Klaus Töpfer wirbt für echte Beteiligung in der Gesellschaft

Der ehemalige Bundesumweltminister sprach auf Theologen-Kongress an der Ruhr-Universität Bochum. Noch bis Mittwoch, 17. Juni, diskutieren dort hunderte Wissenschaftler über Partizipation und Führungskultur in der Kirche.

Kongress zu Partizipation und Führungskultur in der Kirche

Der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) hat sich am Montag für ein Gesellschaftsmodell ausgesprochen, das auf einer echten Beteiligung der Bürger basiert. Dabei dürfe es nicht nur um ein Werben für Akzeptanz neuer Entwicklungen gehen, „denn das bedeutet ja, dass die Bürger dies vorher gar nicht gewollt haben“, sagte Töpfer bei einem Kongress der Katholisch-Theologischen Fakultät an der Ruhr-Universität Bochum (RUB). Stattdessen sei eine echte Partizipation wichtig. Töpfer sprach auf dem Kongress „Taufbewusstsein und Leadership“. Noch bis Mittwoch diskutieren dort mehrere hundert Theologen, wie in der Kirche einerseits eine stärkere Beteiligung aller Getauften und andererseits eine auf diese Beteiligung abgestimmte neue Führungskultur etabliert werden kann. Auch aus Sicht Töpfers ist in der Kirche angesichts sinkender Mitgliederzahlen und einer schwindendenden Beteiligung vieler Gläubigen „die Frage nötig, wie können wir die Menschen wieder stärker einbinden?“. Dabei warnte er davor „die Ehrenamtlichkeit erst dann zu entdecken, wenn die Kassen leer sind“.

Töpfer beklagt „Diktat der Kurzfristigkeit“

Als drei Grundvoraussetzungen für eine ehrliche Beteiligung nannte Töpfer, der als Leiter des UN-Umweltprogramms acht Jahre lang in Kenia gelebt hat, ausreichend Zeit für Argumentation, eine möglichst geringe Komplexität des Entscheidungsgegenstands und eine große Transparenz des Verfahrens. Aktuell lebe die deutsche Gesellschaft „unter dem Diktat der Kurzfristigkeit“, sagte Töpfer mit Verweis auf Forderungen aus der Wirtschaft an die Politik, Entscheidungszeiten zu verkürzen und risikofreudiger zu handeln. „Doch überall dort, wo Sie die Entscheidungszeiten immer kürzer machen, werden Sie es schwer haben, Bürger glaubwürdig einzubinden“, warnte er.

Auch Papst Franziskus werbe für Partizipation

Nur wenn die Projekte nicht zu groß, nicht zu komplex würden, gebe es Möglichkeiten zu echter Beteiligung, weil es echte Entscheidungs-Alternativen gebe, so Töpfer. „Wenn etwas ,too big to fail‘ ist, gibt es keine Alternativen.“ Deshalb sei eine Umstellung der Energieversorgung von riesigen Kraftwerken hin zu einer stark auf Selbstversorgung setzende Struktur so wichtig, betonte Töpfer, der sich seit 2009 als Exekutivdirektor des Potsdamer „Institute for Advanced Sustainability Studies“ für eine nachhaltige Entwicklung einsetzt. Töpfer erinnerte zudem an Papst Franziskus „der eine Kirche von unten will – besser kann man ,Partzipation‘ doch gar nicht übersetzen!“ (tr)

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