„Kunst und Religion öffnen den Blick für neue Einsichten“

55 Jahre nach seiner Gründung löst sich der Kunstverein des Bistums Essen mit einer letzten „Finissage“ selbst auf.

55 Jahre nach seiner Gründung löst sich der Kunstverein des Bistums Essen mit einer letzten „Finissage“ selbst auf.

Zu einer letzten Zusammenkunft trafen sich die Mitglieder des Kunstvereins im Bistum Essen am Freitag, 27. November 2015, um bei einer „Finissage“ genannten Kunstaktion im Essener Franz-Sales-Haus den seit 55 Jahren bestehenden Verein aufzulösen, der zuletzt keine neuen Mitglieder mehr gewinnen konnte. Im Beisein von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck, der mit den Anwesenden zunächst einen Gottesdienst gefeiert hatte, zeigte die Münchner Performance-Künstlerin Dorothea Seror ihre Kunstaktion „Aqvanitas“. Außerdem stellte der Fotograf Bernd Kirtz seinen Fotozyklus „Verwandlungen“ aus, den er dem Bistum Essen gestiftet hat.

„Kunst ist da, um Erfahrungen zu machen, sie ist da, um neue Wahrnehmungsweisen zu eröffnen, das heißt, sie kann Erkenntnisgewinne bescheren“, beschrieb Pater Dr. Philipp Reichling, Vorsitzender des Kunstvereins, dessen wichtigsten Auftrag. Der Kunstverein im Bistum Essen war am 13. Dezember 1960 als „Verein für christliche Kunst“ gegründet worden mit dem Ziel, alltagschristliche Kunst zu erforschen und zeitgenössisches kirchliches Kunstschaffen zu fördern. Denn bis 1985 entstanden im Bistum Essen 120 Kirchenneubauten, die künstlerisch ausgestaltet werden mussten. In seiner Spitzenzeit hatte der Kunstverein 350 Mitglieder.

Weil seit mittlerweile 30 Jahren im Bistum Essen keine neuen Kirchen mehr gebaut werden, wurde der „Verein für christliche Kunst“ umbenannt in „Kunstverein im Bistum Essen“ und läutete damit zugleich eine neue Perspektive ein: Nicht nur christliche Kunst zu erhalten, sondern auch religiöse Elemente in Kunstformen außerhalb des Christentums aufzuspüren. 2010 im Jahr der Kulturhauptstadt Essen schrieb der Kunstverein den Wettbewerb „ars liturgica“ erstmals aus, bei dessen dritter Auflage im vergangenen Jahr sich knapp 140 Künstler beteiligten. Auch nach Auflösung des Kunstvereins wird das Bistum Essen „ars liturgica“ weiterführen. Die Resonanz auf diese Initiative, so sagte Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck in seiner Predigt, habe gezeigt, dass Kunst und Religion auch heute noch von hoher Bedeutung seien, und zwar gerade im Spannungsfeld von Tradition und Innovation. Insofern habe der Kunstverein des Bistums Essen in den 55 Jahren seines Bestehens eine wichtige Aufgabe erfüllt. Allerdings, so begründete Pater Philipp Reichling die Auflösung des Vereins, wolle man nun auf die Zeichen der Zeit reagieren: „Es dürfen Dinge auch mal zu Ende gehen.“ (cs)

Predigt Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck im Wortlaut (PDF)

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