Kreuzigungsgruppe wird mit Liebe zum Detail saniert

An der Kettwiger Straße in der Essener Innenstadt arbeitet eine Steinbildhauerin an den rund 170 Jahre alten Figuren. Auch an anderen Baustellen am Essener Dom gehen die Arbeiten voran. Mitte kommender Woche wird das Schaffrath-Fenster wieder montiert.

Arbeiten am Dom gehen voran

Staub, Moos, Dreck – einige Meter über Essens Kettwiger Straße arbeitet Steinbildhauerin Chari-Juliane Tihanyi derzeit im Angesicht des Gekreuzigten. In mühevoller Kleinarbeit bemüht sie sich auf einem Gerüst hinter einer weißen Schutzplane darum, den Bestand der rund 170 Jahre alten steinernen Kreuzigungsgruppe an der prominentesten Einkaufsstraße der Ruhrmetropole auch für die kommenden Jahrzehnte zu sichern.

Aus der Nähe sind die Spuren dieser bewegten Vergangenheit unübersehbar: Das Haupt der Christus-Figur hat durch Moosbewuchs einen grünen Schimmer erhalten, dem rechten Schächer wurden zur Sanierung bereits Teile der Beine abgenommen – und an der linken Figur sind deutliche Brandspuren zu erkennen. „Vielleicht sind das Folgen eines Bombenangriffs aus dem Zweiten Weltkrieg“, vermutet Dombaumeister Ralf Meyers. Er koordiniert die umfangreichen, vom Münsterbauverein finanzierten Reparaturarbeiten, die derzeit an vielen Stellen rund um den Essener Dom im Gange sind. Während an den Kirchengebäuden vor allem großflächige Fugen- und Dachsanierungen anstehen, geht es bei der Kreuzigungsgruppe um teils winzige Details. „Das ist ganz viel Puzzle-Arbeit“, beschreibt Meyers die Suche nach Lösungen für die verschiedensten Probleme an den drei 1846 vom Düsseldorfer Bildhauer Meinardus geschaffenen Figuren und den später – vermutlich nach dem Zweiten Weltkrieg – errichteten Betonkreuzen.

Tihanyis Tätigkeit erinnert dabei manchmal eher an die einer Ärztin: Sie heftet lose Platten der Sandstein-Figuren mit winzigen Edelstahl-Nadeln wieder an, modelliert ausgebrochene Stellen mit Steinersatz-Masse nach und korrigiert hier und dort auch die Farbe der Figuren. Blendet man die staubige Umgebung aus, könnten die Schläuche, mit denen hier und dort behutsam Expoxydharz und Kleber in die Figuren gepumpt werden, auch an eine Intensivstation erinnern. Zumal in den kommenden Tagen auch noch komplette Gliedmaßen – nach gelungener Sanierung – wieder „implantiert“ werden. Bis Weihnachten soll die Operation beendet sein, hofft Dombaumeister Meyers- wenn nicht bei den weiteren Untersuchungen noch überraschende Komplikationen auftreten. „Uns ist wichtig, bei allen Korrekturen alle historischen Spuren soweit es geht zu erhalten“, betont Meyers. So werden die Brandspuren beim linken Schächer auch nach der Sanierung noch erkennbar sein.

Zeiger und Zifferblatt am Turm der Anbetungskirche

In anderen Bereichen der aktuellen Domsanierung sind die Arbeiten hingegen schon so gut wie abgeschlossen. Bereits am Donnerstag konnten Zeiger und Zifferblatt der Uhr am Turm der Anbetungskirche wieder installiert werden. Beides war zuvor komplett demontiert und per Sandstrahl gereinigt worden. Passanten auf der Kettwiger Straße sehen die neu vergoldeten Zahlen und Zeiger indes frühestens Mitte Dezember wieder in der Sonne leuchten – dann sollen an dieser Seite der Kirche die Arbeiten abgeschlossen sein, so dass Gerüst und Schutzplane abgebaut werden und den Blick auf die mittelalterliche Westfassade wieder frei geben.

Schaffrath-Fenster der Anbetungskirche

Schon ab Mitte kommender Woche können Besucher jedoch wieder einen Blick auf das ebenfalls sanierte Hauptfenster der Anbetungskirche werfen. Das 1968 vom Alsdorfer Künstler Ludwig Schaffrath gestaltete Fenster war komplett demontiert und in einer Spezialwerkstatt aufgearbeitet worden. Nachdem bereits vor einigen Tagen eine Schutzverglasung montiert worden war, kann nun auch das eigentliche Fenster wieder eingesetzt werden. Wenn dann ab Mitte kommender Woche auch das Gerüst in der Anbetungskirche wieder abgebaut ist, können Kirchenbesucher das mit seinen Bleilinien und zarten Farbakzenten einzige aufwendiger gestaltete Fenster in der Anbetungskirche wieder anschauen. (tr)

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