Katholiken in Ägypten hoffen auf Religionsfreiheit

Die christlichen Gemeinden in Ägypten sind mit tausenden Konvertiten konfrontiert. Das berichtete der Sprecher der katholischen Bischofskonferenz Ägyptens, Rafik Greiche, bei einem Besuch in Essen. Ägypten ist das Beispielland zum diesjährigen Monat der Weltmission.

Tausende Konvertiten in christlichen Gemeinden Ägyptens

Trotz aller Unruhen und innenpolitischen Spannungen sehen sich die christlichen Gemeinden in Ägypten mit einer wachsenden Zahl von Muslimen konfrontiert, die Christen werden möchten. „Auf diese Konvertiten sind wir kaum vorbereitet“, sagte Rafik Greiche, Sprecher der katholischen Bischofskonferenz Ägyptens, am Donnerstag in Essen bei einem Treffen mit den Islam-Beauftragten der katholischen und evangelischen Kirchen in Nordrhein-Westfalen. Zahlen zu den Konvertiten würden nicht erhoben, „aber jeder Priester, egal ob koptisch-orthodox, protestantisch oder katholisch, kann von Fällen in seiner Gemeinde berichten“, sagte Greiche. „Das geht in die Tausende.“ In der mehrheitlich muslimischen Gesellschaft Ägyptens werden Muslime, die zum Christentum übertreten, diskriminiert. Zudem bedrohen Islamisten Konvertiten immer wieder auch mit dem Tod. Gleichzeitig seien die katholischen Gemeinden „weder finanziell noch sozial darauf vorbereitet, die Konvertiten aufzunehmen“, beschrieb Greiche die Situation der ägyptischen Katholiken.

Nach „der zweiten Revolution innerhalb von zweieinhalb Jahren“ bemühe sich die katholische Kirche nun, ihre Impulse für eine neue ägyptische Verfassung einzubringen, erläuterte Greiche. Hier gebe es eine enge Zusammenarbeit mit den Protestanten und den anderen christlichen Konfessionen. Der derzeit in einer Verfassungsversammlung diskutierte Entwurf sichere jedem Ägypter auch eine einklagbare Religionsfreiheit zu, sagte Greiche. Selbst bei einer Annahme der Verfassung durch ein geplantes Referendum werde es jedoch wohl „mehrere Generationen“ brauchen, bis die Idee einer individuellen Glaubensfreiheit auch tatsächlich von jedem Ägypter als Teil einer individuellen Gewissensfreiheit wahrgenommen werde.

Greiche verwies darauf, dass die katholische Kirche in Ägypten landesweit 171 Schulen betreibe, an denen nicht nur Christen, sondern auch Muslime unterrichtet werden – Tendenz steigend. „Jedes Mal, wenn ich in anderen Ländern unterwegs bin wundere ich mich, dass das nicht überall der Fall ist“, sagte Greiche. „Wir sollten doch katholisch sein. Katholisch heißt ,universal’ – also für jeden.“ Die katholische Kirche in Ägypten sehe sich stärker als missionarische, denn als pastorale Kirche. Dennoch gehe es gerade in den Schulen nicht darum, muslimische Kinder für das Christentum zu gewinnen. „Wir wollen, dass die Muslime an unseren Schulen gute Muslime werden – gut erzogen und tolerant“, betonte Greiche. Kein Muslim würde dazu gezwungen, an christlichen Schul-Gottesdiensten teilzunehmen. „Aber bei großen Festen kommen viele muslimischen Schüler freiwillig – und bringen oft auch ihre Eltern mit in die Kirche.“ Zudem gehe man seit einigen Jahren dazu über, von Zeit zu Zeit den christlichen und muslimischen Religionsunterricht gemeinsam abzuhalten. „Dann suchen wir zum Beispiel bei den Gebetsritualen, Fasten-Traditionen oder Wertvorstellungen der Religionen nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden.“

In diesem Jahr steht Ägypten in Deutschland im besonderen Fokus des Monats der Weltmission, den die katholische Kirche seit 1980 immer im Oktober begeht. Von den rund 90 Millionen Ägyptern sind nur rund zehn Prozent Christen. Die größte der christlichen Kirchen ist die koptisch-orthodoxe Kirche mit rund 8 Mio. Gläubigen. Es folgt – zahlenmäßig mit großem Abstand – die koptisch-katholische Kirche mit rund 165.000 Gläubigen. Sie hat seit dem 15. Januar 2013 einen neuen Patriarchen. Msgr. Ibrahim Isaac Sedrak , Bischof von Minya, ist zum neuen Oberhaupt gewählt worden. Wenige Wochen zuvor wurde mit Papst Tawadros ein neues Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche gewählt. Beide wollen gemeinsam den innerchristlichen Dialog verstärken. (tr)

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