Kunstgläser kehrten in den Essener Dom zurück

Von ihrer schönsten Seite zeigen sich jetzt die farbigen Fenster im Westbau des Essener Doms. In den vergangenen Wochen wurden sie aufwendig restauriert und haben zusätzlich eine äußere Schutzverglasung erhalten. Möglich wurde dies durch Fördergelder der Kulturstiftung Essen.



Fenster des Westbaus wurden restauriert und erhielten eine Schutzverglasung

Blass und durchscheinend war er in den letzten Wochen. Seine Gestalt konnte man in den Bleilineaturen der neuen Schutzverglasung nur erahnen. Doch jetzt präsentiert sich der Erzengel Michael in einem Fenster am Eingang des Essener Doms wieder in seiner ganzen Farbenpracht, in Ritterrüstung und mit siegreicher Pose. Denn am Mittwoch, 18. Dezember, kehrten die restaurierten Kunstgläser der Fenster im Westbau des Essener Domes an ihren ursprünglichen Platz zurück. Rechtzeitig vor Weihnachten zeigen sich die wertvollen, im Jahre 1953 durch Heinrich Campendonk künstlerisch gestalteten Fenster von ihrer schönsten Seite.

Man kann sie vom Atrium des Domensembles aus teilweise in Augenhöhe erreichen. „Damit sind die Fenster erheblich dem Zugriff oder gar möglichem Vandalismus ausgesetzt“, so Dombaumeister Ralf Meyers. Deshalb galt es, eine Zerstörung oder Beschädigung der wertvollen Fenster  zu verhindern. Außerdem sei – so Meyers - langfristig eine Schädigung der Malschicht auf der Innenseite der künstlerischen Verglasung durch Kondensation von Luftfeuchtigkeit zu erwarten gewesen. Deshalb habe man sich für die Anbringung einer zusätzlichen Schutzverglasung und eine gleichzeitige Restaurierung der Fenster entschieden.

Vor zwei Monaten wurden die künstlerischen Glasbilder ausgebaut und in der Werkstatt der Firma Hein Derix in Kevelaer restauriert. Die äußere Schutzverglasung wurde nach der vorgegebenen Bleilineatur der Originalfenster in Abstimmung mit dem Dombaumeister hergestellt und vor einigen Wochen in die Fensteröffnungen des Westbaus eingearbeitet.

Schon während der letzten großen Domsanierung in den Jahren 1997 und 1998 wurden die von Heinrich Buschulte und Ludwig Gies künstlerisch gestalteten Glasfenster im Langhaus der Münsterkirche bereits mit einer Schutzverglasung versehen, welche die Bleiteilung der Fenster in die äußere Schutzverglasung zu etwa 30-50 % übernimmt. „Dieses Verfahren - mit einer inneren Hinterlüftung zur Vermeidung von Kondensation auf den Originalfenstern – konnte im Falle der Westbaufenster, jedoch mit einer weitergehenden Übernahme der Bleistege nach außen, übernommen werden“, erklärt der Dombaumeister. Dies sei möglich gewesen, da die Durchsicht durch die Fenster wegen ihres dunkleren Erscheinungsbildes von innen (dunklere Gläser und dunklerer Hintergrund außen) die Wirkung von „Doppelbildern“ der Bleiteilung vermindere.

Der Erschaffer der Glasfenster, Heinrich Campendonk, war unter anderem Schüler von Jan Thorn Prikker und seit 1911 bis zu deren Auflösung Mitglied der Avantgardebewegung „Blauer Reiter“. Seit 1926 beschäftigte sich der Künstler mit der Gestaltung von Glasfenstern. Im Verlaufe seiner Tätigkeit tritt an die Stelle eines klassisch strengen Motivs ein sehr persönlicher Ausdruck. Eine inhaltliche und formale Verdichtung führt letztendlich zur Farbexplosion und vielfachen Verschnörkelung, wie sie Campendonk im Michaelsfenster, einem späten Auftragswerk, im Essener Dom verwirklicht hat. Eine strukturierte Ordnung im Bildaufbau wird überlagert von einem vielfältigen Liniennetz. Zusammen mit der für seine Fenster typischen Licht-Farb-Fülle stehen die Darstellungen im Einklang mit einer Verklärung der Religion, die Campendonk mit der ihm eigenen Bedeutungs- und Formenwelt verbindet. Beschrieben werden die Fenster des Essener Doms im Kurzführer „Glaskunst auf der Essener Dominsel“ von Rainer Teuber, Mitarbeiter der Domschatzkammer.

Dass diese aufwendige Restaurierung verwirklicht werden konnte, ist der Kulturstiftung Essen zu verdanken. Sie hat die Kosten in Höhe von 16.000 Euro in vollem Umfang übernommen. „Der Dom ist etwas ganz Besonders und ein Vorzeigeobjekt“, betont der Geschäftsführer der Kulturstiftung, Heinz-Jürgen Hacks. Deshalb gehöre das ganze Domensemble regelmäßig zu den Empfängern von Fördermitteln. Angetan von den restaurierten Fenstern ist auch der Vorsitzende des Münsterbauvereins, Dr. Hans Jürgen Brick: „Das sieht jetzt sehr beeindruckend aus. Die Farben treten wieder frisch hervor und setzen im Dom einen besonderen Akzent.“ (do)

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