"Laudato si" findet Zustimmung in der Ökumene

Vertreter mehrerer christlicher Kirchen haben die Umwelt-Enzyklika von Papst Franziskus begrüßt. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland will im Dialog mit anderen Religionen und der Politik den Umweltschutz fördern.

Die Umwelt-Enzyklika von Papst Franziskus mit dem Titel "Laudato si" ist in der Ökumene auf große Zustimmung gestoßen. Der Name - zu Deutsch "Sei gepriesen" - ist dem Sonnengesang des Franz von Assisi (1181/82-1226) entnommen. In dem Papier spricht sich der Papst unter anderem dafür aus, Umweltschutz und den Kampf gegen Armut zusammenzudenken.

Der Text habe auch für orthodoxe Christen große Bedeutung, betonte der Metropolit von Pergamon, Ioannis Zizioulas. Im Namen der Weltorthodoxie bekundete er Franziskus bei der Präsentation der Enzyklika am 18. Juni im Vatikan seine "tiefe Dankbarkeit" dafür, dass der Papst seine hohe moralische Autorität der Bewahrung der Schöpfung gewidmet habe. Zizioulas war als Abgesandter des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. der Einladung Franziskus' gefolgt und saß während der Vorstellung des Lehrschreibens mit auf dem Podium. Dies bezeichnete er als eine besondere Ehre. Der Titular-Metropolit hob hervor, dass Franziskus im ersten Kapitel auch den Patriarchen zitiert. Aus einer Ansprache von Bartholomaios übernahm der Papst das Zitat, "ein Verbrechen gegen die Natur zu begehen, ist eine Sünde gegen uns und eine Sünde gegen Gott". Bartholomaios' Amtsvorgänger Dimitrios habe 1989 als erstes Oberhaupt einer Kirche ein Lehrschreiben zum Umweltschutz verfasst. Für die Orthodoxen sei es ein Grund zu großer Freude, dass nun auch die katholische Kirche die Bewahrung der Schöpfung als zentralen Aspekt ihrer Lehre benannt habe.

Bartholomaios I. selbst sagte der "Zeit", der Kampf gegen den Klimawandel könne von keiner Institution oder Nation allein geführt werden. "Das Problem erfordert die Aufmerksamkeit und das Handeln der gesamten Menschheit - vor allem in den wohlhabenden Regionen unseres Planeten", betonte das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie. "Im Gespräch mit unserem lieben Bruder Papst Franziskus haben wir uns darüber verständigt, wie wichtig es ist, dass die Kirchen des Ostens und des Westens zusammenarbeiten", so Bartholomaios I. "Nur so können wir unsere Gläubigen wachrütteln und einen Wandel - oder wie die Enzyklika sagt: eine Umkehr - des Denkens bewirken." Zugleich mahnte der Patriarch: "Unser Stolz und unser Isolationismus haben uns von Gott und der Natur entfremdet. Nur Demut und Eintracht können unseren verwundeten Planeten heilen."

Der Generalsekretär des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK), Olav Fykse Tveit, erklärte, die Christen müssten sich auf ihre gemeinsame Verantwortung besinnen "und auf die Art und Weise, wie wir als Kirchen diejenigen unterstützen sollten, die bereit sind, die nötigen Veränderungen herbeizuführen". Die Enzyklika beweise allen, "dass dies Themen sind, die in unserem christlichen Glauben im Mittelpunkt stehen, und dass wir Christen sie als Fragen der Gerechtigkeit und des Friedens als Kirchen gemeinsam mit allen Menschen, denen unsere gemeinsame Zukunft ein Anliegen ist, angehen sollten", so Tveit.

Der Lutherische Weltbund (LWB) wertete die Enzyklika als Ermutigung für alle, die um Klimagerechtigkeit ringen. Sie ermutige jeden Menschen, "mitzuwirken an dem dringlichen Schutz unseres gemeinsamen Hauses", so LWB-Generalsekretär Martin Junge. Der LWB wolle auch weiterhin mit Entschlossenheit den Klimawandel thematisieren und seine Bewältigung in Angriff nehmen. "Wir freuen uns auf eine verstärkte ökumenische Zusammenarbeit bei diesem lebenswichtigen Thema, das uns alle angeht", meinte Junge. "Wir müssen die Enzyklika aufmerksam lesen, um die Gemeinsamkeiten hinsichtlich unserer derzeitigen Arbeit zu Fragen des Klimawandels herauszuarbeiten."

