Klimawandel wird Hungerkrise verschärfen

Die Folgen des Klimawandels sind für viele Menschen schon heute bittere Realität. In den internationalen Konferenzen zum Klimawandel finden sie allerdings bisher wenig Gehör.

Anlässlich des Welternährungstags fordert das Bischöfliche Hilfswerk Misereor von der Weltgemeinschaft eine stärkere Einbindung von Menschen aus betroffenen Ländern in Überlegungen zu Klimawandel und Welternährung. "Noch immer finden diejenigen zu wenig Gehör, denen durch den Klimawandel bereits heute die Lebensgrundlage mehr und mehr entzogen wird. Auf vielen internationalen Konferenzen wird um Maßnahmen gegen den Klimawandel gerungen. Die eigentlich Betroffenen, die schon jetzt tagtäglich um ihre Ernährung kämpfen, kommen dabei aber nicht zu Wort", beklagt Ulrich Füßer, Leiter der Asien-Abteilung bei Misereor. "60 Prozent der südasiatischen Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft. Bis 2050 werden Ernterückgänge von 30 Prozent befürchtet. Ein Anstieg der Durchschnittstemperatur um ein Grad bedeutet 10 Prozent weniger Reisernte. Weniger, aber heftigere Regenfälle sind zu erwarten. Diese Fakten, die durch unsere Partner belegt sind, lassen erahnen, wie massiv sich die Folgen des Klimawandels auf die Ernährung in diesen Ländern auswirken werden", berichtet Füßer von einem Partnerworkshop in Indien.

Im Rahmen des Projektvorhabens "Klimawandel und Gerechtigkeit", von Misereor, dem Potsdam-Institut für Klimaforschung (PIK), der Münchner-Rück-Stiftung und dem Institut für Gesellschaftspolitik in München (IGP), finden zur Zeit Klima- und Ernährungsworkshops in den vom Klimawandel besonders betroffenen Ländern statt. "Misereor hat diese Konferenzen organisiert, um von den lokalen Erfahrungen zu lernen. Betroffene vom Klimawandel sollen sich austauschen und Strategien entwickeln, wie sie sich an den Klimawandel anpassen und Strategien gegen den Hunger aufgrund von Naturkatastrophen finden können", so Misereor-Fachreferentin Nicole Piepenbrink, die gerade von einem der Treffen von den Philippinen zurückgekehrt ist. "Alle Studien zeigen, dass die Zahl der vom Hunger bedrohten Menschen mit dem Klimawandel zunimmt."

Auf den von Taifunen und heftigen Regenfällen mit hunderten Toten betroffenen Philippinen stand das Thema "Ernährungssicherheit" im Mittelpunkt. Die Jahreszeiten spielten verrückt. Der Sommer hätte eigentlich im März beginnen sollen. Dieses Jahr habe er aber erst im Mai angefangen. Wie solle man da wissen, wann man ernten solle? So lauteten Aussagen der Menschen auf den Philippinen. "Die Bauern, die am Workshop teilgenommen haben, waren sich einig", so Piepenbrink. "Sie setzen auf nachhaltige, lokal angepasste Landwirtschaft, traditionelles Saatgut, das sich den Klimaveränderungen leichter anpasst als genmanipuliertes Saatgut."

Gerade Projektpartner wie das philippinische Projekt MASIPAG, die in der ländlichen Entwicklung aktiv sind und mit den betroffenen Menschen vor Ort die konkreten Auswirkungen des Klimawandels erleben, suchen nach neuen Wegen, nicht nur lokal, sondern auch national und international Lösungen zu finden. Im MASIPAG-Netzwerk sind heute über 30.000 Bauernfamilien in über 600 Bauerngruppen organisiert. Sie haben ein nachhaltiges System entwickelt, in dem die Kontrolle über die Betriebsmittel, also Saatgut, Dünger und Pflanzenschutz, weitgehend bei ihnen liegt. Unterstützt von Wissenschaftlern haben sie über 750 alte Reissorten gesammelt und genutzt, sowie über 500 neue Reislinien gezüchtet, die ideal an die lokalen landwirtschaftlichen Bedingungen angepasst sind, also auch Überschwemmungen und Hitze überstehen können. Die Produktivität der von MASIPAG-Bauern und Bäuerinnen gezüchteten Sorten übertrifft selbst die Hochleistungssorten des internationalen Reisforschungsinstituts.

Das Projekt "Klimawandel und Gerechtigkeit", das im nächsten Jahr mit einer Studie veröffentlicht wird, untersucht die  Wechselwirkungen zwischen der Vermeidung eines gefährlichen Klimawandels und der Bekämpfung weltweiter Armut. Ziel ist es, geeignete Strategien und Optionen einer globalen Klima- und Energiepolitik zu entwickeln,
welche die nationalen und internationalen Bemühungen zur Armutsbekämpfung nicht gefährden, sondern möglichst unterstützen. (Michael Mondry/Misereor)

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