menschen in den Alltag zu übersetzen.  Overbeck: „Glauben zu leben bedeutet, diesen in seiner Vielschichtigkeit für Herz, Sinn und Verstand glaub-würdig umzusetzen.“

Nachdenklich stimmt den Bischof, dass die Selbstverständlichkeit des sonntäglichen Messbesuches und die Kultur der Anbetung der Eucharistie geschwunden seien. „Mich beunruhigt das sehr“, so der Bischof. Ziel müsse es sein, die Eucharistie wieder in die Mitte unserer Kirche zu rücken. „Als Kirche im Volk haben wir angesichts unserer nachpostmodernen Welt die Aufgabe, eine Kultur des Sonntags zu pflegen, in deren Mitte die Eucharistie und die geteilte Lebensgemeinschaft der Gläubigen stehen“, so Overbeck.

Ausdrücklich dankte der Bischof den Priestern und Diakonen für ihren oftmals schweren und schwierigen Dienst. Nicht wenige würden darum ringen, in einem übervollen Alltag den zahllosen Erwartungen gerecht zu werden. Um so wichtiger sei es, „dass wir gemeinsam nach einer geistlichen und persönlich-menschlichen Lebenskultur suchen, die uns hilft, erfüllt und zufrieden als Diakon, Priester und auch als Bischof zu leben“.

Bei seinen Pfarreienbesuchen habe er festgestellt, dass die Armut „viele neue Gesichter“ bekommen habe. Als Christen Leben zu teilen bedeute, besonders nach den Armen zu fragen und solidarisch zu sein. Overbeck: „Hier gilt es, sich ohne Scheu den vielen Verlierern unserer Gesellschaft zuzuwenden, von den Ein-Eltern-Familien über die Geschiedenen, die Arbeitslosen bis hin zu den Straßenkindern.“ Vor diesem Hintergrund müssten neue Formen der pfarrlichen Caritas entwickelt werden. „Den Glauben zu leben, Kirche zu sein und das Leben zu teilen“, so der Bischof weiter, „garantiert eine lebendige Kirche, die sich nicht zuerst nach Zahlen, sondern nach ihren Inhalten misst und dabei Zeugnis von einer Kirchenkultur im Wandel gibt.“(ul/do)


Ansprache von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

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