„Lasst uns anfangen!“

Mit einem Ponifikalamt im Essener Dom und einem Empfang in der Philharmonie verabschiedete das Bistum Essen Bischof Dr. Felix Genn, der am 29. März 2009 als Bischof von Münster in sein Amt eingeführt wird.

Das Bistum Essen verabschiedete Bischof Genn

Auch wenn es seit nun rund drei Monaten amtlich ist, jetzt war der Tag des Abschieds gekommen. Mit einem Pontifikalamt im Essener Dom und einem Empfang in der Philharmonie verabschiedete das Bistum Essen Bischof Dr. Felix Genn. Und so verwunderte es nicht, dass im Dom kein Platz frei blieb, als Bischof Genn mit den Essener Bischöfen und Prälat Dr. Hans-Werner Thönnes, dem Ständigen Vertreter des Diözesanbischofs, Eucharistie feierte. Zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Kirchen und Gesellschaft nahmen an dem Festgottesdienst teil, darunter auch die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Dr. Christa Thoben, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Ruhr.2010 GmbH, Dr. Fritz Pleitgen, und der Diözesanadministrator des Bistums Münster, Weihbischof Franz-Josef Overbeck. 

   

Erstaunt war sicherlich  so mancher Zuhörer, als Bischof Genn in der Stunde des Abschieds seine Predigt mit einem Satz des heiligen Franz von Assisi einleitete: „Lasst uns anfangen!“ Ob ein Bischof komme oder gehe, das Entscheidende sei, „als Kirche in der jeweiligen zeitgeschichtlichen Stunde anzufangen, das Evangelium aus der Verbundenheit mit Christus zu leben“, so Bischof Genn. Für ihn selber und auch für alle Gläubigen im Bistum Essen gelte diese Aufforderung „Lasst uns anfangen!“

Es kommt auf Gott an

Die Kirche werde immer wieder aufgefordert, sich in die Gesellschaft einzubringen, „weil unser Zusammenleben als Staat und Zivilgesellschaft nur Bestand hat, wenn es werte, wenn es Ethik gibt“, betonte Genn. Von der Kirche werde erwartet, dass sie sich nicht aus der Öffentlichkeit zurückzieht. Kirche wolle mit Ihrer Botschaft „hineinsprechen in die Fragen, die die Menschen unserer Zeit umtreiben“, so der Bischof. Dabei komme es auf Gott an und nicht auf Geld, Konsum, Egoismus oder Gewalt. Christen seien zutiefst davon überzeugt, dass „nur von Gott her die Würde des Menschen gesichert“ sei. Bei der Neustrukturierung des Bistums Essen mit allen schmerzlichen Einschnitten sei es nicht nur um wirtschaftliche Gesundung gegangen. „Es ging und geht vielmehr darum, die Christen in unseren Gemeinden zu sammeln und zu befähigen, die Liebe Gottes als das Grundlegende für das gesellschaftliche Zusammenleben zu bekennen und ihr im eigenen Leben Raum zu geben“, sagte Genn. Jetzt gelte es „anzufangen“, damit die Fragen der heutigen Menschen „in Gott ihre Antwort finden“. Es gehe darum, Menschen von Gott zu überzeugen.

Zum Schluss des festlichen Gottesdienstes, an dem Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft, sowie Priester und Laien aus dem Ruhrbistum teilnahmen, betete Bischof Genn noch einmal vor der „Goldenen Madonna“, der „Mutter vom guten Rat“ und Patronin des Bistums. Und es war ein leichtes, emotionales Schwingen in der Stimme des Bischofs zu vernehmen, als er den Segen spendete.