In Deutschland begrüßte die EKD die Umwelt-Enzyklika als "Klimaschutz-Offensive". Es sei "ein Text zum richtigen Zeitpunkt", sagte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm. Die Kirchen weltweit eine der Kampf gegen die Zerstörung der Natur. "Jenseits der unterschied-lichen theologischen Traditionen verbindet uns die gemeinsame Leidenschaft für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen und für eine gerechte Ordnung der weltweiten Wirtschaftsbezie­hungen", betonte der Ratsvorsitzende. Er wünsche dem Text "eine breite internationale Aufmerksamkeit". Der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Karl-Hinrich Manzke, würdigte die Enzyklika als Impuls für einen "neuen Dialog" über die künftige Gestaltung des Planeten.

Auch die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) teilt die Anliegen der Enzyklika. Sie unterstütze den darin enthaltenen Aufruf zu einer "ökologischen Umkehr", erklärte die ACK in Frankfurt. Das päpstliche Lehrschreiben gebe wesentliche Impulse für eine ganzheitli­che Ökologie und einen schonenden Umgang mit der Umwelt. "Papst Franziskus zeigt eindrücklich Wege und Möglichkeiten auf, wie wir angesichts der ökologischen Katastrophen jetzt gemeinsam als menschliche Gemeinschaft handeln müssen, um unserer Verantwortung für die Schöpfung ge­recht zu werden", sagte der ACK-Vorsitzende und Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann.

Die anglikanische Kirche von England begrüßte die Enzyklika ebenfalls. Der Papst habe damit "einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels, eine der großen moralischen Herausforderungen unserer Zeit" geleistet, betonte der für Umweltfragen zuständige Bischof von Salisbury, Nicholas Holtam. Der Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft sei dringend notwendig. Die Kirchen müssten dazu beitragen, Menschen zu mobilisieren und Verhaltensweisen zu verändern. Der anglikanische Bischof von Kapstadt, Thabo Makgoba, äußerte die Hoffnung, dass die Enzyklika dem Ende des Jahres anstehenden Weltklimagipfel in Paris einen neuen Schub geben werde. "Als kirchliche Klimaschützer wollen wir die Unterhändler davon überzeugen, dass es dabei nicht nur um wirtschaftliche und politische Probleme geht", sagte Makgoba dem Internetportal klimaretter.info. Der Klimawandel habe vor allem "eine enorme soziale und moralische Dimension", und diesen Gedanken greife Franziskus in seinem Lehrschreiben auf, so der Botschafter der Initiative "Act Now for Climate Justice". In dem globalen Netzwerk sind 140 Kirchen und Hilfsorganisationen organisiert, die sich für mehr Klimagerechtigkeit einsetzen. Die Enzyklika bezeichnete Makgoba als "eine kleine Revolution für die weltweite christliche Glau­bensgemeinschaft". Allerdings engagierten sich viele Pfarrer und Bischöfe schon seit Jahren für mehr Klima- und Umweltschutz. "Der Papst gibt uns aber ein wichtiges kirchliches Rahmenwerk im Kampf für mehr Klimagerechtigkeit." In seiner Heimat Südafrika erfahre der Umweltschutz eine wachsende Aufmerksamkeit, sagte der Bischof.

Die in Münster lehrende Professorin für Christliche Sozialwissenschaften Marianne Heimbach-Steins hob in einer Würdigung der Enzyklika hervor, der Papst zitiere viele Dokumente aus den Ortskirchen aller Kontinente. Dass er auch das Oberhaupt der orthodoxen Christenheit ausführlich zu Wort kommen lasse, sei "ein Novum in der kirchlichen Sozialverkündigung". Neu sei auch, dass Theologen und Philosophen, aber auch Texte des "Erdgipfels" von Rio (1992) direkt zitiert würden. "Dies alles signalisiert: Das Anliegen ist nur in Zusammenarbeit zwischen verschiedensten Akteuren und Handlungsebenen weltweit umzusetzen", so Heimbach- Steins. Außerdem setze der Papst bemerkenswert deutlich auf Wissenschaft und Forschung sowie den Dialog zwischen Wissenschaften, religiösen und gesellschaftlichen Akteuren. "Die Sprache, in der der Papst seine Überlegungen anbietet, ist persönlich, engagiert und auf Dialog ausgerichtet", so die Theologin. "Deutliche Kritik an offenkundigen Missständen und profilierte Orientierungen aus dem Reservoir der biblischen und christlichen Tradition verbindet Franziskus mit der Suche nach Lösungen und mit Vorschlägen zum Gespräch - mit dem ausdrücklichen Ausweis der Grenzen kirchlich-lehramtlicher Zuständigkeit und Kompetenz." (KNA)

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