Körnerkissen, Senf und ganz viel Nähe

Die Altenaer Pfarrei St. Matthäus hat mit dem "Alte-NAH-Kästchen" einen Kirchenladen auf Zeit eröffnet. Bis zum vierten Advent ist sie nun zwei Monate lang mit einem eigenen Geschäft mitten auf der Haupteinkaufsstraße Altenas präsent. Dort will sie - ganz nach dem Zukunftsbild des Bistums Essen - nah bei den Menschen sein.

Ein Kirchenladen auf Zeit

Körnerkissen liegen im Holzregal, gegenüber stehen Pakete mit fair gehandeltem Kaffee und Gläser mit vier Sorten Senf aus der Region. Auch Kerzen und Geschenkkarten gehören zum Sortiment. Doch das wichtigste Produkt in diesem Geschäft ist Nähe – und die gibt es hier, mitten in der Altenaer Einkaufstraße sogar ganz umsonst. Für zwei Monate lässt sich die Katholische Kirchengemeinde St. Matthäus auf das Experiment ein, mit einem „Pop-Up-Store“ – einem nur für begrenzte Zeit geöffneten Geschäft – mitten unter die Leute zu gehen. Immer dienstags, mittwochs, donnerstags und samstags öffnen ehrenamtliche Mitarbeiter nun das „Alte-NAH-Kästchen“ und bieten gleich unterhalb der berühmten Altenaer Burg neben allerlei Produkten auch reichlich Informatives und eine ausgesprochen gemütliche Atmosphäre.

„Wir haben uns in unserem Gemeinderat intensiv mit dem Zukunftsbild des Bistums Essen beschäftigt“, berichtet Stefan Kemper, der Vorsitzende des Katholikenrates Altena-Lüdenscheid. In sieben zentralen Begriffen wird darin beschrieben, wie die katholische Kirche im Ruhrbistum künftig sein möchte. „Der Begriff ,nah' hat uns dabei besonders angesprochen“, sagt Kemper – nicht nur wegen der sprachlichen Nähe zum Namen der Heimatstadt, mit denen sie jetzt auch beim „Alte-NAH-Kästchen“ spielen. „Wir sind da wo das Leben spielt“, zitiert die Gemeinde auf einem Plakat in ihrem neuen Geschäft aus dem Zukunftsbild. Das ist eigentlich noch ein wenig zurückhaltend – denn die Aktiven aus St. Matthäus wollen mit ihrem Laden auch dafür sorgen, dass noch mehr Leben spielt in der hier und dort von reichlich Trostlosigkeit gezeichneten Einkaufsstraße. Das ist auch die Idee der Stadt Altena, die „Pop-Up-Stores“ mit Geld und Beratung unterstützt, um so dem Leerstand den Kampf anzusagen und mit einem wechselndem Angebot zusätzliche Kundschaft anzulocken.

Da ist das neue „Alte-NAH-Kästchen“ schon eher ein ungewöhnlicher Einzelhändler – nicht nur wegen der exklusiven Öffnungszeiten (dienstags bis freitags 15-18 Uhr sowie donnerstags und samstags 10-13 Uhr). Neben Konsum steht in der Lennestraße 89 auch Kontakt-Pflege auf dem Programm. „Je einmal die Woche sind bei uns Ansprechpartner von einem Trauercafé, von der Familienbildungsstätte und von einem neu gegründeten Palliativ-Care-Kreis im Laden“, kündigt Gemeinderatsvorsitzende Christiane Frebel an. Außerdem legen jede Menge Flugblätter und Zeitschriften neben der Handvoll Stühle aus, die zum Verweilen einladen. Auch Wokshops und Gebete stehen auf dem Programm. Der Erlös des Ladens - Miete und Einrichtung sind dank Spenden und eines Zuschusses des Bistums gedeckt - geht übrigens je zur Hälfte an die Gemeindecaritas und das Projekt Bekennen.Beten.Spenden.

„Für uns ist es ein Erlebnis, mal mitten in der Stadt zu sein“, sagt Frebel mit Blick auf die knapp zwei Kilometer entfernte Kirche. Die Kinderkrankenschwester ist jetzt so etwas wie die Geschäftsführerin des „Alte-NAH-Kästchens“ – „dabei hatte ich mit Geschäften vorher nie etwas zu tun“, sagt sie mit einem Schmunzeln, „aber ich kann organisieren“. So hält sie den Kreis der rund 25 Aktiven zusammen, die in den vergangenen Monaten die Einrichtung des Geschäfts geplant und die Eröffnung vorbereitet haben. „Es ist toll, wie die verschiedenen Talente ineinander greifen“, freut sich Frebel. Egal ob Kaufmann oder Kreative – für jeden gibt es im „Alte-NAH-Kästchen“ etwas zu tun. Dabei seien rund ein Drittel des Teams Gemeindemitglieder, die sich erst durch das Laden-Projekt wieder in die aktive Gemeindearbeit eingebracht hätten, freuen sich Frebel und Kemper.

Bis zum vierten Adent werden die beiden zusammen mit dem Rest des Teams nun im Laden stehen, verkaufen – und als katholische Christen einfach ansprechbar sein. Wie es danach weitergeht, lassen sie bewusst offen. Nur das „Alte-NAH-Kästchen“ wird dann definitiv geschlossen – nicht nur, weil das zum Konzept der „Pop-Up-Stores“ gehört. „Dieses feste Enddatum war uns wichtig, um unsere Ehrenamtlichen nicht zu überfordern“, erläutert Kemper, „so wusste jeder von vornherein, worauf er sich einlässt“. Aber dass sie sich nach diesem Auftritt mitten in der Stadt, ganz nah bei den Menschen einfach wieder hinter irgendwelche Kirchenmauern zurückziehen, das kann sich im „Alte-NAH-Kästchen“ niemand vorstellen. (tr)

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