Keine Binnenorientierung und Verteilungskämpfe

Abschied zu nehmen von einer reinen Binnenorientierung, stattdessen kreativ und mutig nach neuen Wegen zu suchen, um möglichst viele Menschen mit Gott in Berührung zu bringen, dazu rief Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck am Neujahrstag im Essener Dom auf. Für das Ruhrbistum wünsche er sich eine offene, weite, bewegende und missionarische Kirche.

Neujahrspredigt von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

Die Zeit der Volkskirche ist vorbei. Das unterstrich Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck im Pontifikalamt am Abend des Neujahrstages, 1. Januar, im Essener Dom. Die Kirche befände sich in einem Veränderungsprozess, „den Viele als Krise wahrnehmen, eine Krise, die zeigt, dass es immer weniger gelingt, viele Menschen mit unserer christlichen Botschaft zu erreichen“. Das Bistum Essen mache daher Schritte in eine neue Richtung. Im Dialogprozess „Zukunft auf katholisch“ werde engagiert um die Zukunftsfragen der Kirche gerungen und auch gestritten.

„Doch wie bisher kann es nicht mehr weitergehen“, mahnte der Ruhrbischof. Vieles im kirchlichen Leben sei heute „sehr binnenorientiert“. Es gebe „Verteilungskämpfe“, um das bisher Gewohnte zu halten und ohne sich zu fragen, ob dies der Gegenwart und Zukunft entspreche. Viele Menschen suchten Orientierung und Perspektiven. Doch nicht selten gebe es eine „Sprachunfähigkeit“ der Kirche bei den „oft bohrenden Fragen“ der Menschen.

Bei allen Gesprächen, Auseinandersetzungen und dem Ringen um den zukünftigen Weg müsse es um die „Förderung der Berührung mit Gott“ gehen. Diese Berührung sei das Fundament allen christlichen und kirchlichen Lebens. Deshalb müsse gefragt werden, ob die Strukturen der Kirche „tatsächlich zu Glaubenserfahrungen verhelfen, die die Berührung mit Gott in Jesus Christus“ ermöglichten. „Ich habe den Eindruck, dass in unserem Land die Kirche mit ihren Strukturen für nicht wenige Menschen eher ein Hindernis als eine Chance auf dem Weg zu Gott ist“, so Overbeck.

Notwendig seien eine der Welt zugewandte „wache Zeitgenossenschaft“, Eigen- und Mitverantwortung für den Glauben von überzeugten und überzeugenden Christen sowie eine „Offenheit und Weite“, in der eine missionarische Kirche sichtbar werde. Es genüge nicht, sich nur um sich selbst zu kümmern, sondern auch „die vielen Getauften, die distanziert und in vorsichtiger Sympathie mit der Kirche verbunden sind“, mit einzubeziehen, ebenso die vielen Menschen, die auf der Suche nach Sinn und Orientierung sowie offen für religiöse Antworten seien. 
 
Die Kirche sei kein starres Gebilde von Menschen, sondern sie habe eine Vielfalt, die aber „die Verbundenheit in der Einheit“ nicht ausschließe. Die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Menschen sei für die Kirche eine Bereicherung. Deshalb brauche der christliche Glaube unterschiedliche Ausdrucksformen und Orte.  „Wir werden deshalb auch nicht an alten Orten festhalten, die keine Zukunft mehr haben“, betonte Overbeck. Es gelte, neue Orte zu finden, die Kirche auch außerhalb der Strukturen von Pfarreien und Gemeinden erfahrbar machen könnten. (do)


Predigt von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

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