Als einen „durch und durch geistlichen Menschen“ würdigte Dompropst Otmar Vieth den scheidenden Bischof beim anschließenden Empfang in der Philharmonie. Bischof Genn habe in seinen Predigten die Menschen ermutigt, „Freude am Glauben zu haben“. Genn sei aber auch ein Bischof gewesen, der sich nicht gescheut habe, „grundsätzliche Entscheidungen zu fällen, um die Zukunft unseres Bistums sicherzustellen“, betonte Vieth. Dabei habe Genn auch Beschimpfungen und Beleidigungen hinnehmen müssen. Der Bischof verlasse jetzt eine „Baustelle“. Jetzt könne der Rohbau ausgebaut „und das Haus mit Leben erfüllt werden“, so der Dompropst. Er sei sich sicher, „dass „diese Baustellen zu bestellten Äckern werden und Früchte bringen.“

Vieth dankte dem zukünftigen Bischof von Münster für dessen Wirken im Ruhrbistum, wünschte ihm Gottes Segen für die neue Aufgabe und überreichte ihm als Abschiedsgeschenk ein von der Berliner Künstlerin Marie Luise Dähne gestaltetes Brustkreuz. Es erinnert an den Gründer des Stiftes und der Stadt Essen, den heiligen Altfrid.

Das Unausweichliche umgesetzt

Dass er den Weggang von Bischof Genn sehr bedauere, unterstrich der Essener Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Reiniger in seinem Grußwort. Das Ruhrbistum sei eine „wichtige Klammer des Ruhrgebietes. Und das muss so bleiben“, betonte Reiniger. Er dankte dem Bischof für dessen Zugehen auf die Menschen und für das Mittragen der Sorgen. Respekt zollte er Genn für dessen weitreichende Strukturveränderungen im Ruhrbistum. „Sie haben das Unausweichliche umgesetzt“, so Reiniger.

Dass Genn die Beziehungen zur Industrie und zu den Unternehmen weiter ausgebaut habe, dafür dankte für die Wirtschaft Dr. Wilhelm Bonse-Geuking, Vorsitzender des Vorstandes der RAG Stiftung. „Sie haben den hier arbeitenden Menschen seelsorgerische und soziale Unterstützung gegeben“, betonte Bonse-Geuking. Bischof Genn habe die Beziehung zur Wirtschaft gestaltet und bereichert, habe immer auch „immaterielle Werte im Blick gehabt“.

Als einen Menschen mit einem „großen und weiten ökumenischen Herzen“ bezeichnete der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, den dritten Bischof des Bistums Essen. In Genn habe er einen „ausgesprochen liebevollen, zugewandten und vertrauensvollen Menschen“ kennengelernt.

Für den Diözesanrat der katholischen Frauen und Männer im Bistum Essen dankte Marlies Schröder dem Bischof für die gemeinsamen Jahre. Pfarrer Dr. Michael Dörnemann überbrachte den Dank der Priester und Diakone des Bistums. Der Bischof habe „wie ein Arzt heilende Maßnahmen“ ergriffen. Der Sanierungsprozess des Bistums sei äußerlich abgeschlossen, „erste heilende Wirkungen“ seien erkennbar. „Doch wir Priester und Diakone bedauern, dass Sie unseren weiteren Weg nicht begleiten können“, betonte Dörnemann.

„Ich danke Ihnen allen von ganzem Herzen“, sagte Bischof Genn in seinem Schlusswort. Und die Adressatenliste für diesen Dank wurde lang. Er dankte Dr. Berthold Beitz, dem Vorsitzender des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, den Vertretern aus Politik, Wirtschaft und anderen Religionsgemeinschaften, den Essener Bischöfen, seinem früheren Generalvikar Dr. Hans-Werner Thönnes, den Priestern, Diakonen und Ordensleuten, den Seelsorgerinnen und Seelsorgern, den Pfarrgemeinderäten und Kirchenvorständen, Verbänden und Einrichtungen, sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Generalvikariat und im Bischofshaus. „Danke für das, was Sie in den vergangenen sechs Jahren mitgetragen haben. Ich hoffe, dass es Früchte tragen wird“, so Bischof Genn. Mit Blick auf das neue Brustkreuz versicherte er: „Ich werde es am Herzen tragen.“ (do)

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