„Klammer“ zwischen Seelsorge und Caritas

Sein 85. Lebensjahr vollendet am 22. Dezember 2014 der frühere Essener Dompropst und ehemalige Diözesan-Caritasdirektor Prälat Günter Berghaus, der seit Ende 2004 im Ruhestand lebt.



Dompropst em. Günter Berghaus wird 85 Jahre alt

„Not und Armut müssen beim Namen genannt werden, vor allem deshalb, weil sich die Betroffenen selbst nicht verständlich machen können.“ Immer wieder hat Prälat Günter Berghaus diesen Satz betont. Am Montag, 22. Dezember, feiert der frühere Essener Dompropst und ehemalige Diözesan-Caritasdirektor die Vollendung seines 85. Lebensjahres. Das Engagement in Caritas und Pastoral hatte und hat auch heute noch für den gebürtigen Sauerländer „Klammer-Charakter“. „Caritas ist Dienst der Kirche. Sie ist eine pastorale Aufgabe. Beide dürfen sich nicht voneinander weg bewegen.“ Günter Berghaus stand mit Person und Amt für diese enge Verbindung.

Seine „Laufbahn“ als engagierter Caritasmann begann für den 1956 in Paderborn geweihten Priester im Jahr 1970 als Mitarbeiter im Diözesan-Caritasverband Essen. Nach Abschluss des  Studiums der Caritaswissenschaften in Freiburg (bis 1972) kam Berghaus in die „Chef-Etage“ des Essener Diözesan-Caritasverbandes, zunächst als Stellvertreter des Caritasdirektors, dann ab 1974 als Direktor.

Viele Initiativen und Modelle im Bereich der Arbeit der Caritas hat er seit dieser Zeit angeregt, die beispielhaft auch über den Bereich des Bistums Essen hinausgegangen sind. So etwa die Polenhilfe der Caritas in den 80er Jahren oder aber die Einrichtung einer großen Beratungsstelle für HIV-Infizierte zu einem Zeitpunkt, als sich nur sehr wenige um AIDS-Kranke und HIV-Infizierte kümmerten.

Am 7. November 1993 wurde Berghaus als Nachfolger von Prälat Ferdinand Schulte Berge in seine neue Aufgabe als Dompropst in Essen eingeführt. Damit war im Bistum Essen eine für die deutschen Bistümer einmalige Situation eingetreten: Mit Günter Berghaus wurde ein amtierender Diözesan-Caritasdirektor, der diese Aufgabe auch weiterhin wahrnahm, zum Dompropst ernannt. Als „Hausherr“ der Essener Kathedrale sah sich Berghaus schon bald vor die Aufgabe gestellt, die Grundsanierung des tausend Jahre alten „Münsters am Hellweg“ zu koordinieren, zu organisieren und nicht zuletzt zu finanzieren.

Im Januar 1999 entpflichtete der Bischof Prälat Berghaus von seiner Aufgabe als Diözesan-Caritasdirektor. Nach mehr als 27-Jähriger Tätigkeit verließ damit einer der bundesweit profiliertesten Caritasvertreter die „sozialpolitische Bühne“. Das Amt des Dompropstes übte der „Mann mit örtlicher Verwurzelung und weltweitem Horizont“ (Bundespräsident Johannes Rau über Berghaus) weiterhin aus. Das nächste große Projekt hatte Berghaus bereits in Angriff genommen: eine neue Orgel für den Essener Dom. Im Herbst 2001 konnte sie erstmals wieder erklingen.

Am Fest Mariä Empfängnis 2004 strahlten "Essen sein Dompropst" und "Essen sein Schatz", die Goldene Madonna, um die Wette. Beide hatten dazu auch allen Grund: die Goldene Madonna war in frischem Glanz wieder für die Öffentlichkeit zugänglich, und Prälat Günter Berghaus hatte damit seinen letzten großen Coup in seiner Eigenschaft als Dompropst gelandet.

Aber die Konservierung und Reinigung der weltweit ältesten Marienfigur war nicht das einzige Highlight in der Amtszeit des dritten Essener Dompropstes. Neben der Grundsanierung "seiner" Kathedralkirche, der Bistumswallfahrt 2000 mit einem komplett leer geräumten Dom, die Feierlichkeiten "1150 Jahre Stift und Stadt Essen" 2002, der Bau der neuen Rieger-Orgel und die Einrichtung der Nikolaus-Groß-Kapelle 2004. Und nicht zu vergessen ist auch die Wahl des dritten Bischofs von Essen im Jahre 2003 durch das Domkapitel mit Berghaus an der "Spitze".

Aber Berghaus landete auch kleinere Coups: So holte er zum Stiftsjubiläum fünf Äbtissinnen zu den Fastenpredigten und musste dabei die freudige Erkenntnis gewinnen, dass "seine Kathedrale" zu solchen Anlässen den Besucherströmen nicht gewachsen war. Und gerade die Besucher des Essener Doms hatte Berghaus im besonderen Blick. So war er am 12. September 2002, nach den Terroranschlägen von New York, "einfach da", als Ansprechpartner und Zuhörer für fassungslose Menschen, darunter sehr viele Kinder und Jugendliche. Günter Berghaus sprach mit ihnen über Ängste und Hoffnungen, gab ihnen den Raum für spontane Zeichen der Trauer und der Erschütterung.

Nach der Vollendung seines 75. Lebensjahres am 22. Dezember 2004 trat Prälat Günter Berghaus als Dompropst zurück und lebt seitdem im Ruhestand. (me/do)

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